Licht ins Dunkel bringen

Südafrikas Wirtschaft erleidet durch Energiekrise schweren Schaden. Regierung ignorierte Warnungen

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika hat schon seit längerer Zeit ernste Schwierigkeiten mit der Sicherstellung einer flächendeckenden Energieversorgung. Nun verschärfte sich in den letzten Monaten das Ausmaß der Stromknappheit dermaßen, sodass man mittlerweile von einer nationalen Energiekrise sprechen muss. Auf öffentlichen Druck hin ist Mitte März 2015 der Vorstand des staatlichen Energiekonzerns Eskom suspendiert und eine Untersuchung zu den ungenügenden Produktionskapazitäten eingeleitet worden. Dabei ist schon längst klar, dass die Regierung die Schuld für die Misere trägt.

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© Südafrikas Energiekrise wäre vermeidbar gewesen, hätte die Politik bereits 1998 rechtzeitig gehandelt und nachhaltig geplant. Nun muss die Wirtschaft massive Verluste in Kauf nehmen. Das Wirtschaftswachstum in Südafrika ist durch die Energieknappheit erheblich gebremst worden. Im Bild ist das Kendal-Kraftwerk in der Mpumalanga-Provinz zu sehen. (Quelle: Graeme Williams/ MediaClubSouthAfrica.org)

Im Vorfeld der Fußball-WM 2010 in Südafrika erklärte der damalige Minister für Staatsunternehmen, Alec Erwin, dass das Land noch mindestens vier Jahre unter der Energieknappheit leiden würde. Die Reserveschwelle lag damals bei lediglich acht Prozent – üblich ist im internationalen Vergleich jedoch die doppelte Marge. In den darauf folgenden Jahren stieg die Stromnachfrage stetig weiter. Dabei war schon 2006 eindeutig absehbar, dass dringend neue Kraftwerke gebraucht werden. Warnungen gab es aber schon früher.

So erklärten mehrere Wirtschaftsexperten bereits 1998, dass die Politik rechtzeitig handeln müsse, um Engpässe zu vermeiden. Jedoch schätzte der damalige Staatspräsident Thabo Mbeki die Lage falsch ein. Dabei war erkennbar, dass das Land nach dem Ende der Apartheid immer mehr ausländische Investoren anlockte. Automobilindustrie, Bergbau, Landwirtschaft und Tourismus wuchsen immer schneller. Genauso bezogen immer mehr Privathaushalte Strom. Das Wachstum lag um die Jahrhundertwende herum bei respektablen fünf Prozent. Heute sind es nicht einmal zwei Prozent – zu wenig, um der Arbeitslosigkeit und Armut wirksam begegnen zu können.

Die Folgen der Energiekrise holen die Elite nun ein. Zu den Versäumnissen in Südafrika hielt Wolfgang Drechsler, Afrika-Korrespondent der Wirtschafts- und Finanzzeitung Handelsblatt, zutreffend fest: “Die Regierung hat den Ausbau des Stromnetzes seit 1998 schlichtweg verschlafen und läuft nun den Entwicklungen verzweifelt hinterher.“ Die Schuld nun an Eskom abzuwälzen oder als reine Konsequenz der Apartheid abzutun, wie bei einigen ANC-Politikern üblich, entspricht nicht der Realität. Denn einzelne Führungspersonen des Energiekonzerns blieben schlichtweg ungehört.

Zu nennen ist zum Beispiel der damalige Eskom-Vorsitzende Jacob Marogo, der die Bürger dazu aufrief, mit Strom sparsam umzugehen. Ferner sollte mit der Erhöhung der Stromkosten, die durch die privaten Verbraucher getragen wurde, der Bau neuer Kraftwerke finanziert werden. Ungeachtet dieses Appells passierte einfach zu wenig. Stattdessen wurde knapper Strom in die Nachbarländer Namibia und Simbabwe exportiert. Die Zunahme der regionalen Netzauslastungen wurde in Pretoria weitgehend ignoriert.

Die Wirtschaft beziffert die durch den Energiemangel verursachten Schäden in Millionenhöhe. Industrielle Großprojekte sind geplatzt. Nun versucht die Regierung, ihren Fehler auszubessern. Am 2. März dieses Jahres ging der erste Block des Kohlekraftwerks in Medupi in Betrieb, der innerhalb der nächsten drei Monate seine Gesamtauslastung von 794 Megawatt erreichen soll. Wann die weiteren fünf Blöcke ans Netz gehen, ist bislang unbekannt. Ganze sieben Jahre dauerte der Bau dieses Kraftwerks, das auch durch finanzielle Unterstützung der KfW-Bank realisiert worden ist. Zudem sollen mittelfristig mehrere Atomkraftwerke durch russische Firmen gebaut werden.

Nun unterstützt die Bundesregierung die Regierung in Pretoria im Rahmen einer Energiepartnerschaft. Die richtigen Rahmenbedingungen sollen gesetzt werden, um Investitionen in eine bezahlbare und umweltverträgliche Energieversorgung zu gewährleisten – erklärt Thorsten Herdan, Abteilungsleiter für die Bereiche Internationale Energiepolitik im Bundeswirtschaftsministerium, in einem Interview mit der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Eine solche Zusammenarbeit erweist sich durchaus als nützlich, zumal Südafrikas Präsident Jacob Zuma auf dem diesjährigen Weltwirtschaftsforum in Davos offensiv um neue Investoren im Energiesektor warb.

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