Black Pimpernel

Nelson Mandela im Dienste des Mossads? In Südafrika glaubt bisweilen niemand daran

(2010sdafrika-Redaktion)

Der israelische Staat galt als enger Verbündeter des Apartheidsregime. Bei der Trauerfeier von Nelson Mandela sorgte die Absage hoher israelischer Politiker für ein Medienecho. Nach dem Abschluss der Trauerzeremonien veröffentlichte die linksliberale israelische Zeitung Haaretz am 20. Dezember 2013 zwei Beiträge auf ihrer Homepage, die Mandela eine Zusammenarbeit mit dem Auslandsgeheimdienst Mossad unterstellten. Daran glauben mag am Kap bisweilen niemand, dennoch blieb diese Story im Gedächtnis vieler haften. Anlässlich des heutigen Nelson Mandela International Days greift die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ diesen durchaus außergewöhnlichen Sachverhalt auf, um Klarheit zu schaffen.

    © Nelson Mandela soll durch den israelischen Geheimdienst Mossad im Jahr 1962 Trainingseinheiten in „Judo, Sabotage und Waffenkunde“ in Äthiopien erhalten haben. Ein Dokument aus dem Staatsarchiv Israels, das durch den Judaisten David Fachler in der Zeitung Haaretz seine Veröffentlichung fand, belege diese Erkenntnisse. Doch in Südafrika glaubt niemand an dieses geheime Bündnis. Die Mandela-Stiftung dementierte prompt. (Quelle 2010sdafrika-Collage/ Nelson Mandela Foundation + Wikimedia)

© Nelson Mandela soll durch den israelischen Geheimdienst Mossad im Jahr 1962 Trainingseinheiten in „Judo, Sabotage und Waffenkunde“ in Äthiopien erhalten haben, so ein Dokument aus dem Staatsarchiv Israels. Doch in Südafrika glaubt bisweilen niemand daran. (Quelle 2010sdafrika-Collage/ Nelson Mandela Foundation + Wikimedia)

Der Judaist David Fachler hob in den Exklusiv-Artikeln hervor, dass Mandela mit den Problemen des Judentums und des Staates Israels vertraut war. Dementsprechend wollte die Regierung in Tel Aviv aus den Südafrikaner einen Zionisten machen. Mandela soll an den Untergrundkampf der israelischen Haganah-Miliz großes Interesse gezeigt haben. In Äthiopien erhielt er dann im Jahr 1962 Trainingeinheiten durch Mossadagenten in „Judo, Sabotage and Waffenkunde“, hieß es.

Fachler stützte sich bei seinen Thesen auf eine handschriftliche verfasste Notiz mit der Überschrift „Black Pimpernel”, die mit dem 11. Oktober 1962 datiert ist und als Top Secret-Dokument im Israelischen Staatsarchiv untergebracht war. Verfasser soll ein Mossadagent an der israelischen Botschaft in Äthiopien gewesen sein. Der Text ist ausschließlich in hebräischer Sprache verfasst worden.

Das Staatsarchiv, das direkt dem Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu unterstellt ist, veröffentlichte insgesamt sechs Dokumente zum Verhältnis mit dem ANC, darunter das des Mossads. Shlomo Mark vom Archiv erläutert, dass die Dokumente belegen würden, dass der jüdische Staat eine Sympathie für Mandela hegte – zumindest vor und während des Rivonia-Prozesses.

Die Dokumente konzentrieren sich auf Israels Mobilisierung der internationalen Protestkampagne, um die Verhängung der Todesstrafe gegen Mandela durch die südafrikanische Regierung im Rivonia-Prozess im Jahr 1964 zu verhindern. Ebenso hat Israel Südafrika dazu aufgerufen, den Prozess zu stoppen und das Apartheidsregime abzuschaffen.“, hieß es vom Staatsarchiv.

Der Journalist Michael Borgstede erläuterte für WELT ONLINE die in den 70er Jahren eingetretene „Liebesaffäre“, die auf gemeinsame Ideale angelegt war. Auch er kommt in seinen Recherchen zum Schluss, dass Israel in den 50er und frühen 60er Jahren auf der Seite der Anti-Apartheidsaktivisten stand. Erst nach dem Jom-Kippur-Krieg von 1973 war eine Wende zu beobachten.

Allerdings mag in Südafrika bisweilen niemand an diese geheime Kooperation zwischen Nelson Mandela und der israelischen Regierung glauben. Die großen Medienhäuer veröffentlichten zwar eine Meldung der Presseagenturen SAPA und AFP, doch kommentieren wollte kein Journalist diese unglaubwürdig wirkende Story. Sie verschwand daher relativ schnell in die Bedeutungslosigkeit der täglichen Berichterstattung, blieb jedoch bei vielen Mediennutzern im Gedächtnis haften. Ebenfalls ignorierte das Präsidialamt diese Erkenntnisse.

Lediglich die Nelson Mandela Foundation, die selber im Besitz eines großen Mandela-Archivs ist, dementierte bereits einen Tag später die angebliche Verbindung mit den Israelis. Nach deren Recherchen und Sichtung des Datenmaterials sei kein Beweis für den Mossadtraining Mandelas in Äthiopien festzustellen, so die Stiftung. Vielmehr habe Mandela durch afrikanische Befreiuungsbewegungen eine paramilitärische Ausbildungsunterstützung erhalten. Unter südafrikanischen Journalisten wird daher spekuliert, dass die Notiz vielmehr als geheimdienstliches Propagandamittel zu verstehen sei, um Mandela in Diskredit zu bringen und damit den ANC zu schwächen.

2 Antworten zu “Black Pimpernel

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