Clericus clericum non decimat

Kein Schadenersatz und keine Untersuchung der Eskapaden Tebartz-van Elsts in Südafrika

(Autor. Ghassan Abid)

Der Vatikan hat die Schadenersatzforderung des Bistums Limburg gegen ihren ehemaligen Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst ganz nach dem Grundsatz „Clericus clericum non decimat“ – zu Deutsch: Ein Kleriker fordert vom anderen keine Abgabe – zurückgewiesen. Der umstrittene Würdenträger werde nicht verpflichtet, den entstandenen Schaden um den Bau seines protzigen Bischofssitzes, der über 31 Millionen Euro verschlungen hatte, zu begleichen. Papst Franziskus habe diese Entscheidung bereits im vergangenen Monat getroffen, berichtete die BILD-Zeitung unter Berufung auf Vatikan-Kreise.

Bistum Limburg

© Der ehemalige Limburger Bischof Dr. Franz-Peter Tebartz-van Elst hielt sich im April 2006 im Rahmen einer von der Deutschen Bischofskonferenz organisierten Delegationsreise in Südafrika auf. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtete exklusiv über die Eskapaden des Würdenträgers, die auch rund zwei Jahre danach ohne Folgen bleiben. (Quelle: Bistum Limburg)

Tebartz van Elst stürzte das Bistum Limburg im Oktober 2013 in eine schwere Krise, die international die Runde machte. Der „Protz-Bischof“ lebte einen luxuriösen Lebensstil, obwohl die Katholische Kirche von ihren Mitgliedern Bescheidenheit fordert und selbst immer wieder erklärt, auf Spenden angewiesen zu sein. Daraufhin folgten etliche Kirchenaustritte und Proteste gegen die vom Steuerzahler bezahlten Würdenträger in Deutschland. Geschehen ist seither aber nichts. Keine Entschädigung, keine Entschuldigung und keine entscheidenden Reformen mit internationaler Reichweite.

Zudem werden die Geschehnisse in Südafrika weiterhin ignoriert. Denn am 13. Oktober 2013 berichtete die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ exklusiv über Tebartz-van Elsts Eskapaden in Südafrika aus dem Jahr 2006. Im Rahmen einer Delegationsreise hielt er sich am Kap auf. „Er fühlte sich von den Schwarzen angeekelt. Sein Verhalten war beschämend!“, hieß es vor Ort. Nationale und internationale Medien griffen die eigenen Recherchen auf. Vor allem im Netz erhitzten sich die Gemüter über das Verhalten des Deutschen.

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK), die die Reise nach Südafrika organisierte, wurde um eine Stellungnahme gebeten. Allerdings sahen sich die Verantwortlichen in Bonn nicht um eine Aufklärung der Ereignisse bemüht. Stattdessen wurde die Redaktion scharf kritisiert und der Lüge bezichtigt. In einer schriftlichen Rückmeldung an eine Redakteurin hieß es: „In dem Beitrag werden nicht nur verkürzte Darstellungen, sondern auch falsche und sinnentstellende Tatsachen behauptet. Leider haben Sie mit diesem Beitrag Ihrem Portal jede Seriosität genommen.

Dafür standen andere Vertreter und Beobachter der Katholischen Kirche Rede und Antwort. Wie zum Beispiel Paul Badde, Journalist und Mitherausgeber der Zeitschrift „VATICAN magazin“, der den Limburger Bischof in Schutz nahm. Dafür forderte Bischof Michael Wüstenberg des südafrikanischen Bistums Aliwal die Einführung institutionalisierter Kontrollen, um der unerträglichen Verschwendung von Kirchengeldern den Riegel vorzuschieben. Außerdem betonte der Kirchenrechtler Thomas Schüller, dass die Kirche an die Seite der Armen zu stehen habe und Geld nicht als Selbstzweck zu sehen sei.

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