Trophäenjagd in Südafrika in der Kritik

Tierschützer fordern Konsequenzen aus der Tötung des Löwen „Cecil“ in Simbabwe. Die Politik schweigt

(2010sdafrika-Redaktion)

Immer wieder suchen Trophäenjäger aus den USA, aus Europa und China Afrikas Staaten auf, um vom Artensterben bedrohte Tiere wie Löwen, Elefanten oder Nashörner für viel Geld zu töten. Allein am Kap bedient ein ganzer Wirtschaftszweig die Gelüste der ausländischen Gäste. Nun jedoch ist erstmals auch in Südafrika eine öffentliche Debatte über den Sinn und Zweck der Trophäenjagd entbrannt. Das Nachbarland Simbabwe hat vorgemacht, was sich die Tierschützer Südafrikas schon lange wünschen: Den Stopp der Trophäenjagd. Jedoch hielt das dortige Verbot nur eine Woche.

Michael Jansen

© Nach der Tötung des Löwen “Cecil” durch den US-amerikanischen Zahnarzt Walter Palmer in Simbabwe ist erstmals eine öffentliche Debatte über den Sinn und Zweck der Trophäenjagd in Südafrika entbrannt. Die Kritik am Jagdtourismus ist so groß wie noch nie zuvor. (Quelle: flickr/ Michael Jansen)

Die Verantwortlichen in Harare, der simbabwischen Hauptstadt, zogen drastische Konsequenzen aus der Tötung des populären Löwen „Cecil“ durch den US-amerikanischen Zahnarzt Walter Palmer. Dieser jagte das Raubtier – das als Wahrzeichen des Hwange-Nationalparks bekannt war – zuerst mit Pfeil und Bogen, bevor er es nach 40 Stunden der Qual erschoss. Mit sofortiger Wirkung war es untersagt, Löwen und andere Wildtiere des Spaßes wegen zu töten. Wer gegen dieses Verbot verstößt, der müsste mit der Festnahme und einem Gerichtsverfahren in Simbabwe rechnen. Lediglich mit einer Genehmigung durch die zuständige Parkleitung sei die Trophäenjagd noch gestattet, welche unter der Aufsicht von Parkmitarbeitern zu erfolgen habe.

Allerdings wurde Mitte August 2015 – nur eine Woche nach der Verkündung – das landesweite Verbot deutlich gelockert. Es sei nur noch auf kleinere Gebiete beschränkt, melden lokale Medien. Kritiker werfen dem Land vor, aus PR-Gründen die Entscheidung getroffen und nach Abnahme des öffentlichen Interesses das Verbot somit zurückgenommen zu haben. Es ist die Rede von Heuchelei und einem Einknicken vor der Jagdindustrie. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ berichtete bereits mehrfach über die Safari unter Schusswaffengebrauch. Melissa Bachman und Kendall Jones, über letztere Person berichtete die Redaktion weltweit exklusiv, sind zwei der bekanntesten Fälle. Beide US-Amerikanerinnen sind in der Jagdindustrie aktiv und bedienen die Sehnsucht tausender Menschen nach der Trophäenjagd.

Weder die Bundes- noch die Landesregierungen Südafrikas sahen sich genötigt, die Jagd nach Wildtieren per Gesetz zu verbieten. Ganz im Gegenteil – der Jagdtourismus bringt dem Land wichtige Devisen. Zudem profitiert das Hotel- und Gaststättengewerbe von den Besuchern aus Übersee, die für ihre starke Kaufkraft gerne willkommen geheißen werden. Hinzu ist in Südafrika eine ganze Branche entstanden, die sich auf die Trophäenjagd spezialisiert hat. Allerdings hat die Tötung des populären Löwen „Cecil“ eine öffentliche Debatte am Kap ausgelöst. Große Medienhäuser, allen voran Radiosender, diskutieren bisweilen mit Befürwortern und Gegnern des Jagdtourismus über das umstrittene Geschäft mit dem Tod. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt lässt sich noch kein Trend erkennen, mit welchem Ergebnis die Debatte ihr Ende finden wird. Die südafrikanische Politik schweigt weiterhin.

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