„Westen ist an Flüchtlingskrise schuld“

Südafrikas Präsident Jacob Zuma macht NATO für illegale Migration in Richtung Europa verantwortlich

(2010sdafrika-Redaktion)

Südafrikas Präsident Jacob Zuma gilt als ein Staatsmann, der stets bedacht ist, im öffentlichen Diskurs den Westen nicht zu kritisieren. Diese bisherige Herangehensweise scheint jedoch in Zeiten der Zunahme von Süd-Süd-Kooperationen zunehmend in den Hintergrund zu rücken. Denn der 73-jährige ANC-Politiker hat die NATO beschuldigt, die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa verursacht zu haben. Der Angriff auf Libyen im Jahr 2011 sei die Ursache für das aktuelle Chaos.

GovernmentZA

© Südafrikas Präsident Jacob Zuma machte auf einer Veranstaltung im September 2015 den Westen für die aktuelle Flüchtlingskrise in Europa verantwortlich. Die NATO habe mit ihrem Angriff auf Libyen zur Destabilisierung beigetragen. (Quelle: GovernmentZA)

Der Westen, vertreten durch die NATO, destabilisiere ganze Regionen Afrikas und lehne gleichzeitig die nun daraus resultierende illegale Migration in Richtung Europa ab. Diese politische Praxis sei verwerflich. Europas Regierungen müssten nun Verantwortung übernehmen, sagte Jacob Zuma im September 2015 auf einer Veranstaltung vor Diplomaten in Pretoria. Die Schließung einzelner EU-Grenzen bewertete er als falsches Signal. Westliche Repräsentanten kommentierten die aufsehenerregenden Äußerungen aus Südafrika nicht, nahmen diese jedoch missmutig zur Kenntnis.

Dabei verkennt der höchste Mann Südafrikas beispielsweise die bisherigen Leistungen der deutschen Bundesregierung ,die die Einreise von über 800.000 Flüchtlingen allein 2015 erwartet. Zudem differenziert Zuma die Migration nach Herkunftsländern nicht, da unter den Flüchtlingen nicht nur Afrikaner, sondern auch Menschen aus dem arabischen Raum, dem Balkan und dem Mittleren Osten zu finden sind. Die unterschiedlichen Entwicklungen in den Weltregionen lässt er weitgehend unbeleuchtet.

Südafrika zählt im weltweiten Vergleich zu jenen Staaten mit den höchsten Flüchtlingszahlen. Schätzungsweise fünf Millionen afrikanische Flüchtlinge, meist aus Simbabwe, halten sich unter desolaten Bedingungen und in vielen Fällen meist illegal am Kap auf. Genauere Zahlen sind nicht bekannt. Immer wieder kommt es in Südafrika zu fremdenfeindlichen Ausschreitungen, zuletzt im April 2015 in Johannesburg und Durban. Tausende mussten erneut flüchten. Der Regierung wird Passivität und Gleichgültigkeit vorgeworfen.

2 Antworten zu “„Westen ist an Flüchtlingskrise schuld“

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