Gewalttätige Studentenproteste in Südafrika

Studiengebühren sollen 2017 steigen: Tränengas und Rauchgranaten statt Vorlesungen und Lehrbücher

(2010sdafrika-Redaktion)

Seit Wochen tobt an den Universitäten Südafrikas ein erbitterter Kampf der Studierendenschaft gegen die geplante Verteuerung der universitären Bildung. Der Protest an der Witwatersrand-Universität in Johannesburg oder an der Universität Kapstadt reißt bisweilen nicht ab. Ganz im Gegenteil – Tränengas und Rauchgranaten sowie gewalttätige Übergriffe bestimmen den Alltag auf dem Campus. Die Regierung wirkt machtlos und versucht, mit dem Einsatz zahlreicher Polizeikräfte landesweit für Ruhe zu sorgen.

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© Der seit mehreren Wochen andauernde Protest der Studierendenschaft an Südafrikas Universitäten ist in puren Vandalismus umgeschlagen. Die Polizei geht mit aller Härte gegen die Unruhen vor. Die Studenten wollen eine Erhöhung der Studiengebühren um mindestens 8 Prozent im Jahr 2017 verhindern. (Quelle: Wits SRC)

Längst ist der Protest der Studenten in puren Vandalismus umgeschlagen. Fahrzeuge werden in Brand gesteckt, Geschäfte geplündert, Bibliotheken zerstört und Hochschulangestellte körperlich angegriffen. Die Polizei versucht nun mit voller Härte die Proteste einzudämmen und die Unruhestifter aus dem Verkehr zu ziehen. Die Universität Kapstadt musste beispielsweise aus Sicherheitsgründen den Campus gar komplett schließen. Mittlerweile distanzieren sich etliche Studenten von ihren Kommilitonen. Gewalt könne keine Lösung darstellen, ist wiederholt zu hören. Dennoch geht die mutwillige Zerstörung von Hochschuleigentum unvermindert weiter.

Auslöser für die Unruhen ist die geplante Erhöhung der Studiengebühren. Südafrikas Bildungsminister Blade Nzimande hatte empfohlen, die Gebühren für 2017 um mindestens 8 Prozent zu erhöhen. Das Hochschulsystem des Landes sei chronisch unterfinanziert. Dennoch sollen arme Studierende vom Staat eine Unterstützung erhalten. Bereits jetzt zahlen die Studenten je nach Einrichtung umgerechnet jeweils 2.000 bis 4.000 Euro pro Jahr – ausgenommen sind die zusätzlichen Kosten für Unterkunft und Lehrmaterial. Studentenvereinigungen bemängeln, dass die Bildung am Kap vom Geldbeutel der Eltern abhänge. Sie behaupten zudem, dass vor allem Schwarze durch Studiengebühren benachteiligt werden würden.

5 Antworten zu “Gewalttätige Studentenproteste in Südafrika

  1. Das haben wir Jacob Zuma, den Vater der Korruption zu verdanken! Ich wünsche Herrn Mmusi Maimane Viel Erfolg!!!

    • Mal abgesehen davon, dass es ziemlich eindimensional gedacht ist, alles und jedes, das schief läuft, dem Jacob Zuma in die Schuhe zu schieben – die DA würde kaum der Forderung nach gebührenfreien Schulen und Unis nachkommen wollen. Das entspräche nicht liberaler Politik, denke ich. Was die Entkolonialisierung von Bildungsinhalten anlangt, bin ich mir auch nicht so sicher, ob das der DA schmeckt…

  2. Dieser kleine Bericht wird, denke ich, der Sache nicht ganz gerecht. Der Studierendenbewegung unter dem Motto #FeesMustFall geht es weniger darum, Gebührenerhöhungen zu verhindern. Vielmehr fordern sie eine gebührenfreie und entkolonialisierte Hochschulbildung in Südafrika.
    Es geht also um den freien Zugang aller jungen Menschen mit Hochschulreife zu den Unis sowie um die Studieninhalte. (Der Ruf nach Gebührenfreiheit ist nicht neu. Als Beispiel wird unter anderen Deutschland gern genannt.)
    Die Studieninhalte, so fordern die bewegten Studierenden sowie Lehrenden, sollen quasi „runderneuert“ werden aus der afrikanischen Perspektive heraus. Es ist kein Geheimnis, dass Südafrikas Schul- und Hochschulwesen aus der angelsächsischen, also europäischen Tradition stammt und dieser noch sehr verhaftet ist. Diese eurozentristische Prägung von Studieninhalten sind insbesondere an den Elite-Unis deutlich, wie beispielsweise UCT (Kapstadt) und Wits (Johannesburg).

    Was die Forderung nach Gebührenfreiheit anlangt, so hat der Staat „Armut“ angesagt. Es gebe einfach kein Geld dafür. Außerdem, so der Minister für Höhere Bildung, Blade Nzimande, sollen die Reichen für ihre Kinder selber bezahlen. Nzimande sitzt, allerdings, in der Zwickmühle. Die Bewegung #FeesMustFall hatte nämlich im vergangenen Jahr das Versprechen vom Staatspräsidenten Jacob Zuma erhalten, dass es keine Gebührenerhöhungen geben werde. Die öffentlichen (im Unterschied zu den privaten) Universitäten aber sind autonom. Sie erhalten staatliche Zuschüsse, verantworten ihre Finanzen aber selber. Die staatlichen Zuschüsse nehmen seit Jahren konstant ab, die Kosten jedoch steigen, auch wegen der höheren Studierendenzahlen. Letzteres ist ja gewollt und ein positives Ergebnis der Bildungspolitik. Die Studiengebühren werden allerdings vom Staat festgelegt.
    Im Glauben einen „Kompromiss“ gefunden zu haben, hat der Minister also die von den Uni-Verwaltungen verlangte Erhöhung auf acht Prozent begrenzt („capped“). Studierende aus armen Familien sowie aus der neuen unteren Mittleschicht („missing middle“) erhalten über NSFAS (National Students Financial Aids Scheme – http://www.nsfas.org.za/content/bursaries.html) staatliche Unterstützung in Form von Darlehen, die sie abstottern können, sobald sie in Lohn und Brot stehen. Damit sind Absolventen aus armen Familien und Verhältnissen erneut benachteiligt, weil zu Beginn ihrer beruflichen Karriere bereits hochverschuldet.
    Die beschriebene Gewalt in dieser Auseinandersetzung ist beiderseitig. Uni-Verwaltungen und Staat reagieren auf die protestierenden Student*innen mit äußerster Härte, unverhältnismäßig, wie ich meine. Private Sicherheitsdienste sowie Polizei inszenieren eine Art Bürgerkriegsszenario. Wahrscheinlich in der Hoffnung, damit die #FeesMustFall-Bewegung zu schwächen. Letztere ist in der Tat eher heterogen, d.h. es gibt an jeder Uni die verschiedensten Gruppen mit unterschiedlichen politischen Herangehensweisen. Die Gewaltexzesse der Polizei und Sicherheitsdienste produzieren da eher mehr Radikalität und Gegengewalt, als dass sie zur Beruhigung der Lage beitragen.

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