Weltraumforschung ohne Weitblick

Wissenschaftler fühlen sich vom Bundesforschungsministerium im Stich gelassen. Viele sind enttäuscht

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Regierung war stolz darauf, als sie gemeinsam mit Australien und anderen Staaten im Mai 2012 den Zuschlag für den Bau eines kilometergroßen Radioteleskops erhielt, das als Square Kilometre Array (SKA) bekannt ist. Die Forscher erhoffen sich Erkenntnisse über die Entstehung des Universums und einen möglichen Kontakt zu außerirdischem Leben. Doch Deutschland hat seine anfängliche Zusage zur Zusammenarbeit im Juni 2014 zurückgezogen. Hinter verschlossenen Türen fühlen sich deutsche Forscher von der Bundesregierung im Stich gelassen. Man zeigt sich vom zuständigen Bundesforschungsministerium enttäuscht.

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© Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie wird den Empfänger des MeerKAT-Teleskops [im Bild] konzipieren und aufbauen, der in das Mammutprojekt „Square Kilometre Array (SKA)“ aufgeht. Allerdings hat sich die Bundesregierung für den SKA-Austritt entschlossen. Die Folgen seien katastrophal, so die Forscher zur Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. (Quelle: SKA South Africa)

Im Juni 2013 erklärte Bundesforschungsministerin Johanna Wanka (CDU) im Interview mit der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ den Kurs ihrer Vorgängerin Annette Schavan (CDU) fortzusetzen. Das „Deutsch-Südafrikanische Wissenschaftsjahr“ sollte den wissenschaftlichen Beziehungen zwischen Berlin und Pretoria neue Impulse geben. Dazu gehörte auch, das SKA-Projekt finanziell und logistisch zu unterstützen. Aus diesem Grund trat die Bundesregierung der SKA-Organisation öffentlichkeitswirksam bei.

In der ersten SKA-Bauphase – im Jahr 2016 – ist der Bau von 64 Antennen des Typs „MeerKat“ in der Halbwüste Karroo in Südafrika geplant. Jede Einzelne, die insgesamt aus tausenden Einzelantennen besteht, ist so groß wie ein dreistöckiges Haus. Die Anlage wird „50-mal empfindlicher und 10.000-mal schneller“ als bisherige Projekte dieser Art sein, heißt es von der Organisation. Der Bau weiterer Antennen folgt in der anschließenden zweiten und dritten Phase.

Dr. Beatrix Vierkorn-Rudolph, Unterabteilungsleiterin „Großgeräte und Grundlagenforschung, Sonderaufgabe ESFRI“ im Bundesforschungsministerium und Professor Michael Kramer, Direktor am Max-Planck-Institut für Radioastronomie, sitzen noch im Direktorium des international besetzten Gremiums. Deutsche Forscher waren erfreut, in ein solches Prestigevorhaben eingebunden zu sein und mitwirken zu dürfen. Das Max-Planck-Institut warb auf seiner Homepage für das Astronomie-Projekt.

Allerdings kam es im Sommer vergangenen Jahres zu einem Rückzieher durch das Bundesforschungsministerium, der zum 30. Juni 2015 umgesetzt wird. Christiane Habermalz und Dirk Lorenzen griffen in einem Beitrag für den Deutschlandfunk die Hintergründe auf. Demnach hat der Austritt aus der SKA-Organisation zur Folge, dass deutsche Forscher keinen Zugang zu den Daten erhalten und deutsche Unternehmen bei Ausschreibungen nicht berücksichtigt werden. Unklarheiten bei den Kosten und im Forschungsnutzen hätten die politische Entscheidung begründet. Ein offizielles Statement des Ministeriums mit den konkreten Gründen bleibt bisweilen aus.

Kleiner Wehrmutstropfen: Das Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn informierte in einer Erklärung vom Dezember 2014, dass der Empfänger des MeerKAT-Teleskops in Kooperation mit den Universitäten Manchester und Oxford am Institut konzipiert und gebaut wird. Diese Teleskope gehen im SKA-Projekt auf. Datenaufnahme und Datenverarbeitung sollen mit dem Empfängerprojekt möglich sein, dessen Gesamtvolumen bei 11 Millionen Euro liegt und Max-Planck-Wissenschaftlern den „Zugang zu einem Weltklasseinstrument“ ermöglicht.

Allerdings zeigen sich die Wissenschaftler vom Bundesforschungsministerium enttäuscht. Das Max-Planck-Institut wäre dann lediglich bei MeerKAT beteiligt. Der SKA-Austritt würde „katastrophale Folgen für die deutsche Forschungslandschaft“ haben, heißt es hinter verschlossenen Türen gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Neben dem Verlust von Talenten befüchte man auch, auf wertvolle SKA-Daten nicht zugreifen zu können. Ebenfalls hätten Staaten wie China und Indien, die am SKA beteiligt sind, enorme Wettbewerbsvorteile gegenüber Deutschland, die nicht aufzuholen seien. Hinzu komme ein Ansehensverlust bei den Partnern in Südafrika. Kurzum: Man fühlt sich von der Bundesregierung im Stich gelassen.

3 Antworten zu “Weltraumforschung ohne Weitblick

  1. Pingback: Südafrikas Präsident in Berlin eingetroffen | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. „Die südafrikanische Regierung war stolz darauf, als es gemeinsam mit Australien“

    da es „die Regierung“ ist muss es auch “ sie gemeinsam mit Australien“ heißen!!!

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