Stromdraht und Busch-Babys

Ein Südafrika-Bericht eines Hamburger Touristen über Land, Tiere und Leute – Große Bilderserie

(Autor: Vincent Lexau)

Das Ende der Apartheid im Jahr 1994 ist ein wenig jünger als der Fall der Mauer in Deutschland 1989 und sehr viel jünger als das Ende der Rassentrennung in den Vereinigten Staaten 1948. Wenn man nun sieht, wie krass in Deutschland noch der Unterschied zwischen Ost und West ist, so kann man sich vorstellen, dass in Südafrika die Folgen der Apartheid noch deutlich zu spüren sind. Schwarze sind zu Fuß unterwegs, Weiße in Autos. Schwarze üben eher die einfacheren Jobs aus, Weiße eher die anspruchsvolleren. Es wird dauern, bis sich beide Gruppen mehr durchmischen, denn die Vorraussetzung hierfür ist gute Bildung, und diese ist eher den Wohlhabenden vorbehalten.

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© Im Sommer 2015 reiste der Hamburger Vincent Lexau zum ersten Mal nach Südafrika. Er verliebte sich schnell in das Land. Seine Eindrücke hielt er für „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ mit diesem Artikel inklusive großer Bilderserie fest. (Quelle: Vincent Lexau)

Die staatlichen Schulen in Afrika haben eine schlechte Qualität, weswegen die Wohlhabenden ihre Kinder auf private Schulen senden. Private Schulen kosten Geld. Geld das die ärmere und meist schwarze Bevölkerung nicht hat. Als Beispiel: Einfache private Schulen nehmen je Trimester 5.000 Rand pro Schüler. Ein einfaches Hausmädchen erhält für täglich 5 Stunden Arbeit von Montag bis Freitag im Monat 2.500 Rand. Sie muss also zwei volle Monatsgehälter für 4 Monate Schule eines Kindes aufbringen. Meist haben die Ärmeren mehrere Kinder.

Eine mögliche Lösung, für die einfachere Arbeit mehr zu bezahlen, ist derzeit schwierig, da das Land selbst in einer tiefen Krise steckt. Regelmäßiges “load shedding” (Lastabschaltung/ Stromausfall) bremst die Wirtschaft des Landes aus. Es sind zwar schon seit langem neue Kohlekraftwerke geplant, jedoch sind diese wohl aufgrund von ständigen Streiks noch weit von der Fertigstellung entfernt. Je nach Region kommt es oft zu 2 Stunden Stromausfall täglich.

© Südafrika ist nach wie vor sehr stark vom einstigen Unrecht der Apartheid geprägt. Weiße und Schwarze leben zwar im selben Land, führen jedoch unterschiedliche Lebensweisen, das vom verfügbaren Geld abhängt. (Quelle: Vincent Lexau)

Die Schere zwischen Arm und Reich war in Afrika aufgrund der Apartheid schon immer relativ weit auseinander. Man fährt an kilometerlangen Townships vorbei und kurz darauf an kilometerlangen gesicherten Villen-Anlagen. Ganze “Reichen”-Distrikte sind abgesichert und jede einzelne Villa im Distrikt nochmal mit Mauer und Stromdraht umgeben. Fußwege gibt es oftmals gar nicht, da niemand zu Fuß geht – es ist zu gefährlich. Kinder werden von einem Sicherheitsbereich in den nächsten Sicherheitsbereich gefahren. Freiheit ist sowohl für die Wohlhabenden, als auch für die Armen nicht das, was wir darunter verstehen.

Diejenigen unter der ärmeren Bevölkerung, die sich nicht der Kriminalität hingeben, erfinden für sich Jobs, die es bei uns nicht gibt. Das sind zum Beispiel “Porter” an Flughäfen, die einem ein wenig Orientierung geben, Parkplatzwächter, die die Autos auf einem Parkplatz bewachen und viele weitere kreative Dienstleistungen. Diese Menschen haben meist kaum Bildung und können oftmals nicht einmal lesen und/oder schreiben. Sie leben vom Trinkgeld.

