Feiern unter Protest

Südafrikanische Botschaft in Berlin lud anlässlich des Nationalfeiertags ein. 400 Gäste kamen. Ein Bericht

(Autor: Ghassan Abid)

Am 23. April lud die südafrikanische Botschaft in Deutschland anlässlich des bevorstehenden Nationalfeiertags – dem Freedom Day am 27. April als Jahrestag der ersten demokratischen Wahlen im Jahr 1994 – ein. Diplomaten, hohe Bundesbedienstete, Unternehmer, Journalisten und Künstler trafen auf in Deutschland lebende Südafrikaner. Rund 400 Gäste zählte die Botschaft, hieß es auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Unter den Eingeladenen befand auch ich mich, mit Begleitung. Allerdings waren das hohe Polizeiaufgebot und der Protest vor dem Botschaftsgebäude befremdlich.

Embassy

© Am 23. April lud die Botschaft Südafrikas zur Zelebrierung des anstehenden Nationalfeiertags ein. Diplomaten, hohe Bundesbedienstete, Unternehmer, Journalisten und Künstler trafen auf in Deutschland lebende Südafrikaner. Insgesamt kamen 400 Gäste, die leckere Weine und traditionelles Essen aus Südafrika genossen.

Schon beim Eintreffen gegen die Mittagszeit herum wirkte das hohe Polizeiaufgebot vor dem Gebäude in der Tiergartenstraße 18 recht bedrohlich. Denn auf der gegenüberliegenden Seite demonstrierten dutzende Personen gegen die fremdenfeindlichen Ausschreitungen in Durban und Johannesburg. Ein älteres Ehepaar erzählte mir später, man fühle sich an die traurigen Apartheidszeiten erinnert, als die westdeutsche Anti-Apartheid-Bewegung unweit der Botschaft Südafrikas in Bonn ihren Protest formierte.

So versank die musikalische Einlage eingereister Künstler vom Kap unter den lauten und unüberhörbaren Protestrufen. Aufgefallen ist der Umstand, dass jeder einzelne Botschaftsmitarbeiter einen Anstecker trug, der sich gegen die Xenophobie richtete. Ebenso wurde an der Außenfassade des Gebäudes eine entsprechende Parole angebracht, die für jedermann gut sichtbar war. Die Vertreter Südafrikas setzten ein klares Signal und distanzierten sich auf ihre Weise vom Fremdenhass, der als mediale Schlagzeile bisweilen um die Welt geht und dem Land einen schweren Imageschaden bescherte.

Bei der anschließenden Eröffnungsrede verurteilte Botschafter Makhenkesi Arnold Stofile die rassistischen Entwicklungen, die gegen den Freiheitsgedanken der Regenbogennation gerichtet sind. Südafrika toleriere zu keinem Zeitpunkt Fremdenhass. Erschreckend ist die Tatsache, dass dieser gegen die eigenen Brüder und Schwester aus Afrika gerichtet ist – so der erfahrene Diplomat und ehemalige Sportminister. Ministerialdirektor Clemens von Goetze, Leiter der Politischen Abteilung 3 im Auswärtigen Amt, bekräftigte in seiner Rede den Willen Deutschlands, seinen Partner am Kap jederzeit zu unterstützen.

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© Vor dem Botschaftsgebäude Südafrikas in Berlin demonstrierten dutzende Personen gegen den Fremdenhass am Kap, während drinnen 400 Gäste den anstehenden Nationalfeiertag feierten.

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© Hohe Sicherheitsvorkehrungen wurden seitens der Botschaft und Berliner Polizei getroffen.

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© Eingeflogen wurden junge Musiker vom Kap, die die Gäste mit einer traditionellen Einlage herzlichst empfingen.

Letztendlich wurde die Feier anlässlich des Nationalfeiertags vom Protest dominiert. So bleibt zu hoffen, dass weitere Ausschreitungen nicht mehr vorkommen werden. Allerdings fehlt es meiner Einschätzung nach bisweilen an einer gewissen Sensibilisierung der Elite Südafrikas dafür, die Probleme und Schwierigkeiten der illegalen Einwanderer richtig verstehen zu wollen. Die Platzierung des Militärs und Verstärkung der Polizei in den Problemgebieten sind keine Lösungsansätze dafür, um in den Köpfen der Bevölkerung ein Umdenken zu bewirken. Es bedarf der politischen Bildungsarbeit und einer intensivierten Bekämpfung der sozialen Schieflage.

4 Antworten zu “Feiern unter Protest

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