Wechsel an Botschaft Südafrikas in Berlin

Eher Politiker als Diplomat: Amtszeit von 70-jährigem Makhenkesi A. Stofile endet im Dezember 2015

(Autor: Ghassan Abid)

Makhenkesi A. Stofile ist bereits seit dem Jahr 2011 als Botschafter Südafrikas in Deutschland im Einsatz. Der ehemalige Premierminister der Ostkap-Provinz und spätere Sportminister gilt als eine engagierte, aufrichtige und direkte Person, die Missstände offen anspricht, auch wenn er somit für Verstimmung sorgen könnte. Kurz vor seinem 71. Geburtstag ist nun bekannt geworden, dass Stofile vom Außenministerium zurückgeholt wird.

South African Embassy

© Südafrikas amtierender Botschafter in Deutschland, der Theologe Makhenkesi A. Stofile [links im Bild], wird im Dezember 2015 ans Kap zurückkehren. In seiner rund 5-jährigen Amtszeit hat Stofile viel geleistet. Ghassan Abid, Chefredakteur von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ [rechts im Bild], erlebte eine interessante Persönlichkeit der klaren Worte. (Quelle: South African Embassy)

Der studierte Theologe und überzeugte ANC-Politiker kehrt in diesem Monat noch nach Südafrika zurück, heißt es aus dem Botschaftsgebäude in der Berliner Tiergartenstraße. Er werde das deutsch-südafrikanische Botschaftsteam vermissen, jedoch weniger das weitgehend kühle Wetter in der deutschen Bundeshauptstadt – witzelt er. Wer als Nachfolger für den Posten im Herzen Europas gehandelt wird, ist noch nicht öffentlich bekannt.

Dafür konnte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ in Erfahrung bringen, dass Stofile im Hinblick auf seine damalige Ernennung zum Botschafter Südafrikas in Deutschland noch Bedenken hatte. Zu alt sei er, um sich vom politischen Regierungshandeln auf das diplomatische Parkett zu begeben. Rund fünf Jahre später ist der ANC-Politiker um die Erkenntnis reicher geworden, dass er während seiner Amtszeit als Botschafter viele wertvolle und einzigartige Erfahrungen machen konnte.

In seiner Zeit fallen der Trauergottesdienst für Nelson Mandela im Berliner Dom, die Beteiligung der Botschaft an den sozialen Medien und der Ausbau der Kontakte zur deutschen Zivilgesellschaft. Jedoch musste sich Stofile auch viel öffentliche und interne Kritik zu den Geschehnissen im südlichen Afrika anhören – die fremdenfeindlichen Ausschreitungen gegen afrikanische Migranten in Johannesburg und Durban, die ausufernde Korruption in den staatlichen Strukturen und die zunehmende Verlagerung der Wirtschaftskooperation Südafrikas auf Russland und China.

South African Embassy

© Makhenkesi A. Stofile widmete sich während seiner Amtszeit in Deutschland intensiv der Vertiefung der deutsch-südafrikanischen Beziehungen. Vor allem der Kontakt zur Zivilgesellschaft und eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit standen im Zentrum seines diplomatischen Wirkens. (Quelle: South African Embassy)

Im September 2012 stand der höchste Repräsentant Südafrikas in Deutschland der Redaktion für ein Interview zur Verfügung. Hierbei wurde deutlich, dass der 70-Jährige manchmal eher der Politiker als der Diplomat ist. Genau diese Eigenschaft machte ihn zu einem interessanten und geschätzten Gesprächspartner, der die Gegenwart stets im Zusammenhang mit der Vergangenheit in Verbindung brachte – Stichwort: Deutschlands Beziehungen mit dem Apartheidregime. Angesichts seiner Rückkehr verlieren die deutsch-südafrikanischen Beziehungen einen wichtigen Impulsgeber. Bleibt zu hoffen, dass der Nachfolger Stofiles den bisherigen Kurs fortsetzen wird.

Update: Makhenkesi A. Stofile starb am 15. August 2016 in Südafrika, so mehrere Stellungnahmen aus dem ANC-Umfeld.

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