Medienkritik zur GZSZ-Rolle „Amar“

Hamburger Schauspieler Thando Walbaum in klischeebehafteter Rolle bei populärer RTL-Daily-Soap

(Autor: Ghassan Abid)

Stereotypische Afrika-Bilder halten sich auch im 21. Jahrhundert hartnäckig in der deutschen Medienlandschaft. Insbesondere TV-Produktionsfirmen greifen auf altbewährte Klischees zurück. Hungernde Afrikaner, die im Busch leben und von der westlichen Lebensweise kaum etwas verstehen. Und wenn Dunkelhäutige mitspielen, dann meist in entsprechender Rollenbesetzung. UFA Serial Drama – die für die in Potsdam-Babelsberg gedrehte Daily-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) zuständig ist – fiel mit der Etablierung der Rolle des afrikanischen Flüchtlings „Amar“ hierbei auf. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ fragte bei den Verantwortlichen nach.

RTL/Rolf Baumgartner

© Seit der Folge 5.768 am 19. Juni 2015 ist Thando Walbaum, dessen Vater aus Südafrika stammt, in der Rolle des afrikanischen Flüchtlings „Amar“ zu sehen. Es liegt der Verdacht nahe, dass der Hamburger Schauspieler nur aufgrund seiner dunklen Hautfarbe die klischeebehaftete Rolle bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (GZSZ) bekommen hat. (Quelle: RTL/Rolf Baumgartner)

Das Afrika-Bild der ARD fiel in der Vergangenheit besonders negativ auf. Die Degeto Film GmbH, zuständig für die Spielfilm-Produktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, erklärte auf Anfrage der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, die „Zuschauer unterhalten und mit emotional starken Geschichten bewegen“ zu wollen. Doch auch bei den Privatsendern sind ähnliche Verzerrungen der Wirklichkeit nach wie vor gang und gäbe, wie etwa beim TV-Format „Der Bachelor“ zu sehen gewesen.

Schauspieler Thando Walbaum, dessen Vater aus Südafrika stammt, übernimmt bei „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ die Rolle des afrikanischen Flüchtlings „Amar“. Der Hamburger ist seit der Folge 5.768 am 19. Juni 2015 in der beliebten RTL-Serie mit aktuell rund 2,5 Millionen Zuschauern zu sehen, wie er sich als Geflüchteter in Berlin durchschlagen muss. Es liegt hier der Verdacht nahe, dass Walbaum lediglich auf Grundlage seiner dunklen Hautfarbe diese Rolle zugesprochen bekommen hat.

Walbaum war vor rund einem Jahrzehnt auch im für den ZDF produzierten Spielfilm „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ zu sehen, als er in der gleichnamigen Autobiografie des Deutsch-Liberianers Hans-Jürgen Massaquoi die Rolle des Hans-Jürgen spielt, der in den 30er Jahren im Hamburger Arbeiterviertel Barmbek aufwächst und mit seiner Mutter Bertha (Veronica Ferres) mit der rassistischen Ideologie der Nazis konfrontiert wird. Der „Schokoladenkeks“, wie Walbaum im Film bezeichnet wird, erfährt hautnah die Diskriminierung durch seine Mitmenschen. Hass und Menschenverachtung machen sich breit.

Thando Walbaum ließ mehrere Anfragen der Redaktion unbeantwortet. Dafür stand Damian Lott, Producer von GZSZ Rede und Antwort. In einer schriftlichen Stellungnahme, die über UFA Serial Drama an „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ weitergeleitet wurde, hieß es im Hinblick auf die Bedienung von Stereotypen: „Unser Hauptanliegen bestand darin, die Geschichte eines flüchtenden Menschen zu versinnbildlichen und ihr Nachdruck zu verleihen. Da unsere Serie von ihren vielfältigen Geschichten lebt, haben wir uns für „Amar” und seine Erlebnisse entschieden.

Der Producer betont, mit gängigen Klischees zu brechen, indem „Amar” beispielsweise perfektes Deutsch ohne Akzent spricht. „Darüber hinaus sind die Menschen, auf die „Amar” in Berlin trifft, in gewisser Hinsicht selbst Flüchtende. Sie fliehen zwar nicht vor bedrohlichen Lebensumständen, aber vor ihren Gefühlen. „Amar” bringt sie dazu, sich diesen zu stellen und sich auf das Wesentliche zu fokussieren: Liebe und Zusammenhalt sollen hier in den Vordergrund rücken, genauso wie Akzeptanz und Verständigung.

Ferner bekräftigt Lott, dass es dem GZSZ-Produktionsteam ein wichtiges Anliegen ist, den aktuellen Diskurs über die deutsche Flüchtlingspolitik aufzugreifen, indem „wir sowohl die Sichtweise eines Flüchtenden als auch die der deutschen Bewohner beleuchten, die ihn kennenlernen. Schlussendlich soll hier gar nicht mehr die Herkunft im Vordergrund stehen, sondern die Gemeinsamkeiten, die uns Menschen vereinen.“ Auf die Frage hin, warum nun ausgerechnet Thando Walbaum für die Rolle des „Amar” ausgewählt wurde, untermauert der Producer, dass das schauspielerische Talent des Hamburgers überzeugten. „Er gibt der Rolle des „Amar” die nötige Tiefe und spielt sie mit voller Leidenschaft.“, so Damian Lott abschließend.

Eine Antwort zu “Medienkritik zur GZSZ-Rolle „Amar“

  1. Welche Hautfarbe soll er denn haben, wenn er nun mal einen Afrikaner spielt? Außerdem gibt es bestimmt nicht nur einen dunkelhäutigen Schauspieler in Deutschland, sodass man nicht den erstbesten nehmen muss, nur weil er das Suchkriterium Hautfarbe erfüllt.

    Es gab bei GZSZ übrigens vor x Jahren mal einen weißen Südafrikaner namens Vincent, der auch Probleme mit Aufenthaltsrecht, Abschiebung usw. hatte. Daher würde ich nicht unterstellen, dass man die Rollen nur nach gängigen Klischees besetzt.

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