Der krisenfeste Präsident Südafrikas

Jacob Zuma bleibt trotz unzähliger Skandale und negativer Berichterstattung der Staatschef

(2010sdafrika-Redaktion)

Wenn Politiker tief in einem Skandal stecken, eine Krise zu spät erkannt haben oder eine Lösung nicht zeitnah angestoßen wurde, dann müssen diese in den meisten Fällen gehen. Sie treten aus Rücksicht auf ihre Partei, auf ihre Wählerschaft und wegen ihres bereits angekratzten Ansehens zurück. Zumindest in westlichen Demokratien hat sich diese Herangehensweise weitgehend durchgesetzt. Wenn man als politischer Beobachter jedoch nach Südafrika blickt, dann tun sich unvorstellbare Abgründe auf.

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© Kaum ein demokratisch gewählter Staatschef ist so krisenfest wie Südafrikas Präsident Jacob Zuma. Der 73-jährige ANC-Politiker hat unzählige Skandale überstanden – sei es die Nkandla-Affäre, die Gupta-Hochzeitsaffäre oder das Marikana-Massaker. (Quelle: flickr/ GovernmentZA)

Jacob Zuma ist 73 Jahre alt, seit dem 18. Dezember 2007 der Präsident der mächtigen Regierungspartei Afrikanischer Nationalkongress (ANC) und seit dem 9. Mai 2009 nach Mandela, Mbeki und Motlanthe der nun vierte Staatspräsident der Republik Südafrika. Allerdings hat kaum ein Staatschef für so viel Furore und Skandale gesorgt, wie es bei Zuma seit mehreren Jahren offensichtlich der Fall ist. Denn der wenig charismatische Politiker schlitterte von einem in den nächsten Skandal. Kaum ein Staatsmann am Kap kann mehr Skandale auf sich vereinigen wie der bekennende Polygamist Zuma.

Zu nennen sind die Vorwürfe, die vor seiner Präsidentschaft aufkamen – etwa die angebliche Vergewaltigung einer Aids-Aktivistin, die den HI-Virus in sich trug. Ebenso erklärte Zuma mal, man könne mit dem Duschen eine Ansteckung mit dem HI-Virus verhindern. Außerdem wird ihm nachgesagt, in seiner Funktion als ANC-Führungsperson beachtliche Bestechungsgelder in Höhe von vier Millionen Rand von der französischen Rüstungsindustrie angenommen zu haben. Während seiner Präsidentschaft kommen weitere Skandale hinzu, die das Land international erschütterten.

Exemplarisch zu nennen sind etwa die mutmaßliche Vetternwirtschaft, nachdem seine Tochter Thuthukile Zuma im Sommer 2014 einen 70.000 Euro-Spitzenjob beim Staat – trotz mangelnder Qualifikation – ergattern konnte. Der rechtswidrige Staatszuschuss des Privatdomizils von Präsident Jacob Zuma im Rahmen der Nkandla-Affäre, das Marikana-Massaker mit 34 getöteten Minenarbeitern und die Gupta-Hochzeitsaffäre im Zusammenhang mit der nicht genehmigten Landung wohlhabender Inder auf einem Militärstützpunkt in Südafrika sind weitere Vorfälle. Ferner bleiben gesellschaftspolitische Missstände wie Korruption, Kriminalität und Armut trotz einzelner Fortschritte weiterhin bestehen.

Aktuell sorgt der Rausschmiss des bei der Wirtschaft beliebten Finanzministers Nhlanhla Nene für weltweites Aufsehen, nachdem dieser aus willkürlichen Gründen durch Jacob Zuma seines Amtes enthoben wurde. Ökonomen fürchten nun, dass Südafrika in die nächste Rezession und Schuldenspirale rutschen könnte. Der Rand verliert gegenüber dem Euro und dem US-Dollar erheblich an Wert. Es wird zudem erwartet, dass Ratingagenturen das Land noch weiter abstufen. Unter dem Hashtag ‪#‎ZumaMustFall‬ fordern Teile der Öffentlichkeit den sofortigen Rücktritt des Staatschefs. Es wird sich zeigen, wie krisensicher Zuma tatsächlich ist.

5 Antworten zu “Der krisenfeste Präsident Südafrikas

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