Kap-Kolumne: Früher Dompas, heute Green Card

Skandal in Worcester: Es ist als streue man Salz in offene Wunden

(Autor: Detlev Reichel, Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals)

Im beschaulichen Städtchen Worcester in der Provinz Western Cape – dem selbsternannten „Musterländle“ Südafrikas – werden, wie jetzt berichtet wird, so genannte Green Cards an Arbeiter vergeben, die in den wohlhabenden Vierteln der Stadt arbeiten bzw. Arbeit suchen. Diese „green cards“ werden von den örtlichen Community Policing Forums (CPF) in Zusammenarbeit mit der Polizei (SAPS) ausgestellt. Der Ausweis zeigt Passbild, Name und Geburtsdatum des Trägers. Gärtner, Hausangestellte, Bauarbeiter sowie Arbeitssuchende, die bei CPF-Kontrollen in den betreffenden Gebieten eine solche Karte nicht vorweisen können, machen sich zwar nicht strafbar, aber verdächtig und werden beobachtet.

Green Card

© Die Stadt Worcester in der Provinz Western Cape hat mit der Einführung der sog. „Green Card“ einen nationalen Skandal ausgelöst. Das örtliche Community Policing Forum (CPF) stellt in Zusammenarbeit mit der Polizei ein Dokument aus, das die Freizügigkeit der Bürger Südafrikas einschränkt – wie zu Apartheidszeiten. Kein Einzelfall, hält Kap-Kolumnist Detlev Reichel fest.

In Gauteng sind inzwischen ähnliche Pläne bekannt geworden, so genannte „profile cards“ für Gelegenheits-Farmarbeiter in den ländlichen Gebieten der Provinz einzuführen. Die Worcester‘sche Green Card gibt es bereits seit 2012. Nach mehr als zwei Jahren der Nichtbeachtung entfaltet sich nun ein öffentlicher Sturm der Entrüstung. Zurecht, wenn auch spät, erinnert diese Green Card doch fatal an den so genannten „Dompas“ aus dunklen Apartheidzeiten.

Der „Dompas“ war das Ausweisbuch, das jede schwarze Person über 16 Jahren bei sich tragen musste, die sich im „weißen Südafrika“ aufhielt. Darin mussten Aufenthalts- und Arbeitsgenehmigung für das betreffende Gebiet enthalten sein. Waren die nötigen Einträge nicht vorhanden oder hatte man den Pass nicht dabei, wurde man sofort verhaftet und eingebuchtet. Nahezu jede/r erwachsene Schwarze hat so über die Jahre hinweg mal im Gefängnis gesessen.

Heute meinen die Urheber der grünen Karten mit treuherzigem Augenaufschlag, dies sei lediglich eine Maßnahme, die Kriminalität in den Wohngebieten der Wohlhabenden zu bekämpfen. In einem Land wie Südafrika, wo der „Dompas“ noch in frischer Erinnerung ist, sind derartige Maßnahmen bestenfalls als unsensibel, gefühllos, dumm, naiv zu bezeichnen. Geschichtsvergessen ist ein solches Denken und Vorgehen allemal.

Schwerwiegender ist: Die Green Card ist unvereinbar mit der Verfassung, die die Bewegungsfreiheit aller Menschen garantiert. Deshalb wird sie wahrscheinlich auch wieder verschwinden. Sie ist letztlich nur ein Symptom für die immer weiter auseinandergehende Schere zwischen Arm und Reich und wie Teile der Gesellschaft damit umgehen wollen. Ob es also bei diesem Versuch bleibt, darf bezweifelt werden.

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