Südafrikaner werden zu Dschihadisten

Dutzende Bürger kämpfen für IS-Terrormiliz im Irak und in Syrien. Sicherheitsbehörden bleiben passiv

(Autor: Ghassan Abid)

Der „Islamische Staat“, kurz IS, ist gegenwärtig die für Islamisten attraktivste Organisation auf dem Globus. Rund 15.000 Menschen aus dem Ausland, darunter 700 Deutsche, reisten nach UN-Angaben bislang in den Nahen Osten, um in den Kampf für eine angeblich „gute Sache“ zu ziehen. Dass dabei Menschenrechtsverletzungen, Straftaten und Unrecht geschehen, wird gerne übersehen bzw. verschwiegen. Nun ist bekannt geworden, dass sich auch dutzende Südafrikaner dem IS angeschlossen haben. Trotz der Brisanz bleiben die Sicherheitsbehörden auffällig gelassen. Die Gefahr wird unterschätzt.

ISIS

© Dutzende Südafrikaner haben sich bereits dem „Islamischen Staat“ angeschlossen. Sie kämpfen für die islamistische Terrormiliz im Irak und in Syrien. Jedoch wirken die Behörden am Kap dem nicht entgegen. Das renommierte „Institute for Security Studies“ warnt vor einer Zunahme der Rekrutierungsaktivitäten islamistischer Gruppierungen in Südafrika. (Quelle: Sequenz aus Propaganda-Video)

Nach Recherchen des arabischen TV-Senders Al Jazeera haben sich zum Stand Mai 2015 mindestens 23 Personen aus Südafrika der Terrormiliz angeschlossen. Erst im April dieses Jahres ist ein 15-jähriges Mädchen am Flughafen Kapstadt daran gehindert worden, in die Region zu fliegen. Es lag der Verdacht nahe, dass sie sich auf eigene Faust den Extremisten anschließen wollte. Es wird vermutet, dass insgesamt acht Familien ihren Wohnsitz vom Kap in den Irak oder nach Syrien verlagert haben. Über die Türkei sollen diese in die Krisenländer eingereist sein.

David Mahlobo, Südafrikas Geheimdienstminister, wollte den brisanten Bericht nicht kommentieren. Er bekräftigte jedoch, dass seine Behörde die Erkenntnisse ernst nehmen und eigene Untersuchungen einleiten werde. Südafrikas Geheimdienst, die State Security Agency, fehlt es an einer Öffentlichkeitsarbeit, Aussteigerprogrammen und der Sensiblität für öffentliche Gefahren. Zudem ist der Pressesprecher der Behörde, Brian Dube, nach den redaktionellen Erfahrungen für seinen Posten ungeeignet. Anfragen der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ ließ er unbeantwortet.

Unterdessen warnt das renommierte „Institute for Security Studies“ (ISS) mit Sitz in Pretoria vor einer Zunahme der Rekrutierungsaktivitäten islamistischer Gruppierungen in Südafrika. Demnach seien bereits über 140 Bürger vom Kap zum IS aufgebrochen. Drei Südafrikaner starben bei Kampfeinsätzen. Der Islam ist bereits seit dem 17. Jahrhundert in Südafrika verwurzelt. Nach bisherigen Schätzungen leben rund 656.000 Muslime im Land. Dies entspricht einem Anteil von 1,4 Prozent an der Bevölkerung. Sie gelten als gut integriert und nehmen am öffentlichen Leben teil. Über die Zahl radikaler Personen ist hingegen nichts bekannt. Diesbezügliche Statistiken werden nicht geführt.

2 Antworten zu “Südafrikaner werden zu Dschihadisten

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