„Ghosting“ – Trennung ohne Kommunikation

Im Interview mit Evelyn Rosar, Kolumnistin bei “BZ am Sonntag“, “Bild.de“ und Liebes-Bloggerin

(Autorin: Susanne Zeckler)

Evelyn Rosar

© Evelyn Rosar, 1984 in Saarbrücken geboren. Sie absolvierte ein Volontariat an der Axel-Springer-Akademie und ist als Kolumnistin bei „BZ am Sonntag“ sowie „Bild.de“ tätig. Als ihr Partner sie verließ, griff sie nach Stift und Papier. Die Wahlberlinerin schreibt solange über die Liebe, bis sie den Trennungsschmerz überwunden hat – auf ihrem Blog „Rosarote Zeilen„. Und wenn dieser irgendwann ganz weg ist, wird sie beim Schreiben bleiben. (Quelle: Privat)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ die Redakteurin Evelyn Rosar. Sie schreiben für „BZ am Sonntag“ sowie „Bild.de“ die Kolumne “30.Single.Berlin“. Zudem sind Sie Betreiberin des Blogs „Rosarote Zeilen“. 30 Jahre jung, Berlinerin und Single – sind diese Parameter die idealen Voraussetzungen für einen Blog über die Liebe?

Antwort: Absolut. Nach dem Ende meiner letzten Beziehung stürzte sich mein Ex-Freund gleich in die nächste Beziehung, ich mich in die Arbeit meines Liebes-Blogs, aus dem eine Kolumne für die „BZ am Sonntag“ wurde.

2010sdafrika-Redaktion: Südafrikas Hollywood-Star Charlize Theron hat es uns vorgemacht. Die Trennung von Sean Penn wurde über das „Ghosting“ realisiert – einfach nicht mehr auf den (Ex-)Partner reagieren. Anrufe und Nachrichten ignorieren; Treffen vermeiden. Ein neues Phänomen unserer Gesellschaft?

Antwort: Neu ist das überhaupt nicht. Neu ist lediglich, dass das Verhalten nun in einem späteren Stadium auftauchen soll, wenn man das Ganze überhaupt als Phänomen betrachten will. Ich glaube nämlich nicht, dass das ein neuer Trend ist, nur weil wir ein prominentes Beispiel haben. Wer weiß, wie es wirklich bei Charlize Theron und Sean Penn abgelaufen ist?

Charlize Theron

© Charlize Theron, Südafrikas bekanntestes Gesicht in Hollywood, hatte kürzlich ihre Verlobung mit Sean Penn gelöst. Über das “Ghosting” wurde die Beziehung beendet – auf den (Ex-)Partner nicht mehr reagieren, keine Anrufe entgegennehmen und Treffen vermeiden. (Quelle: flickr/ United Nations Photo)

Ob aktiv erlebt oder passiv, dieses „Ghosting“ haben sicher die meisten schon erlebt: Wenn man nach den ersten Dates merkt, dass das mit dem Partner einfach nichts wird, zieht man sich zurück, antwortet nur noch sporadisch und irgendwann überhaupt nicht mehr. Man geht davon aus, dass dieses Verhalten für das Gegenüber weniger verletzend ist. Wenn wir ehrlich sind, wollen WIR nur nicht verletzt werden. Denn zu spüren, dass man jemandem wehtun muss, ist oft noch schmerzhafter als selbst der Sitzengelassene zu sein.

Was dieses Verhalten heute natürlich leichter macht, sind die unverbindlichen Kommunikationsmöglichkeiten: Dating-Apps wie Tinder, aber auch Facebook oder WhatsApp. Man muss dem anderen nicht gegenüber treten, kann sich hinter der Wand von Social Media verstecken. Alles läuft recht anonym ab.

2010sdafrika-Redaktion: Erweist sich das „Ghosting“ als geeignete Lösung, um unnötigen Streitigkeiten sinnvoll aus dem Weg zu gehen?

Antwort: Bei einer langjährigen Beziehung sicherlich nicht. Es zieht ja alles, was war, ad absurdum. Aber wenn der Typ nach einem Date auch auf die zweite Nachricht nicht antwortet, weiß man Bescheid. Das sollte man dann als Zeichen sehen, und sich selbst wie ein Geist aus dem Staub machen. Das erspart viel Kopfstress. Hier ist “Ghosting“ vielleicht wirklich stressfreier als in ewigen SMS-Diskursen das Gegenüber überzeugen zu wollen, dass doch was aus beiden werden kann. Das führt zu nichts; außer zu Streitigkeiten.

