Nuthin but Net – nichts als Nylon

NBA-Africa-Game: Team Africa vs. Team World am 1. August 2015 in Südafrika. Ein historischer Moment

(Autor: Johannes Woywodt)

Swish. Es ist nicht nur ein Geräusch. Es ist vielmehr als das. Ein Glücksgefühl. Es ist die Vollendung eines perfekten Wurfes, wenn das orangefarbene runde Leder die Hand verlässt und in schöner Flugkurve in 3,05 Meter Höhe im Korb landet, ohne den Ring oder das Brett zu berühren. Doch Basketball bietet noch weit mehr als dieses eine Glücksgefühl. Basketball ist die Mischung aus purer Dramatik, Spannung, Glück und Trauer. Sie wechseln ständig, abrupt, in Bruchteilen von Sekunden. Garniert werden diese Emotionen durch die Athletik und individuelle Fähigkeiten von Spielern, die mitunter physische Gesetzmäßigkeiten außer Kraft zu setzen scheinen.

NBA

© Am 1. August 2015 um 15.00 Uhr (CAT/MESZ) treten US-Basketball-Stars im Rahmen der NBA-Africa-Game erstmals in Südafrika an. Das Team Africa wird dabei mit NBA-Profis spielen, die in Afrika geboren worden sind oder afrikanische Vorfahren haben. Bei ihren Kontrahenten des Team World spielen unter anderem Allstars wie Chris Paul und Pau Gasol. Diese Sport-Begegnung wird live im TV übertragen. (Quelle: NBA)

Wer sich selbst einmal davon überzeugen möchte, hat dieses Wochenende die Gelegenheit, das erste NBA-Africa-Game live im Fernsehen (ESPN und SuperSport) zu sehen. In der Standard-Bank-Arena (Ellis-Park-Arena) in Johannesburg treffen ab 15:00 Uhr (CAT/MESZ) das Team Africa und das Team World aufeinander. Das Team Africa wird dabei mit NBA-Profis spielen, die entweder in Afrika geboren worden sind oder afrikanische Vorfahren haben. Angeführt wird das Team Africa von den Stars Serge Ibaka, Luol Deng, Bismack Biyombo, Boris Diaw, Festus Ezeli und Luc Mbah a Moute. Trainer der Auswahl werden der fünfmalige Meistertrainer Gregg Popovich sowie der diesjährige NBA-Trainer des Jahres Mike Budenholzer sein.

Ihre Kontrahenten des Team World spielen unter anderem mit den Allstars Chris Paul und Pau Gasol, seinem Bruder Marc sowie Kenneth Faried. Das Spiel findet im Rahmen des alljährigen NBA- und FIBA-Programms „Basketball without Borders“ statt. Es ist bereits dessen 13. Auflage und hat seit 2003 mehr als 1.000 afrikanischen Basketballtalenten aus 31 Staaten die Chance gegeben, sich aufmerksam zu machen und für eine sportliche Zukunft zu empfehlen. Gleichzeitig dient dieses Freundschaftsspiel auch für caritative Zwecke. Mit den Einnahmen und der medialen Aufmerksamkeit sollen die Boys & Girls Clubs of South Africa, die SOS Children’s Villages of South Africa und die Nelson Mandela Foundation in ihrer Arbeit unterstützt werden.

Doch auch über das NBA-Africa-Game hinaus, lohnt es sich einen Blick auf die basketballerische Entwicklung in Afrika zu werfen. Innerhalb der letzten 30 Jahre hat sich der Basketball stetig weiterentwickelt. Mehr als 30 Millionen Afrikaner und Afrikanerinnen werfen, dribbeln und dunken quer über den Kontinent. Allerdings fangen viele erst spät mit dem Spielen an. Das hat diverse Gründe. Einer ist die Begeisterung und Hingabe für eine andere Ballsportart – den Fußball. Hinzu kommt die fehlende Infrastruktur. Während Fußball auf all erdenkliche Art und Weise gespielt wird, brauchen Basketballer Körbe, Bälle und Hallen oder zumindest gute Freiplätze um zu trainieren. Diese fehlen. Wenn überhaupt, sind solche Bedingungen in den Großstädten gegeben.