Ich habe einen Taxifahrer in Johannesburg kennengelernt. Er ist 53 Jahre alt, kommt aus Swasiland und hat 6 Kinder. Er hat nie eine Schule besucht. Er hat sich das Lesen und Schreiben selbst beigebracht und führt nun ein kleines Taxiunternehmen mit 2 weiteren Fahrern. Skuh ist sein Name und er kann so stolz auf sich sein. Sein Erfolg ist ein kleiner afrikanischer Traum, der Südafrika an ein jüngeres und wilderes Amerika erinnern lässt.

Ruft ihn gerne an wenn ihr ihn braucht: 0027630452352 – ich kann ihn nur unterstützen. Skuh gibt allen Armen die Hoffnung, dass es jeder in Südafrika schaffen kann, wenn man dafür kämpft.

Die für die Krise verantwortliche, und in meiner Gegenwart oftmals beschimpfte, schwarze Regierung, hat laut Skuh etwas Gutes getan: Sie hat mit ihrem Fehler, der die Energiekrise und somit die Wirtschaftskrise hervorgebracht hat, alle getroffen: Sowohl die Schwarzen, als auch die Weißen. Das hat zu einer Verbesserung des Verhältnisses zwischen beiden Gruppen geführt, da sowohl die Schwarzen als auch die Weißen mit der Regierung nicht zufrieden sind.

Auch wenn Südafrika sich zunächst sehr verkorkst anhört, so ist es nicht. Südafrika ist vermutlich der Ursprung der Menschheit, und so fühlt es sich auch an, wenn man von Gansbaai nach Montagu und von da aus weiter nach Oudtshoorn fährt. Eine tolle, abwechslungsreiche Strecke mit einer phantastischen Landschaft. Man wird empfangen von einer überraschenden Natürlichkeit und Authentizität. Das Essen ist Sterne-verdächtig, die Freundlichkeit der Menschen unvergleichbar.

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© Südafrikas Menschen sind für ihre Gastfreundschaft und hohe Dienstleistungsbereitschaft international bekannt. (Quelle: Vincent Lexau)

Wenn man in Deutschland ein Hotel sucht, ist man bei einer Bewertungsskala bis 10 mit einer 7 zufrieden. In Südafrika findet man für einen guten Preis auch noch eine 9 und fühlt sich wie ein König. Nicht selten hatte ich ein 3 Gänge-Frühstück und selten hatte ich so weiche Wäsche nach einem vorbildlichen Wäscheservice. Die Reiseberatung der Guest-House-Besitzer schlägt in Deutschland jedes Reisebüro und die Rosenblüten überall waren das i-Tüpfelchen für die 1 mit Sternchen. Auch an das Kudu-Carpaccio muss ich an dieser Stelle nochmal erinnern und an den Chicken Pie.

Würde ich in Deutschland ein Hotel besitzen, würde ich jede Auszubildende für mindestens einen Monat nach Montagu in die Somerset Lodge senden. Da lernt man, was Service wirklich ist!

Weiter nordöstlich im Krüger-Park musste ich an das alte Testament denken. Adam und Eva im Paradies. So muss es ausgesehen haben. Wir halten neben Giraffen; keine läuft weg. Wir halten neben Zebras; keins läuft weg. Wir halten neben Elefanten; keiner läuft weg. Das gleiche bei den Nashörnern und den Impalas. Kein Zaun, kein Graben, echtes Wildlife!

Abends am Lagerfeuer sind wir uns bewusst, dass auch Leoparden auf das Gelände kommen können. Es interessiert aber nicht, wenn man dafür den Busch-Babys beim Erdbeerjoghurt essen zusehen kann. Was sie jetzt wohl gerade treiben? Was der einsame Elefantenbulle, der uns am Wegrand begegnet ist, jetzt wohl macht? Und wie es dem Giraffenpärchen jetzt wohl geht, das elegant vor uns über die Straße ging? Oder wo die Löwen gerade stecken, die wir allesamt vom Jagen ihrer Beute abgelenkt haben? Das sind Gedanken, die einen wohl niemals loslassen werden, genauso wie der schönste Himmel der Welt, bei einer Fahrt in den Sonnenuntergang von Südafrika.

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