„Red Ants“ in Südafrika

Umstrittene Hausräumungen in Johannesburger Armenvierteln mit Hilfe der „roten Ameisen“

(Autor: Ghassan Abid)

Immer wieder kommt es vor, dass leerstehende Gebäude in Südafrika von afrikanischen Flüchtlingen besetzt und als illegale Wohnorte genutzt werden. Einige der Migranten zahlen irrtümlich Mieten an kriminelle Gangs. In der Metropole Johannesburg ist diese Okkupation besonders häufig zu beobachten, etwa im Problemviertel Hillbrow. Armut, Kriminalität und Arbeitslosigkeit bestimmen den dortigen Alltag der Menschen. Jedoch greifen Immobilienbesitzer immer wieder auf die „Red Ants“ zurück. Gemeinsam mit der Polizei schmeißen sie die verzweifelten Besetzer aus den Häusern raus.

© Die „Red Ants“ werden bei Hausräumungen eingesetzt. Die Aufgabe der „roten Ameisen“ ist es, in den Johannesburger Armenvierteln die Menschen – meist Flüchtlinge aus den afrikanischen Staaten – auf die Straße zu setzen. Politik und Justiz dulden dieses umstrittene Prozedere. (Quelle: flickr/ nuevatribuna.es)

Die „roten Ameisen“ sind für ihr uniformiertes und geschlossenes Auftreten bekannt. Die Frauen und Männer tragen allesamt Kleidung und Helme in roter Farbe. Gemeinsam mit der Polizei, die auf Grundlage eines richterlichen Beschlusses handelt, stürmen bis zu 500 „Red Ants“ in das Wohnobjekt, um Hab und Gut der Bewohner auf die Straße zu setzen. Dies geschieht stets in den frühen Morgenstunden. Wer sich dieser Maßnahme widersetzt, wird von den Polizeikräften festgenommen und gegebenenfalls auf das Revier gebracht.

Dabei genießen die „Red Ants“ keinen guten Ruf, auch wenn sie selbst von sich behaupten, sie würden mit ihrem Einsatz einen wichtigen Beitrag zur Kriminalitätsbekämpfung leisten. Wiederholt ist nämlich zu hören, dass die Rausschmiss-Helfer die Wertsachen der Bewohner stehlen würden. Zum Ende vergangenen Jahres sind Dennis Klassen und seine Tochter Rochelle Adonis, beide erfahrene Mitarbeiter der roten Ameisen, wegen Diebstahls und Betrugs in 102 Fällen angeklagt worden. Das Strafverfahren an einem Johannesburger Gericht ist noch nicht abgeschlossen.

Außerdem werden die „Red Ants“ dafür kritisiert, unverhältnismäßig sowie aggressiv aufzutreten, die Bewohner im Vorfeld ihrer Räumungsaktion nicht zu informieren und den überraschten Bewohnern keine Zeit zu gewähren, ihre Gegenstände in Sicherheit zu bringen. Stattdessen werden Möbelstücke und andere Wohnobjekte ohne Rücksicht auf die Straße geworfen. Ganze Familien werden plötzlich obdachlos, ohne eine alternative Übernachtungsmöglichkeit zu benennen. Umso groß ist die Empörung bei einzelnen Menschenrechtlern und Journalisten, während Politik und Justiz dieses umstrittene Prozedere stillschweigend dulden.

Video-Aufnahme eines „Red-Ants“-Einsatzes in Johannesburg

Eine Antwort zu “„Red Ants“ in Südafrika

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