NBA-Video zur Ankunft der US-Stars in Südafrika

Ein weiteres Problem ist das Fehlen von geschultem Trainer- und Ausbildungspersonal, so dass zwar viele Basketballspielende gute körperliche Voraussetzungen mitbringen, ihnen aber das technische und taktische Grundwissen fehlt. Nichtsdestotrotz haben viele afrikanische Basketballer in den letzten Jahren in den USA oder in Europa für Aufsehen gesorgt. Zu ihnen gehören beispielsweise der aus Nigeria stammende Hakeem „The Dream“ Olajuwon, der 1994 und 1995 mit den Houston Rockets NBA-Champion und als bester Spieler der Liga ausgezeichnet wurde oder der Kongolese Dikembe Mutombo, der bis zu seinem Karriere-Ende 2009 zu den besten Verteidigern der NBA zählte.

Dass diese Entwicklung weiter anhält, ist erfreulich. Immer mehr afrikanische Spieler schaffen es in die internationalen Profiligen wie Serge Ibaka, Romain Sato, Christian Eyenga, Luol Deng, Bismack Biyombo oder Hasheem Thabeet. Manche mit mehr, die anderen mit weniger Erfolg. Gleichzeitig setzt auch im Basketball der Brain Drain an. Viele Spieler spielen mangels sportlicher Erfolgsaussichten nicht für ihr afrikanisches Heimatland, sondern für andere Länder. Beispiele hierfür sind Serge Ibaka, der als gebürtiger Kongolese für Spanien spielt, Luol Deng, der als Südsudanese für Großbritannien aufläuft oder Thabo Sefolosha. Letzterer ist in der Schweiz geboren, vertritt diese international, hätte unter anderen Umständen aber auch für Südafrika spielen können, da sein Vater Südafrikaner ist.

NBA-Video über das Programm „Basketball without Borders“

Und der Basketball in Südafrika? Bereits in den 1990er Jahre gab es Versuche eine eigene Profiliga ins Leben zu rufen. Diese scheiterte. Erst 2013 gab der damalige Sportsminister Fikile Mbalula die Gründung der South African Basketball National League (BNL) bekannt, die mit elf Mannschaften startete. Zwei Jahre später sind es bereits zwölf Mannschaften, die in einer knapp dreimonatigen Saison den Meister ausspielen. Zu diesen gehören der zweimalige Meister Tshwane Suns, Egoli Magic, Duzi Royals, North West Eagles, Mpumalanga Rhinos, Limpopo Pride, Soweto Panthers, Nothern Cape Zebras, Eastern Cape Windbreakers, Free State Golden Warriors, Kwa-Zulu Marlins und Western Cape Mountaineers.

Nach dem jedes Team in der Liga einmal gegeneinander gespielt hat, qualifizieren sich die besten Vier für das Halbfinale. Die Gewinner der Vorschlussrunde treffen im Finale aufeinander. Dort wird gegenwärtig nach dem Modus „Best of 3“ gespielt. Ein Team benötigt zwei Siege um Meister zu werden. Alle Spiele werden an Doppelspieltagen im Wembley Indoor Sports Complex in Turffontein im Süden von Johannesburg von Freitag bis Sonntag ausgetragen. Gleichzeitig hat der der Sportsender SuperSport bis 2017 zugesichert, bis zu 60 Prozent der Spiele live zu übertragen.

Darüber hinaus bemühen sich sowohl die Liga als auch die Vereine, mit eigenen Medienangeboten im Internet und durch die Kooperation mit Künstlern und Musikern, Familien und junge Interessierte für den Basketball zu begeistern. Wie sich der Basketball weiterentwickelt, wird eine spannende Frage angesichts der Dominanz von Fußball, Rugby und Cricket. Allerdings gelten die Südafrikaner seit jeher als sportbegeistert. Warum sollte sich der Basketball hier nicht ebenfalls etablieren können.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s