Roberto Blanco, der „wunderbare Neger“!?

Das N-Wort dient der gezielten Abwertung von Menschen dunkler Hautfarbe und bleibt Tabu

(Autor: Ghassan Abid)

In der am 31. August ausgestrahlten ARD-Sendung „Hart aber Fair“ zum Thema „800.000 Flüchtlinge – schafft Deutschland das?“ hat Bayerns Innenminister Joachim Herrmann den Sänger Roberto Blanco mit einem Begriff in Zusammenhang gebracht, der im Kolonialismus, in der Sklaverei und Rassentrennung eine zentrale Rolle eingenommen hat. Die nun eingetretene öffentliche Entrüstung war zu erwarten – und ist absolut richtig und notwendig. Solche Entgleisungen dürfen sich nicht wiederholen.

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© Roberto Blanco als ein „wunderbarer Neger“!? So bezeichnete ihn Bayerns Innenminister Joachim Herrmann in der ARD-Sendung „Hart aber Fair“. Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ [im Bild mit Blanco zu sehen] kritisiert die generelle Benutzung des N-Wortes.

Robert Blanco war immer ein wunderbarer Neger, der den meisten Deutschen wunderbar gefallen hat„, hielt der 58-jährige CSU-Politiker fest. Daraufhin erhitzten sich in den sozialen Medien die Gemüter über die Verwendung des N-Wortes durch den Innenpolitiker. Einen Tag später versuchte sich Herrmann zu erklären. Bei seinem Statement habe es sich lediglich um eine Reaktion auf einen eingespielten Beitrag gehandelt, so der in der Kritik stehende Politiker.

Roberto Blanco, der im Übrigen ein CSU-Ehrenmitglied ist, nahm den Politiker nach seinem Erklärungsversuch wenig später in Schutz. In einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung hielt Blanco fest: „Der Herr Minister hat das nicht so bös‘ gemeint. Als ich nach Deutschland kam, in den Fünfzigerjahren, da war die Rede von Negermusik – so haben sie den Jazz genannt -, von Negerkuss und eben Negern.“ Gleichzeitig betonte der Sänger, stolz auf seine Hautfarbe zu sein. Sie habe ihm sogar als Karriereleiter genützt.

Dabei dürfte auch Herrmann klar sein, dass das N-Wort der gezielten Abwertung von Menschen dunkler Hautfarbe dient. Unzählige wissenschaftliche Papiere zur Wortherkunft und – bedeutung sind in deutscher und englischer Sprache veröffentlicht worden, die letztendlich eine Tabuisierung dieses Begriffs als logische Konsequenz fordern. Die Literaturwissenschaftlerin Dr. Karin Sekora beispielsweise gehört zu diesem Personenkreis. Sie ist Mitglied im Forum Afrikazentrum der Uni Würzburg und befasst sich mit der Geschichte der Sklaverei und deren Folgen.

In ihren Recherchen kommt die Wissenschaftlerin zum eindeutigen Ergebnis, dass das N-Wort „tunlichst nicht mehr verwendet werden“ sollte. Denn es war über Jahrhunderte hinweg ganz klar herabwürdigend gemeint. Der Schwarze wurde von Weißen „stets auf der untersten Stufe des Menschseins angesiedelt„. Denn „Neger“ sei eine von außen auferlegte Bezeichnung, die bisweilen dazu diene, Menschen ausschließlich aufgrund ihres Erscheinungsbildes abzuwerten und ihnen als Kollektiv negative Eigenschaften zu unterstellen.

Wer gewissermaßen in Südafrika den Begriff „Kaffer“ gegenüber Schwarzen verwendet, der muss sich selbstverständlich im Klaren sein, dass dieser Begriff von Befürwortern der Apartheid zur Verunglimpfung der unterdrückten Mehrheitsbevölkerung gezielt eingesetzt wurde. Analog betrachtet muss auch das N-Wort in Deutschland aus dem historischen Kontext heraus bewertet werden. So dürfte auch dem bayerischen Innenminister nun bewusst werden, dass man dieses niemals mehr in den Mund nehmen sollte.

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