Kriminelle tragen Uniform

Studie sorgte für große Entrüstung. Südafrikas Polizei grundsätzlich in schwere Verbrechen involviert?

(2010sdafrika-Redaktion)

Am 28. Januar 2015 stellte das renommierte „South African Institute for Race Relations (IRR)“ in Zusammenarbeit mit der Burenlobby AfriForum zum zweiten Mal eine knapp dreißig Seiten umfassende Studie vor, die für viel Entrüstung im politischen Pretoria sorgte. Dem „Broken Blue Line“-Report zufolge sei die Polizei, die bekanntermaßen für die Bekämpfung und Verhinderung von Straftaten zuständig ist, selbst kriminell. Es läge ein strukturelles Problem vor, so die Forscher.

Broken Blue Line

© Die zweite Ausgabe des Broken Blue Line-Reports, herausgegeben von IRR und AfriForum, bescheinigt der Polizei Südafrikas ein grundsätzliches Kriminalitätsproblem. Zu oft seien die Beamten in schwere Straftaten verwickelt. Es könne längst nicht mehr die Rede von Einzelfällen sein. (Quelle: Cover des 2. Broken Blue Line-Reports)

Das IRR hatte für die Studie hundert Medienberichte analysiert, die sich mit der Involvierung der Polizei in schwere Straftaten und Gewaltverbrechen befassten. Darauf aufbauend kommen die Forscher zur Erkenntnis, dass die Beamten in Morde bzw. Mordversuche, Raubüberfälle, Vergewaltigungen und andere Delikte verwickelt waren. In mehreren Fällen waren Schwerstkriminelle als Polizisten beschäftigt. Man könne nicht mehr von Einzelfällen sprechen.

Umgehende Kritik kann von Polizeipräsidentin Riah Phiyega, die den Bericht als „böswillig“ einstufte und ferner bemängelte, dass im Rahmen der Forschungsarbeit ihre Behörde nicht eingebunden worden war. Zudem ärgerte sie sich, dass ein Foto von ihr das Cover zierte. Allerdings widersprach das IRR der Empörung Phiyegas. Die Forscher hätten die Polizei vergeblich um Bereitstellung von Datenmaterial und um eine Stellungnahme angefragt. Schlussendlich kommen AfriForum und IRR zur Einschätzung, dass die Behördenleitung eine Mitschuld am kriminellen Strukturproblem der Polizeibelegschaft trage. Ob die Studie repräsentativ ist, lässt sich durchaus bezweifeln, da die südafrikanischen Medien stets negativ über die Polizei berichten und eine verzerrte Darstellung anzunehmen ist.

Südafrikas Polizei gilt als unzureichend qualifiziert, korrupt und kaum vertrauenswürdig. Unzählige Skandale haben dem Ruf der Behörde geschadet. Zudem hat die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ selbst wiederholt die Erfahrung gemacht, dass Presseanfragen ignoriert wurden und etwaige Zusagen schlichtweg gebrochen wurden. Sowohl eine interne als auch externe Kommunikation ist nicht gegeben. Der jüngste Vorfall mit mutmaßlichen Polizisten, die Passanten entführen wollten, sorgte für weitere Verunsicherung bei der Bevölkerung.

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