Körperwelten-Ausstellung droht das Ende

Gunther von Hagens Plastinate lockten seit Februar 2015 mehr als 160.000 Besucher in Berlin an

(2010sdafrika-Redaktion)

Nach dem Willen des Bezirksamts Berlin-Mitte und der evangelischen Kirche soll die Körperwelten-Ausstellung im Menschen Museum für immer dicht machen. Das zuständige Oberverwaltungsgericht teilte am 10. Dezember 2015 die Auffassung der Gegner und verfügte zudem die Schließung der umstrittenen Ausstellung am Alexanderplatz. Da das Urteil jedoch noch nicht rechtskräftig ist, bleibt diese für die Öffentlichkeit vorerst offen.

Gunther von Hagens

© Gunther von Hagens Körperwelten-Ausstellung im Menschen Museum in Berlin droht das aus, nachdem das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Schließung verfügt hatte. In Südafrika löste die umstrittene Show der Plastinate große Begeisterung aus – vor allem bei Wissenschaftlern. (Quelle: Gunther von Hagens, Institut für Plastination, Heidelberg, http://www.koerperwelten.de)

Angelina Whalley, Kuratorin des Museums, kündigte bereits die Prüfung einer Beschwerde gegen das Urteil des Oberverwaltungsgerichts an. Der mittlerweile erkrankte Gunther von Hagens reagierte mit Enttäuschung auf die richterliche Entscheidung. Die Körperwelten-Betreiber bekräftigen, dass die Plastinate wissenschaftliche Exponate darstellen würden. Hingegen erklärt die Kirche, dass die Würde des Menschen auch über den Tod hinaus gewahrt werden müsse. Es dürfe nicht sein, dass mit Leichen kommerzielle Zwecke verfolgt würden. Dementsprechend sei ein Verbot notwendig.

Der 12. Senat des Oberverwaltungsgerichts hob bei der Urteilsverkündung hervor, dass Leichen nach dem Bestattungsgesetz des Landes Berlin grundsätzlich nicht ausgestellt werden dürfen. Die Plastinate der Körperwelten-Ausstellung seien als solche einzustufen. Eine Ausnahmeregelung für wissenschaftliche Präparate greife in diesem Fall nicht, da die Einwilligung der Körperspender zu den zwanzig Ganzkörperplastinaten und 200 Teilkörperplastinaten nicht nachvollziehbar ist. Die vorangegangene Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin, die die Ausstellung ursprünglich erlaubt hatte, ist somit gekippt worden.

Seit dem Februar 2015 ist die Körperwelten-Ausstellung am Fuße des Berliner Fernsehturms zu sehen. Weit über 160.000 Menschen besuchten nach eigenen Angaben das Museum. Auch die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ machte sich ein eigenes Bild und kommt zu dem Ergebnis, dass einzelne Plastinate durchaus verstörend wirken, jedoch das öffentliche Interesse für die Anatomie des Menschen überwiegt. In Südafrika lockte Gunther von Hagens Ausstellung von 2012 bis 2013 dermaßen viele Menschen in Kapstadt und Johannesburg an, sodass diese immer wieder verlängert wurde. Regelmäßig war die Show ausverkauft. Ebenso interessierten sich südafrikanische Wissenschaftler für „Body Worlds“. Die Aussteller kooperierten u.a. mit der Universität Kapstadt.

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