Der privatisierte Krieg

Südafrikas Söldnertruppen zwischen afrikanischen Bürgerkriegen und internationalen Krisenherden

(Autor: Ghassan Abid)

Vor einigen Jahren traf ich in Johannesburg eine Frau, die mit einem etwa 40-jährigen Marokkaner verheiratet war. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie hin und wieder auf ihren Mann verzichten müsse. Er befinde sich regelmäßig im Ausland, sagte sie. Dafür verdiene er aber gutes Geld. Beim Nachhaken verriet sie, dass ihr Ehemann ein Söldner war und sich zum damaligen Zeitpunkt im Einsatz im Irak befand. Er war Mitarbeiter einer südafrikanischen Sicherheitsfirma. Ein aktueller Fall aus Nigeria bringt nun die Kriegsteilnahme von südafrikanischen Sicherheitsfirmen zurück ins öffentliche Bewusstsein. Tausende Bürger werden im Ausland vermutet.

Lotz

© Leon Lotz war ein Elite-Polizist des Apartheidsregimes, der in den 80er Jahren die Befreiungsbewegung SWAPO in Südwestafrika – dem heutigen Namibia – bekämpfte. Kürzlich starb der als Söldner engagierte Südafrikaner im Kampf gegen Boko Haram in Nigeria. Lotz ist einer von tausenden Ex-Sicherheitskräften Südafrikas, die im Ausland im Sicherheitssektor ihr Geld verdienen. (Quelle: Privat)

Die islamistische Terrormiliz Boko Haram hat es geschafft, ganze Völker im Westen Afrikas in Angst und Schrecken zu versetzen. Drohungen, Entführungen und Morde bestimmen den Alltag von Millionen von Menschen, die ihren einzigen Ausweg in der Flucht sehen. Die Regierung Nigerias ist mit dem Terrorismus sichtlich überfordert, trotz der angeblichen Erfolgsmeldungen. Ausländische Söldnertruppen sollen nun gemeinsam mit dem nigerianischen Militär den politischen Extremismus im Norden des Landes bekämpfen. Unter den Teilnehmern des heimlichen Krieges befand sich auch der Südafrikaner Leon Lotz. Der Söldner starb kürzlich unweit einer Straßensperre, heißt es bei diversen Medien.

Lotz verkörpert im Grunde genommen das, was man von einem privaten Sicherheitsdienstleister in internationalen Krisengebieten des 21. Jahrhunderts erwartet: Verschwiegen, diszipliniert und kampferfahren. Der Mann war für die Firma Pilgrim Africa, gegründet von einem Südafrikaner, in Nigeria im Einsatz. Einen zweifelhaften Namen machte sich Lotz als Elite-Polizist des Apartheidsregimes, der in den 80er Jahren die Befreiungsbewegung SWAPO in Südwestafrika – dem heutigen Namibia – bekämpfte. Für jeden getöteten „Terroristen“ gab es eine geringe „Kopfprämie“. Mit äußerster Brutalität gingen die Beamten vor.

Doch auch andere Südafrikaner weißer Hautfarbe, mit Berufserfahrungen bei den einstigen Sicherheitsbehörden, mischten bei afrikanischen Bürgerkriegen und in internationalen Krisenherden mit. Exemplarisch zu erwähnen sind hier Gray Branfield, ein ehemaliger Elitesoldat für verdeckte Operationen gegen ANC-Führungspersonen im südlichen Afrika, der 2004 im Irak enthauptet wurde. Ein anderer ist Simon Mann, ein eingebürgerter Ex-SAS-Elitesoldat Großbritanniens, der wegen der Beteiligung an einem geplanten Staatsstreich in Äquatorialguinea wegen Hochverrats verurteilt wurde. Am bekanntesten dürften jedoch die ehemaligen Offiziere Cobus Claassens und Eeben Barlow sein, die im Süden und Westen Afrikas im Einsatz waren.

Dabei verbietet der südafrikanische „Foreign Military Assistance Act“ aus dem Jahr 1998 die Beteiligung von eigenen Staatsbürgern an kriegerischen und bewaffneten Auseinandersetzungen im Ausland, sofern diese keine offiziellen Militärmissionen darstellen. Dennoch wirken tausende Ex-Apartheids-Sicherheitskräfte am privatisierten Krieg mit, wohl auch aus der Tatsache heraus, dass Strafen gegen diese Personen weitgehend ausbleiben. Neuesten Forschungsergebnissen zufolge waren im Irak zu Spitzenzeiten bis zu 2.500 Südafrikaner im Einsatz, viele von ihnen im Auftrag des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums.

2 Antworten zu “Der privatisierte Krieg

  1. Fabien LeBanner

    Schlecht recherchiert. Cobus war in der südafrikanischen Armee kein Offizier.

  2. Dank für den Interessanten Beitrag.
    Das Söldner-Unwesen ist ein elendiges.

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