Alles nur gekauft?

CONCACAF-Verbandschef und Ex-FIFA-Vizepräsident Jack Warner und die 10 Mio. Dollar aus Südafrika

(Autor: Johannes Woywodt)

Alles nur gekauft? Das dürfte sich in diesen Tagen die Mehrheit der fußballbegeisterten Südafrikaner fragen. In der Aufarbeitung des jüngsten Bestechungs- und Manipulationsskandals beim internationalen Weltfußballverband und dem angekündigten und wieder zurückgezogenen Rücktritt Sepp Blatters, steht erneut die Vergabe der Fußballweltmeisterschaft nach Südafrika im Jahr 2004 im Fokus der untersuchenden Behörden.

BBC World Service

© CONCACAF-Verbandschef und Ex-FIFA-Vizepräsident Jack Warner [im Bild] steht im dringenden Verdacht, die von Südafrika gezahlten 10 Millionen US-Dollar für das African Diaspora Programme veruntreut zu haben. Ob die Mbeki-Regierung den Funktionär schmieren wollte oder das Geld tatsächlich zweckentfremdet wurde, ist noch unklar. (Quelle: flickr/ BBC World Service)

Zentral ist nach wie vor die südafrikanische Spende in Höhe von zehn Millionen US-Dollar an das Entwicklungsprogramm der CONCACAF, dem Fußballdachverband Nord- und Mittelamerikas und der Karibik aus dem Jahr 2008. Für das ermittelnde FBI und die US-amerikanische Staatsanwaltschaft seien diese Zahlungen ein Beleg für die Bestechung führender CONCACAF-Funktionäre gewesen, um Südafrika die notwendigen Stimmen für den Zuschlag der WM 2010 zu sichern.

Nach Berichten der Zeitung „Mail & Guardian“ wurde die Zahlung der 10 Millionen US-Dollar durch die damalige Regierung unter Präsident Thabo Mbeki unterstützt. Die Zeitung beruft sich dabei auf einen Brief des damaligen WM-Organisationschefs Danny Jordaan an FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke vom 10. Dezember 2007. Darin heißt es, dass sich die südafrikanische Regierung bereit erkläre, jene 10 Millionen US-Dollar an das FIFA World Cup Diaspora Legacy Programme zu zahlen. Sowohl der ehemalige Finanzminister Jabu Moleketi als auch Außenministerin Nkosazana Dlamini-Zuma, so der Brief weiter, hätten sich dafür ausgesprochen, dass diese Zahlungen über das Organisationsteam an die FIFA transferiert werden sollten, um so dem Diasporaprogramm zugeführt zu werden.

Ob und inwiefern diese Spende schließlich dem Entwicklungsprojekt zu Gute kam, bleibt fraglich. Viele Indizien verweisen eher dazu, dass der umtriebige und unter Korruptionsverdacht stehende CONCACAF-Verbandschef und damalige FIFA-Vizepräsident Jack Warner das Geld zweckentfremdete, um Stimmen zu kaufen.

Der südafrikanische Fußballverband (SAFA) indes betonte in einer veröffentlichten Pressemitteilung abermals die faire und saubere Bewerbung Südafrikas und wies jedwede Bestechungsvorwürfe von sich. Ferner widersprach SAFA den Anschuldigungen der US-amerikanischen Ermittlungen, dass das African Diaspora Programme nur als Tarnung für Bestechungszahlungen gedient hätte. Die finanzielle Unterstützung sei Teil der African Renaissance Initiative der Regierung Mbeki gewesen.

Ziel dieser Initiative war es, die WM in Südafrika als gesamtafrikanische Veranstaltung zu verwirklichen. Dazu gehörten nicht nur die in Afrika lebenden Afrikaner, sondern gleichwohl diejenigen, die weltweit ein Teil der afrikanischen Diaspora bilden. Die WM 2010 sollte nicht nur ein Fest all dieser Menschen werden. Überdies galt es, das Selbstverständnis und Selbstbewusstsein eines neuen modernen Afrikas fernab aller Klischees zu präsentieren.

Daher half Südafrika finanziell bei der Ausstattung der Entwicklungsprogramme in der Karibik, da dort Menschen mit afrikanischen Wurzeln leben. Dass die Gelder vermutlich durch Jack Warner veruntreut worden sind, sei nicht die Schuld Südafrikas gewesen, so SAFA weiter ausführend. Letztendlich sei die Entscheidung zu Gunsten Südafrikas vor allem dem engagierten und unermüdlichen Werben Nelson Mandelas und Desmond Tutus zu verdanken, die für die Integrität der Bewerbung standen.

Ungeachtet der fußballpolitischen Entwicklungen innerhalb der letzten zwei Wochen startete die südafrikanische Fußballnationalmannschaft in die Qualifikation für den Afrika-Cup 2017. Im Moses-Mabhida-Stadion von Durban empfing die Mannschaft am vergangenen Samstag Außenseiter Gambia. Obwohl ersatzgeschwächt, hätte die Mannschaft von „Shakes“ Mashaba einen Pflichtsieg gegen den 160. der FIFA-Weltrangliste landen müssen, um sich eine gute Ausgangsposition zu verschaffen. Nur der Gruppenerste sowie die zwei besten Gruppenzweiten qualifizieren sich für das Endturnier in Gabun.

Trotz drückender spielerischer Überlegenheit und zahlreicher Chancen reichte es nur für ein ernüchterndes 0:0. Erneut offenbarte sich die fehlende Abschlussstärke, die zunehmend zum Problem wird. Es war bereits das dritte torlose Spiel in Folge. Um sich dennoch zu qualifizieren, darf sich die Elf praktisch keine Ausrutscher gegen die anderen Gruppengegner Mauretanien und Kamerun leisten.

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