Hitzige Debatten bei heißem Wetter

KENAKO Afrika Festival 2015 in Berlin lockte erneut zehntausende Gäste zu Musik, Tanz und Dialog an

(2010sdafrika-Redaktion)

Vom 11. bis 14. Juni 2015 fand zum nun 4. Mal das KENAKO Afrika Festival unter dem Motto „AFRICA BEYOND 2015!“ auf dem Berliner Alexanderplatz statt, veranstaltet vom Afrika Medien Zentrum unter der Leitung des Geschäftsführers Hervé Tcheumeleu. Bei sommerlichen Temperaturen wurde miteinander gelacht, diskutiert und gestritten. Verpflegung gab es bei den zahlreichen Imbissständen, die mit diversen Spezialitäten aus den unterschiedlichsten Winkeln Afrikas den Appetit anregten. Die Panels waren besonders gut gefüllt. Ferner zelebrieten etliche Diplomaten den Africa Day als Veranstaltung der afrikanischen Botschaften in der Bundesrepublik, der erstmals im Rahmen des größten Afrika-Festivals in Berlin begangen wurde. 

Kenako

© Vom 11. bis zum 14. Juni 2015 fand zum 4. Mal das KENAKO Afrika Festival auf dem Berliner Alexanderplatz statt. Musik, Tanz und politische Dialoge standen dem Publikum unter sommerlichen Wetterbedingungen zur Verfügung. Auf dem Bild sind die Botschafter Afrikas in Deutschland, der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin und das Team des KENAKO Afrika Festivals zu sehen. (Quelle: Simon Inou)

Dr. Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, und S.E. Jean-Claude Bouyobart, der höchste Vertreter Gabuns und gleichzeitig der Doyen der afrikanischen Botschafter in Deutschland, hatten die diesjährige Schirmherrschaft des wichtigsten Afrika-Events in der Bundeshauptstadt übernommen. Das Festival hat sich mittlerweile zu einer bedeutenden Plattform des kulturellen und politischen Dialogs zwischen Afrikanern und Deutschen entwickelt, das auch in der Presse und bei Blogs verstärkt Beachtung findet. Günter Nooke, der Afrikabeauftragte der Bundeskanzlerin, lobte in seiner Eröffnungsrede den gesellschaftlichen Stellenwert dieses Events. Es sei notwendig, auch Afrika-Themen jenseits von Boko Haram und Ebola in den Fokus zu rücken, so Nooke.

Die vielfältigen Podiumsdiskussionen rundeten das Programm inhaltlich ab. Es ging dabei um Fragen, wie Menschen afrikanischen Ursprungs in Deutschland besser integriert werden können, welche Rolle Afrika in der globalen Sicherheitspolitik spielt und welchen Beitrag die Zivilgesellschaft in der Entwicklungszusammenarbeit leisten kann. Doch auch die soziale Situation in Ruanda und die umstrittenen Handelsabkommen EPA sowie TTIP standen zur Debatte. Referenten aus Deutschland und zahlreichen afrikanischen Staaten diskutierten leidenschaftlich mit dem Publikum.

Kenako

© Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, moderierte das Panel zur Rolle der NGOs für die Post-2015-Entwicklung. Mit ihm diskutierten [von links nach rechts]: Andreas Rosen (Stiftung Nord-Süd-Brücken), Dorea Pfafferott (Engagement Global), Kafalo Sékongo (EPIZ Baden-Württemberg) und Miriam Siré Camara (AKOMA Bildung & Kultur gUG). (Quelle: Simon Inou)

Dabei ging es beim Ruanda- und TTIP-Panel heiß her. Immer wieder kam die These auf, wonach das Leid Afrikas durch die Interessen europäischer Mächte verursacht werde. Es ist die Rede von Neokolonialismus, der die Unterdrückung afrikanischer Staaten zum Ziel hat, um Europa auf Kosten von Millionen Menschen bereichern zu können. Ferner sei in den Köpfen „weißer Menschen“ nach wie vor der Rassismus präsent, der im 21. Jahrhundert nur noch subtil und verdeckt in Erscheinung trete. „Afrika wird im Westen nicht ernst genommen„, hielt eine Besucherin wutentbrannt fest. Schubladen-Denken machte sich breit.

Die andere Fraktion lokalisierte die Probleme Afrikas nicht bei externen, sondern ausschließlich bei internen Verantwortlichen. Hunger, Armut und Kriege würden nicht von Außen nach Innen getragen werden. Vielmehr müsse die Korruption und Habgier der Eliten in den Staaten Afrikas offen angeprangert werden. Es gehe um die Eigenverantwortung innerhalb der Landesgrenzen. Genau an dieser Meinungsverschiedenheit erhitzten sich die Gemüter, die teilweise zu lauten Streitgesprächen führten. Beim Ruanda-Panel beispielsweise herrschte Uneinigkeit darüber, wer für den Genozid zu verantworten ist und inwieweit der Westen, allen voran Deutschland, eine Mitschuld am Massenmord trage. Doch zu komplex war das Thema, um es im Rahmen eines Panels ausdiskutieren zu können. Auch die Ruanda-Experten waren sich nicht einig.

Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“, der auf dem KENAKO Afrika Festival selbst als Moderator und im Organisationsteam aktiv war, lobte die lebendige Streitkultur zwischen beiden Meinungsblöcken. Jedoch sei es stets geboten, andere politische Standpunkte zur Kenntnis zu nehmen und auf sachlicher Grundlage diese zu erörtern. „Nur im Dialog auf Augenhöhe kann ein sachlicher Diskurs erfolgen. Die Meinungsvielfalt gehört zu einer demokratischen Gesellschaft dazu, sofern keine rassistischen und menschenverachtenden Thesen vertreten werden.„, hielt Abid abschließend fest. Letztendlich war das diesjährige Festival ein voller Erfolg, der im neuen Jahr erneut zehntausende Besucher anlocken wird.

Video zum KENAKO Afrika Festival 2015

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