Südafrika erlebt eigenen Snowden-Skandal

Hunderte Dokumente zu Südafrikas Geheimdienst SSA und Partnern wie CIA, Mossad, MI6 und FSB geleaked

(2010sdafrika-Redaktion)

Um 18 Uhr MEZ veröffentlichte der arabische TV-Sender Al Jazeera in Zusammenarbeit mit dem britischen Guardian unter dem Schlagwort „Spy Cables“ mehrere Artikel, die die Korrepondenz zwischen dem südafrikanischen In- und Auslandsgeheimdienst State Security Agency (SSA) und seinen Partnerdiensten CIA, MI6, Mossad, ASIO, FSB sowie anderen offenlegen. Unter den Dokumenten befinden sich auch Unterlagen mit der Geheimhaltungsstufe „Streng Geheim“, sodass eine Veröffentlichung dieser schutzbedürftigen Informationen mit erheblichen sicherheits- und außenpolitischen Schäden verbunden ist. Die Regierung in Pretoria erlebt den größten Spionage-Skandal in der Post-Apartheidsära. Die Folgen sind noch nicht absehbar.

Al Jazeera English

© Südafrikas Regierung gerät unter Druck, nachdem der arabische TV-Sender Al Jazeera in Zusammenarbeit mit dem britischen Guardian hunderte Geheimdokumente zugespielt bekommen hat, die die Korrespondenz der südafrikanischen Spionage mit den Partnerdiensten wie CIA und Mossad offenlegen. Die Zuma-Regierung hat nun einen eigenen Edward Snowden – einen Whistleblower. (Quelle: Screenshot/ Al Jazeera English)

Unter anderem handeln die Dokumente davon, wie der Westen in Kooperation mit Südafrika versucht, den nationalen Interessen des Irans – etwa die Umgehung des Wirtschaftsembargos – entgegenzuwirken. Andere Enthüllungen thematisieren den Anwerbungsversuch von Spitzeln, einen unfreiwilligen Deal mit dem israelischen Auslandsdienst Mossad oder der politische Druck des Westens auf südafrikanische Konzerne, die mit dem Iran wirtschaftlich zusammenarbeiten. Ebenso wird ans Licht gebracht, dass der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu entgegen der Mossad-Einschätzung zum iranischen Atomprogramm vor den Vereinten Nationen gelogen haben soll.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat ein südafrikanischer Geheimdienstler die Korrespondenz der SSA dem TV-Sender Al Jazeera in Doha zugespielt. Die Opposition und die einheimischen Medien sind gegenwärtig damit beschäftigt, die Informationen zu analysieren und entsprechende Erkenntnisse womöglich gegen den ANC einzusetzen. Fest steht, dass die Zuma-Regierung nun ihren eigenen Edward Snowden hat – einen Whistleblower. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ wird nach Sichtung des umfangreichen Datenmaterials ebenfalls über die „Spy Cables“ berichten. Ob sich unter den Dokumenten auch Schriftverkehr mit dem Bundesnachrichtendienst (BND) befindet, ist bislang unbekannt.

Al Jazeera-Video zu „Spy Cables“

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