2010sdafrika-Redaktion: Wie verabschiedet man sich richtig?

Antwort: Jede Begegnung verdient den Abschied, der ihr gebührt. Generell sollte man jeder Beziehung, ob kurz oder lang, intensiv oder oberflächlich, mit Respekt begegnen und sich fragen: Wie würde ich wollen, dass man sich in dieser Situation von mir verabschiedet?

2010sdafrika-Redaktion: Da möchte ich nachhaken: Gwyneth Paltrow und Chris Martin trennten sich nach zehnjähriger Ehe mit Respekt und Wertschätzung für den Partner. Man wolle nun Freunde bleiben, hieß es. Paartherapeuten sprechen hierbei vom „Conscious Uncoupling“ – ein passendes Trennungsmodell für jedes Paar?

Antwort: Ob Freundschaft nach einer Beziehung klappt, hängt von der Art der Beziehung ab, die man hatte. Außerdem von den Umständen, unter denen man sich trennt. Besteht ein Vertrauensbruch?

Hinzu kommen Faktoren wie: Sind Kinder im Spiel, die wichtiger sind als eigene Befindlichkeiten? Ist man verheiratet oder hat man diesen Schritt eh nie gewagt?

Ich für mich habe den Anspruch aus dem Ende jeder Liebe den Anfang einer Freundschaft zu machen. Nur weil diese eine Art einer zwischenmenschlichen Beziehung nicht mehr funktioniert, bedeutet das doch nicht, dass man diesen Menschen nicht mehr liebt und ihn nicht in seinem Leben haben möchte. Eine Partnerschaft ist das Wertvollste, was Menschen in ihrem Leben schaffen, und jede Liebe sollte man auch nach ihrem Ende auf Händen tragen.

Es klappt nicht immer, da entsprechende Voraussetzungen vielleicht nicht gegeben sind – z.B. weil man sich im Streit trennt, einer fremdgegangen ist, man nicht verzeihen kann – aber versuchen sollte man es.

Evelyn Rosar

© Der Blog „Rosarote Zeilen“ ist auch auf Facebook mit einer eigenen Seite vertreten.

2010sdafrika-Redaktion: Wann wird ein Auseinanderbrechen verdammt kompliziert – je länger die Beziehung anhält, desto schwieriger dann die Trennung?

Antwort: Ja, das glaube ich schon. Je mehr man mit dieser Person verwurzelt ist, desto länger kämpft man gegen das Gefühl an, dass die Beziehung zu Ende ist. Man versucht zuerst die Signale zu ignorieren. Manchmal klappt es, weil man aus einer Krise herauswächst, sie bestenfalls zusammen meistert. Egal in welcher Phase: Reden ist das Allerwichtigste. Zu schweigen, Beziehungsprobleme mit sich selbst ausmachen, entfernt das Paar voneinander. Der erste Schritt der Entfremdung ist gemacht. Es kann sein, dass man, wenn man das Problem anspricht, an diesem letzten Endes doch scheitert. Aber, wenn man ein Problem nicht gemeinsam lösen kann, hätte man es alleine erst recht nicht hinbekommen.

2010sdafrika-Redaktion: Wie trennen Sie sich eigentlich vom Partner – „Ghosting“ oder „Conscious Uncoupling“?

Antwort: Wahrscheinlich steckt in uns beides: Kleine Geister und bewusste Entkuppler. Ich gestehe, ich habe beides schon gemacht: Jemanden umso mehr verletzt, weil ich ihn nicht verletzen wollte, und habe mich immer weniger gemeldet. Ironischerweise, nachdem ich mich mit Freundinnen genau über ein solches Verhalten geärgert habe. Wir nannten es “typisch Mann“. Jetzt weiß ich, dass solch ein abwehrendes Verhalten sicher nicht geschlechtsspezifisch ist.

Ich habe auch versucht, Ex-Freunde zu Freunden zu machen. Mal hat es geklappt, mal nicht. Mein erster richtiger Freund ist bis heute ein sehr wichtiger Mensch in meinem Leben. Und darauf bin ich sehr stolz. Denn es zeigt: Die Liebe ist niemals weg. Sie zeigt sich nur in anderer anderen Form.

2010sdafrika-Redaktion: Evelyn Rosar, Autorin für “BZ am Sonntag“ sowie „Bild.de“ und Betreiberin des Blogs „Rosarote Zeilen“, vielen Dank für dieses interessante Interview. Dann wünsche ich Ihnen alles Gute in der Liebe!

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