Deutsch-südafrikanische Heereskooperation

Im Interview mit Bruno Kasdorf, Generalleutnant und Inspekteur des Heeres der Bundeswehr

(Autor: Ghassan Abid)

Bruno Kasdorf i

© Generalleutnant Bruno Kasdorf ist seit September 2012 der Inspekteur des Heeres. Im August vergangenen Jahres erhielt der ranghohe Offizier Besuch von seinem südafrikanischen Amtskollegen. Generalleutnant Vusumuzi Ramakala Masondo, Oberbefehlshaber der südafrikanischen Landstreitkräfte, zeigte sich von einer Zusammenarbeit mit den Landstreitkräften der Bundeswehr äußerst interessiert. (Quelle: Heer/ PIZ)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Bruno Kasdorf, Generalleutnant und Inspekteur des Heeres der Bundeswehr. Im August 2014 erhielten Sie Besuch vom Oberbefehlshaber der südafrikanischen Landstreitkräfte, dem Generalleutnant Vusumuzi Ramakala Masondo. Welche Tagespunkte standen auf der Agenda?

Antwort: Es hat mich außerordentlich gefreut, Generalleutnant Masondo in Deutschland empfangen zu dürfen. Wir haben uns sehr offen über aktuelle Herausforderungen für Landstreitkräfte ausgetauscht. Dies haben wir durch einen Besuch an der Infanterieschule in Hammelburg ergänzt, wo er sich vor Ort von der Leistungsfähigkeit unserer Infanterie überzeugen konnte.

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit zeigte sich Ihr südafrikanischer Amtskollege von der Bundeswehr beeindruckt?

Antwort: Generalleutnant Masundo hat sich mir gegenüber sehr positiv über seine Eindrücke geäußert. In unseren Gesprächen zeigte er großes Interesse an einer möglichen Ausbildungskooperation. Unsere modernen Fähigkeiten zur Abwehr von unkonventionellen Brand- und Sprengvorrichtungen (improvised explosive device (IED)) sowie die Teilnahme von südafrikanischen Beobachtern an einem Übungsdurchgang an unserem Gefechtsübungszentrum standen hierbei im Fokus.

© Generalleutnant Masundo besuchte im August 2015 die Infanterieschule der Bundeswehr in Hammelburg. Er zeigte großes Interesse an einer möglichen Ausbildungskooperation. (Quelle: Heer)

2010sdafrika-Redaktion: Ergeben sich aus dem jüngsten Deutschlandbesuch Masondos nachhaltige Kooperationsmöglichkeiten zwischen dem Heer und der Landstreitkräfte Südafrikas?

Antwort: Hinsichtlich unserer Kooperation stehen wir am Anfang und der Besuch von Generalleutnant Masondo war ein erster, sehr wichtiger Schritt. Ich sehe viel Potenzial für eine beiderseitig gewinnbringende Kooperation. Wir sind gerne bereit, die Landstreitkräfte Südafrikas zu unterstützen. Auch könnte das deutsche Heer Ausbildungseinrichtungen in Südafrika nutzen, um in Klimazonen außerhalb Europas zu üben. Dies entspricht unserem Ansatz, weltweit einsetzbar zu sein. Hierzu wird in Kürze eine hochrangige Delegation nach Südafrika reisen, um Kooperationsmöglichkeiten auszuloten.

2010sdafrika-Redaktion: Sie waren im Jahr 1999 als International Fellow am U.S. Army War College Carlisle eingeschrieben. Die Amerikaner gelten als enge Verbündete des südafrikanischen Heeres. Wünschen Sie sich ein stärkeres Engagement des deutschen Heeres in der bilateralen Zusammenarbeit mit Pretoria?

Antwort: Genau wie Südafrika, ist auch Deutschland ein enger Verbündeter der USA. Auch vor diesem Hintergrund erscheint eine engere Zusammenarbeit mit dem südafrikanischen Heer als eine sinnvolle Ergänzung unserer internationalen Kooperationsprojekte.

2010sdafrika-Redaktion: Ist in den Gesprächen der Wunsch geäußert worden, die Ausrüstung des südafrikanischen Militärs mit deutscher Unterstützung zu modernisieren?

Antwort: Über Ausrüstungsfragen haben wir nicht gesprochen. Die gemeinsame Ausbildung sowie der Erfahrungsaustausch standen ganz klar im Vordergrund unserer Gespräche.

