„Spy Cables“: Israelische Agenten in Südafrika

Mossad und Shin Bet treten am Kap „arrogant, respektlos und arglistig“ auf. Tel Aviv übe Druck aus

(2010sdafrika-Redaktion)

Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad ist stärker als bisher angenommen in Südafrika operativ tätig. Allerdings pflegt der südafrikanische Nachrichtendienst State Security Agency (SSA) ein angespanntes Verhältnis zu den israelischen Spionen im Land. Diese treten „arrogant, respektlos und arglistig“ auf, belegen dem arabischen TV-Sender Al Jazeera zugespielte SSA-Dokumente. Die Agenten beider Staaten misstrauen sich gegenseitig.

Israel Defense Forces

© Die beiden israelischen Geheimdienste Mossad und Shin Bet sind stärker als bisher angenommen in Südafrika operativ tätig. Geleakte Dokumente des südafrikanischen Nachrichtendienstes SSA belegen, dass das Verhältnis zwischen den Sicherheitsbehörden beider Staaten angespannt ist. Insbesondere Mossad-Agenten treten am Kap „arrogant, respektlos und arglistig“ auf. Im Symbolbild ist eine Spionageeinheit der israelischen Streitkräfte zu sehen. (Quelle: flickr/ Israel Defense Forces)

Die SSA traut dem Mossad zu, einen Bombenanschlag in Südafrika auszuführen, um eine Verschärfung der Sicherheitsmaßnahmen zu bewirken. Denn der Schutz der israelischen Botschaft in Pretoria und israelischer Unternehmen in Südafrika sei nach dem Standpunkt Tel Avivs nicht ausreichend. Begründet wird das mangelnde Sicherheitsgefühl wohl auch durch den Umstand, dass kein Vertrauensverhältnis zwischen dem Mossad und der SSA vorherrsche, belegen geheime Dokumente.

So weisen sich Mossad-Agenten gegenüber ihren SSA-Kollegen nicht aus, verlassen bei Meinungsverschiedenheiten wutentbrannt die Sitzungen oder drohen sogar mit Cyber-Attacken auf die südafrikanische Finanzwirtschaft, wenn beispielsweise Israel-Boykottaufrufe zivilgesellschaftlicher Akteure wie BDS durch die Regierung in Pretoria nicht unterbunden werden. Problematisch ist, so zumindest die Einschätzung der SSA, dass der Mossad unzählige Spitzel in bedeutende Ministerien und Behörden erfolgreich platzieren konnte, die vertrauliche Informationen abschöpfen und diese weiterleiten.

Doch auch der israelische Inlandsgeheimdienst Shin Bet ist in Südafrika im Einsatz. Unter dem Deckmantel der mittlerweile privatisierten Fluglinie El Al betreibt der Dienst umfangreiche Aktivitäten. So schmuggeln die Spione illegal Waffen ins Land. Zudem genießen sie einen uneingeschränkten Zugang auf dem Johannesburger Flughafen. Zusätzlich observieren die Agenten als offizielle El Al-Mitarbeiter einzelne Fluggäste, die ihnen verdächtig erscheinen oder gezielt ausgewählt wurden.

Ferner komme die Problematik der politischen Dimension hinzu. Südafrikas Regierung hat mehrfach ihre Unterstützung für die Palästinenser signalisiert und die Besatzung durch Israel scharf kritisiert. Auch der damalige Geheimdienstminister Ronnie Kasrils, selbst jüdischen Glaubens, gehört zu den populärsten PLO-Sympathisanten. So hielt er mal fest: „Israels Handeln ist kriminell und verstößt gegen Menschenrechte und Völkerrecht“. Außerdem wiege die Tatsache schwer, dass Israel das einstige Apartheidregime umfangreich unterstützt hatte – etwa bei der Entwicklung von Atombomben.

Letztendlich dulde die SSA die Agenten aus Israel am Kap. Von einer engen geheimdienstlichen Zusammenarbeit kann jedoch keine Rede sein. Vielmehr wären die südafrikanischen Sicherheitsbehörden erleichtert, wenn Mossad und Shin Bet nicht mehr im südlichen Afrika aktiv wären – so der Gesamteindruck aus den internen Unterlagen des südafrikanischen In- und Auslandsgeheimdienst State Security Agency.

Al Jazeera zu Mossad-Aktivitäten in Südafrika

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