Unregelmäßigkeiten bei Daimler in Südafrika

Exklusiv: Mitarbeiter informiert über „unrechtmäßige Zahlungen“ in East London-Werk. Konzern wiegelt ab

(Autor: Ghassan Abid)

Die Daimler AG mit Hauptsitz in Stuttgart ist einer der führenden Automobilkonzerne weltweit. Seine bekannteste Marke ist Mercedes Benz. Über 2.700 Mitarbeiter sind auf dem rund 600.000 m2 großen Werksgelände in East London tätig. Die in Südafrika produzierten Limousinen der C-Klasse werden in Rechts- und Linkslenkermärkte – z.B. in die USA – exportiert. In diesem komplexen Prozess fließen enorme Geldflüsse zu den verschiedensten Empfängern. Nun informiert ein Mitarbeiter die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, dass es zu „unrechtmäßigen Zahlungen“ kam.

Daimler

© Die neue Mercedes-Benz C-Klasse wird im Werk in East London [im Bild] produziert und von Südafrika aus weltweit exportiert. Dieser Prozess ist hochkomplex und kostenintensiv. Nun informiert ein Mitarbeiter von Mercedes Benz in Südafrika, dass es zu Unregelmäßigkeiten gekommen ist. Der Konzern bestätigt das Fehlverhalten von Einzelpersonen. Allerdings bleiben die Hintergründe unklar. (Quelle: Daimler AG)

Demnach soll es bei Mercedes Benz in Südafrika zu Verstößen gegen gesetzliche Vorschriften und interne Anweisungen gekommen sein, die beim Konzern einen „signifikanten Schaden“ verursachten. Entsprechendes Fehlverhalten sei, so der Hinweisgeber weiter, über eine längere Zeit hinweg zu beobachten gewesen, da auch mindestens eine Führungsperson im East London-Werk involviert gewesen sein soll. Auf Anfrage der Redaktion bestreitet der Konzern, dass es in Südafrika zu Korruptionsvorfällen gekommen sei. Jedoch wird das Auftreten von mehrfachen Rechtsverstößen bestätigt.

In einer schriftlichen Stellungnahme des Automobilkonzerns heißt es, dass „im Jahr 2012 drei BPO-Fälle für Südafrika angelegt, davon zwei Fälle als zutreffend abgeschlossen wurden, jedoch keiner der Fälle einen Korruptionshintergrund hatte.“ BPO steht für das Business Practices Office, einem seit 2006 eingesetzten Hinweisgebersystem, das internen Hinweisen zu möglichen Rechtsbrüchen unter höchster Vertraulichkeit nachgeht und beschuldigtes Personal anhört und gegebenfalls in die Verantwortung nimmt. Im schlimmsten Fall drohen Strafanzeige und Kündigung.

Daimler sah sich nicht imstande, die genauen Hintergründe der beiden Fälle in Südafrika offenzulegen. Mehrfache Anfragen zu den „unrechtmäßigen Zahlungen“ wurden inhaltlich nicht beantwortet. „Aufgrund rechtlicher Rahmenbedingungen gehen wir jedoch nicht auf Einzelfälle ein“, so der Tenor aus Stuttgart. Es bleibt unklar, was konkret vorgefallen war, wie hoch der Schaden ist und welche personellen sowie strukturellen Konsequenzen gezogen wurden. Auch der Mitarbeiter möchte keine weiteren Informationen geben, da ansonsten seine Identität auffliegen könnte.

Mercedes Benz errichtete bereits 1948 das Werk in East London. 2012 wurden erstmals über 60.000 Fahrzeuge produziert. Daimler ist einer der attraktivsten Arbeitgeber im südlichen Afrika. Zudem ist der deutsche Konzern sozial engagiert, etwa bei der Bekämpfung von HIV und Aids.

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