© Gemeinsame Ausbildungen von deutschen und südafrikanischen Einheiten des Heeres könnten in naher Zukunft Realität werden. (Quelle: Heer)

2010sdafrika-Redaktion: Südafrika beteiligt sich bereits an diversen Friedens- und Stabilisierungsmissionen in Afrika. Wie bewerten Sie die Rolle des Kaplands in der afrikanischen Sicherheitsarchitektur?

Antwort: Südafrika hat in den vergangenen Jahren erfolgreich einen umfassenden Transformationsprozess durchlaufen. Als Regionalmacht ist Südafrika ein Stabilitätsanker im südlichen Afrika und ein wichtiger Akteur in der Afrikanischen Union (AU). Hier übernimmt das Land aufgrund seiner eigenen Erfahrung mit der friedlichen Überwindung der Apartheid eine führende Rolle bei der Förderung von Frieden und Stabilität. Ich glaube, dass dies auch in Zukunft von großer Bedeutung sein wird.

2010sdafrika-Redaktion: Erlauben Sie mir eine innenpolitische Frage zur Einsatzbereitschaft des Heeres. Nach mehreren Medienberichten ist auch das Heer mit erheblichen Materialproblemen konfrontiert. Können Sie die Mängel konkretisieren und wie Sie dieses Problem in den Griff bekommen wollen?

Antwort: Einsatzbereitschaft ist weit mehr als die Materiallage, die aktuell im Fokus der Medien steht. Dazu zählen auch unser Personal, unsere Struktur und unsere Ausbildung, wo wir gut aufgestellt sind, auch angesichts neuer sicherheitspolitischer Herausforderungen. Mit Blick auf unser Material haben wir das Modernste, was ein Hochtechnologieland wie Deutschland bereitstellen kann – leider nicht immer in der von mir gewünschten Stückzahl. Aber darüber klagt wohl jeder Heereschef weltweit! Eine aktuelle Herausforderung besteht in der materiellen Einsatzbereitschaft einzelner Waffensysteme, denen es auf Grund ihres schnellen, aber nötigen Einsatzes in Afghanistan noch an der Versorgungsreife fehlt. Das ist für neue Waffensysteme erklärlich. Hier werden wir in enger Abstimmung mit allen Beteiligten einen Arbeitsschwerpunkt bilden, um Abhilfe zu schaffen. Dies tut der Einsatzbereitschaft des Heeres keinen Abbruch – wir werden auch in Zukunft Ausbildung, Übungen und Einsätze ohne Einschränkungen sicherstellen.

© Generalleutnant Kasdorf und sein südafrikanischer Amtskollege Masundo verstanden sich gut. Weitere Zusammenkünfte zwischen beiden militärischen Führern sind bereits geplant. (Quelle: Heer)

2010sdafrika-Redaktion: Zum Abschluss die Frage, ob Sie bereits in Südafrika waren und falls noch nicht, was auf Ihrem Programm stehen würde?

Antwort: Ich werde das erste Mal nach Südafrika reisen und freue mich auf die einzigartige Landschaft mit seiner reichen Tier- und Pflanzenwelt. Aber im Vordergrund stehen vor allem die südafrikanischen Landstreitkräfte und mein Wiedersehen mit Generalleutnant Masondo.

2010sdafrika-Redaktion: Bruno Kasdorf, Generalleutnant und Inspekteur des Heeres der Bundeswehr, vielen Dank für das Interview!

Anmerkung der Redaktion: Das o.g. Interview ist im November 2014 realisiert worden. Im selben Monat hat eine fünfköpfige Delegation des Heeres unter der Führung von Generalmajor Walter Spindler, Kommandeur Ausbildungskommando in Leipzig, Kooperationsgespräche mit der SA Army geführt. Inzwischen hielt sich auch Generalleutnant Bruno Kasdorf im Februar 2015 in Südafrika auf, um einen „Letter of Intent“ zu unterzeichnen, der die konkrete Zusammenarbeit zwischen beiden Heeren ebnen soll. Neben der Festlegung von Kooperationsmaßnahmen, sind auch der Informations- und Expertenaustausch, wechselseitige Stabsbesprechungen und die Bereitstellung von Lehrgangsplätzen vorgesehen.

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