Geldtransfers als Wirtschaftsmotor

Migranten transferieren weltweit hunderte Milliarden Euro. Südafrika nimmt eine Schlüsselrolle ein

(2010sdafrika-Redaktion)

Hunderte Milliarden Euro werden jedes Jahr von Migranten in ihre Heimatländer überwiesen. Die Weltbank ermittelte allein für das Jahr 2012, dass rund 406 Milliarden US-Dollar von den Industrienationen in die Entwicklungs- bzw. Schwellenländer geschickt wurden. Eine beachtliche Summe, die es als heiß diskutiertes Thema in die Wissenschaft, Finanzökonomie und staatliche Entwicklungszusammenarbeit geschafft hat. Dabei stützen Geldtransfers, im Englischen besser bekannt als „Remittances“, etliche Familien und sogar ganze Volkswirtschaften.

© Die Bedeutung der Geldtransfers von Migranten wurde von den Staats- und Regierungschefs der G8 und der Entwicklungszusammenarbeit erkannt. Milliarden US-Dollar fließen jährlich meist vom Norden in den Süden. Diese „Remittances“ stützen teilweise ganze Volkswirtschaften. (Quelle: flickr/ Tabrez Syed)

Nach einer Definition der Weltbank werden die Geldtransfers nach drei verschiedenen Personengruppen kategorisiert. Bei den „Workers Remittances“ versteht man die Transfers meist dauerhaft im Ausland lebender Migranten, die ihre Familien und Freunde im Heimatland unterstützen. Man schätzt, dass im Durchschnitt 20 bis 30 Prozent des Einkommens in den Süden fließen. Bei den „Compensation of Employees“ geht es hingegen um die Geldtransfers temporärer Migranten wie Saisonarbeiter oder Grenzarbeiter. Dafür versteht man bei den „Migrant Transfers“ die Warentransfers. Informelle Wege, etwa Geldkuriere, werden statistisch nicht erfasst.

Zahlreiche Entwicklungsländer sind inzwischen auf die Geldflüsse aus dem meist westlichen Ausland angewiesen. Diese machen beispielsweise rund 30 Prozent des Bruttosozialproduktes von Tadschikistan aus – einem Rekordempfänger für Remittances. Doch auch zahlreiche afrikanische Staaten sind auf die Gelder aus Europa, den USA oder aus Südafrika angewiesen. Die Summe der privaten Geldtransfers übersteigt mittlerweile die Summe der offiziellen Entwicklungshilfe aller Mitgliedsländer der OECD um das Dreifache. Somit liegt die Geldsumme von Migranten weit höher als die der ausländischen Direktinvestitionen, halten Ökonomen fest.

Aus diesem Grund beschlossen die Staats- und Regierungschefs der G8 auf ihrem Gipfel in Sea Island im Juli 2008, die privaten Zahlungen zu fördern und mögliche Hindernisse beim internationalen Geldtransfer zu minimieren. Die G8-Präsidentschaft der USA hielt zum damaligen Zeitpunkt fest, dass Geldtransfers eine außerordentlich wichtige Bedeutung bei der Armutsbekämpfung einnehmen und als Ergänzung zur staatlichen Entwicklungszusammenarbeit einen Beitrag leisten, den Lebensunterhalt von Familien zu sichern. Ebenso spielen Geldtransfers von und nach Südafrika eine wichtige Rolle. Dies belegen Zahlen im „Migration and Remittances Factbook 2016“, welche regelmäßig von der Weltbank herausgegeben werden.

Demnach hielten sich zum Ende des Jahres 2013 rund 806.300 Südafrikaner im Ausland auf, vornehmlich in Großbritannien, Australien und den USA. Umgekehrt wanderten über 2,6 Millionen Menschen nach Südafrika ein, vor allem Migranten aus Simbabwe, Mosambik und Lesotho. Das Kapland zählt zum meist bevorzugten Auswanderungsziel im südlichen Afrika. Nicht zu verachten ist die Anzahl an 100.000 Bundesbürgern in Südafrika, die sich vor allem in Kapstadt, Pretoria und Johannesburg niedergelassen haben. Um die jeweils eine Milliarde US-Dollar an Geldtransfers fließen nach Südafrika oder aus Südafrika in die Heimatländer der Migranten – pro Jahr. Verschiedene Online-Dienste für Auslandsüberweisungen machen dies möglich.

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