Magazin „afrikapost“ stellt Betrieb ein

Deutschsprachige Afrika-Medien bedürfen staatlicher Kultur- und Bildungsförderung. Ein Kommentar

(Autor: Ghassan Abid)

Am gestrigen Montag erreichte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ eine Hiobsbotschaft der Kollegenschaft der „afrikapost“, wonach das im Jahr 1888 gegründete Afrika-Magazin seinen Betrieb zum Ende 2014 einstellen musste. Die Medienkrise, die bei der deutschsprachigen Afrika-Presse schon immer vorherrschte und in den letzten Jahren sogar zugenommen hat, zwang nun das SPIEGEL-Magazin unter den Afrika-Publikationen in die Knie. Diese Angelegenheit sollte als dringender Weckruf verstanden werden.

afrikapost

© Das im Jahr 1888 gegründete Magazin „afrikapost“ stellt seinen Betrieb ein. Unter den deutschsprachigen Afrika-Medien galt die afrikapost als renommierte und hochwertige Presse, vergleichbar mit dem SPIEGEL-Magazin. Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, drückt gegenüber seinem Kollegen, dem afrikapost-Chefredakteur Klaus A. Hess [im Bild], sein tiefstes Bedauern aus.

Klaus A. Hess, Verleger und Chefredakteur der afrikapost, hielt in einem am 27. Juni 2013 veröffentlichten Interview mit der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die gesellschaftspolitische Bedeutung seines Magazins hervor: Im Sinne unserer Herausgeberin, der Deutschen Afrika Stiftung, zeichnen wir ein differenziertes Bild des afrikanischen Kontinents, also weder die reine negative Krisen-Katastrophen-Darstellung noch eine reine Schönschreiberei, sondern die ganze Vielfalt, die den Kontinent auszeichnet … Wir wollen ein realistisches Bild vermitteln.

Rund anderthalb Jahre später kam dann die für die Öffentlichkeit völlig unerwartete Finanzierungsschwierigkeit. Aus der Redaktion des Printmediums hieß es, dass sich für 2015 ein finanzieller Engpass aufgetan hatte, der auch durch die Herausgeberin nicht gedeckt werden konnte, so dass die Kündigung des Publikationsvertrags durch den Verlag unausweichlich wurde. Eine Weiterführung hätte aufgrund des Wegfalls von Anzeigenkunden zu Problemen geführt. Intensive Bemühungen in den letzten Monaten waren nicht erfolgreich.

Durchaus haben es auf Afrika fokussierte Medien unverhältnismäßig schwer, auf Basis einer schwachen Finanzausstattung eine in Qualität und Quantität hochwertige Berichterstattung anzubieten. Personelle, technische und logistische Kapazitäten hängen maßgeblich vom knapp verfügbaren Geld ab. Ohne das ehrenamtliche Engagement vieler Redakteurinnen und Redakeure würde die Zahl der Print- und Onlinemedien zum afrikanischen Kontinent auf ein Minimum sinken. Umso notwendig ist es, dass die staatliche Bildungs- und Kulturförderung diese „Nischen-Medienlandschaft“ miteinbezieht und unterstützt. Allein unser Projekt mit über zwei Millionen Visits belegt die Tatsache, dass die Nachfrage an Afrika-Themen groß ist.

Im Namen der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ bedanke ich mich bei den Kolleginnen und Kollegen des Magazins afrikapost für das wertvolle Engagment der letzten Jahrzehnte. Immer wieder wurde großer Wert darauf gelegt, die Geschehnisse vom Norden bis hin zum Süden Afrikas differenziert darzustellen. Namentlich erwähnen möchte ich den Chefredakteur Klaus A. Hess und die Berliner Redaktionsleiterin Marit Arnold, ohne die es die afrikapost in ihrer bisherigen Form nie gegeben hätte. Mit beiden Medienmachern pflegte unser Online-Medium eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, die stets in guter Erinnerung bleiben wird.

Redaktionelle Richtigstellung: In einer vorangegangenen Version wurde behauptet, dass die afrikapost pleite gegangen sei. Dies trifft nicht zu! Vielmehr hätte der Wegfall von Anzeigenkunden bei Fortdauer des Magazins eine Finanzierungslücke zur Folge gehabt. Dementsprechend ist der Betrieb zum gegenwärtigen Zeitpunkt eingestellt worden, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

2 Antworten zu “Magazin „afrikapost“ stellt Betrieb ein

  1. Sehr geehrter Herr Scholz,

    ich danke Ihnen für den kritischen Kommentar. Der Artikel wurde korrigiert.

    Viele Grüße zurück,

    Ghassan Abid, Chefredaktion

  2. Thorsten Scholz

    Sehr geehrter Herr Dipl.-Pol. Ghassan Abid,

    vielen Dank für die Meldung. Allerdings sollten Sie den Unterschied zwischen einer Geschäftseinstellung einerseits und einer Pleite oder gar einem Konkurs andererseits kennen. Soviel Sorgfaltspflicht sollte man schon erwarten können von jemand der gerne Journalist wäre.

    Dass Sie die Einstellung des Magazins damit verbinden, auf die angebliche – aber unbewiesene – Steigerung Ihrer Visitzahlen hinzuweisen lässt Sie nicht gerade sympathisch wirken.

    Viele Grüße
    Thorsten Scholz

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