Entwicklungshilfe im Fußballsport?

FIFA-Vergabe der Fußball-WM 2010 an Südafrika unter dem Eindruck von Korruption, Habgier und Lügen

(Autor: Johannes Woywodt)

Der 15. Mai 2004 sollte einer der wichtigsten Tage der südafrikanischen Sportgeschichte werden. Genauso wie der Gewinn der Rugby-Weltmeisterschaft 1995 oder des Afrika-Cups 1996. Die Anspannung war allen Beteiligten anzumerken. Schließlich handelte es sich um die erstmalige Vergabe einer Fußballweltmeisterschaft an den afrikanischen Kontinent.

GovernmentZA

© Die FIFA-Vergabe der Fußball-WM 2010 lief dubios ab. Danny Jordaan, zum damaligen Zeitpunkt der Chef des südafrikanischen Bewerbungskomitees, bestätigte die (Schmiergeld-)Zahlung von 10 Millionen US-Dollar an FIFA-Funktionäre. Der kürzlich zurückgetretene FIFA-Präsident Joseph S. Blatter soll hiervon gewusst haben. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

Bereits im Jahr 2000, bei der Ausrichtung der WM 2006, verlor Südafrika denkbar knapp mit nur einer Stimme gegen Deutschland. An eben jenem Maitag 2004 in Zürich sollte alles besser werden. Mit 14:10 Stimmen entschloss sich das FIFA-Exekutivkomitee für eine Austragung am Kap der Guten Hoffnung. Die Bilder eines lachenden, den WM-Pokal in die Höhe stemmenden Nelson Mandelas gingen um die Welt und Südafrika feierte.

Seit wenigen Wochen hat die WM-Vergabe 2010 die ehemaligen Beteiligten der südafrikanischen Bewerbung eingeholt. Im Rahmen der Ermittlungen des US-Justizministeriums gegen vierzehn führende Funktionäre des Weltfußballverbands aufgrund des Verdachts der Bestechlichkeit, Korruption und Geldwäsche sind abermals die Praktiken der WM-Vergaben in das Visier der Ermittler geraten.

Nach vorläufigen Erkenntnissen erhebt die Anklageschrift des US-Justizministeriums Vorwürfe der Korruption bei der Vergabe der WM im Jahr 2004 an Südafrika. Demnach hätten Mitglieder des südafrikanischen Bewerbungskomitees 10 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder an den nord-, mittelamerikanischen und karibischen Fußballverband CONCACAF um ihren damaligen Präsidenten Jack Warner bezahlt. Der kürzlich zurückgetretene FIFA-Präsident Joseph S. Blatter soll hiervon gewusst haben.

Erst betonten ehemalige Verantwortliche der südafrikanischen Bewerbung, wie Ex-Staatspräsident Thabo Mbeki, dass diese Anschuldigen haltlos seien und das seitens der südafrikanischen Regierung keinerlei Schmiergelder gezahlt worden sind. Ähnlich äußerte sich Südafrikas Minister für Sport, Fikile Mbalula, der abermals Zahlungen in irgendeiner Weise entschieden dementierte und im Gegenzug von einer Kriminalisierung der südafrikanischen Bewerbung sprach. Gleichzeitig stellte Mbalula in Aussicht, die Ermittlungen des US-Justizministeriums und des FBIs zu unterstützen.

Entscheidend dürfte die Rolle von Danny Jordaan werden, heutiger Präsident des südafrikanischen Fußballverbands SAFA, neu gewählter Bürgermeister der Nelson-Mandela-Bay-Metropolgemeinde und damaliger Chef des südafrikanischen WM-Organisationskomitees. Wie u.a. die Sunday Independent und die Süddeutsche Zeitung berichten, bestätigte Jordaan Zahlungen in Höhe von 10 Millionen US-Dollar an die CONCACAF.

Diese stammen aus dem Jahr 2008 und sollten zur Finanzierung des örtlichen Fußballentwicklungsprogramm und insbesondere der afrikanischen Diaspora dienen. Nach Jordaans Sicht jedoch, sind diese Zahlungen keine Bestechungsgelder gewesen und nie direkt durch das südafrikanische Bewerbungskomitee vorgenommen worden, sondern über den Weltfußballverband selbst. Dieser hatte Südafrika mit der erfolgreichen Vergabe 100 Millionen US-Dollar an sofortiger Unterstützung zugesagt.

80 Millionen sollten in die laufenden Ausgaben investiert werden; 10 Millionen dienten zum Neubau des Sitzes der SAFA in Soweto. Die letzten 10 Millionen flossen über die FIFA, als südafrikanische Entwicklungshilfe, an den CONCACAF und landeten dort vermutlich auf Konten verschiedener Funktionäre, die sich um den der Bestechung und Geldwäsche verdächtigen Jack Warner scharten. Jordaan selbst betonte seine Integrität und Unbestechlichkeit und untermauerte abermals, dass er sich stets an alle Regularien gehalten habe.

Ob es sich bei den 2008 gezahlten 10 Millionen US-Dollar um eben jene 10 Millionen Dollar handelt, die im Vorfeld der Vergabe der WM 2010 gezahlt worden sein sollen oder erst mit vier Jahren Verspätung, ist noch nicht hinreichend geklärt. Er spielte eine zentrale Rolle oder er war eine zentrale Figur. Bereits am 13. Mai 2004 berichtete Jermaine Craig für Reuters, dass die Wahl Südafrikas keinesfalls sicher sei, da Marokko durch afrikanische und europäische Mitglieder des FIFA-Exekutivkomitees bis zu sieben Stimmen sicher habe.

Umso wichtiger waren die Stimmen der drei Stimmberechtigten der CONCACAF Jack Warner, Chuck Blazer und Isaac Sasso-Sasso. Zudem hielt sich vor der Abstimmung in Zürich das Gerücht, dass Warner eher auf Seiten der Befürworter einer marokkanischen Bewerbung stünde. Aufschluss, inwiefern letztendlich südafrikanische Gelder, in welcher Absicht von welchen Personen mit oder ohne besseren Wissen verwendet worden sind, werden die weiteren Ermittlungen zeigen.

2 Antworten zu “Entwicklungshilfe im Fußballsport?

  1. Pingback: Alles nur gekauft? | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Danke für die übersichtliche Zusammenfassung!

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