Sensationsfund in Südafrika

Entdeckung des „Homo naledi“ als bedeutendste Errungenschaft der University of the Witwatersrand

(Autor: Ghassan Abid)

Der Sensationsfund in Südafrika ging am 10. September um die Welt und schaffte es sogar als Titelstory auf das Cover des SPIEGEL-Magazins. Die Entdeckung der bislang unbekannten Menschenart „Homo naledi“ dürfte die bedeutendste Errungenschaft der University of the Witwatersrand in Johannesburg darstellen. Das Forscherteam um Professor Lee Berger, das auch von deutschen Wissenschaftlern unterstützt wurde, katapultierte sich rasant an die Spitze der internationalen Anthropologie. Allerdings erfährt der aus den USA stammende Berger auch viel Kritik und Skepsis.

Homo naledi

© Zwei Jahre lang sammelte das südafrikanische Forscherteam um den US-Anthropologen Professor Lee Berger mehr als 1.550 Fossilienteile in der Rising-Star-Höhle. Man habe eine neue Spezies des Menschen entdeckt – den „Homo naledi“. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

Zwei Jahre lang hatten die Südafrikaner Fossilien von fünfzehn Schädeln – somit Individuen – aus der Rising-Star-Höhle nördlich von Johannesburg geborgen und untersucht. Sie lagen rund neunzig Meter vom Höhleneingang entfernt. Die mit mehr als 1.550 inventarisierten Fossilienteile machen den bisher größten fossilen Fund in Afrika aus. Auch das Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig wurde unter dem Siegel der Verschwiegenheit in das Großprojekt involviert, indem es die Überreste fotografierte und ausführlich analysierte.

Die Fossilien wurden im Rahmen von zwei Expeditionen zusammengetragen – im November 2013 und März 2014. Bei der ersten Expedition nahmen mehr als sechzig Forscher – die 21 Tage lang „unter den schwierigsten und gefährlichsten Bedingungen, die jemals bei der Suche nach den menschlichen Ursprüngen vorgefunden wurden“ – teil. Der Höhleneingang war beispielsweise gerade mal 18 Zentimeter breit, heißt es aus Leipzig.

Mit dem Fund erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkenntnisse über den Ursprung der Menschen. Der „Homo naledi“ könnte ein naher Vorfahre sein, ist den Veröffentlichungen aus Südafrika zu entnehmen. „Menschenähnliche Eigenschaften“ deuten darauf hin, dass etwa Bestattungen kein modernes Phänomen seien. Denn die Südafrikaner behaupten, der „Homo naledi“ hätte Verstorbene in Höhlen begraben. Weitere Analysen sind jedoch abzuwarten. Unklar bleibt, wie alt die Fossilien sind und ob in der Höhle weitere Überrreste gefunden werden könnten. Ebenfalls werden am Kap jene Stimmen laut, die den Mensch als Geschöpf Gottes sehen und eine Abstammung vom Affen somit kategorisch ausschließen. Ferner betonen einige internationale Anthropologen, dass es sich beim Fund des „Homo naledi“ keineswegs um eine neue Gattung handeln könne, sondern vielmehr um den bereits bekannten „Homo erectus„. Berger wies diese Kritik vehement von sich.

Erst im Juni 2015 wurde in den Cederberg Mountains, einem Sandstein-Gebirgszug 200 Kilometer nördlich von Kapstadt, eine neue Pflanzenspezies gefunden. Grundsätzlich gilt Südafrika als einer der wichtigsten Fundorte weltweit für Fossilien, Spezien und Edelsteinen. Das südafrikanische Welterbe, das Cradle of Humankind (zu Deutsch: „Wiege der Menschheit“), ist als achtgrößte Fundstelle hominider Fossilien bekannt.

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© Bild vom Fossilienfund in der Rising-Star-Höhle bei Johannesburg. (Quelle: elifesciences.org)

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© Bild vom Fossilienfund in der Rising-Star-Höhle bei Johannesburg. (Quelle: elifesciences.org)

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© Bild vom Fossilienfund in der Rising-Star-Höhle bei Johannesburg. (Quelle: elifesciences.org)

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