„Das BMW-Werk in Rosslyn als Vorbild“

Im Interview mit dem Leipziger Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Feist zu Südafrika

(Autor: Ghassan Abid)

© Dr. Thomas Feist, Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, hielt sich im Februar 2017 in Südafrika auf, um sich u.a. dem Thema Berufsbildung zu widmen. Die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ interviewte den Leipziger Politiker. (Quelle: Thomas Feist)

2010sdafrika-Redaktion: Wir begrüßen auf „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ Herrn Dr. Thomas Feist, Mitglied des Deutschen Bundestages. Vorab die Frage an Sie, wie Sie als studierter Musik- und Kulturwissenschaftler überhaupt in die Bundespolitik gekommen sind?

Antwort: In der DDR waren mir das Abitur und damit ein Studium verwehrt geblieben, sodass ich eine Ausbildung zum Handwerker absolviert habe. Erst nach der Friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung konnte ich, mittlerweile als Referent für Jugend der Evangelischen Kirche, neben meiner Vollzeitstelle studieren und promovieren. In die CDU bin ich schließlich 2007 eingetreten, da mir die Rolle als Kritiker nicht mehr ausreichte, sondern ich selbst aktiv mitwirken wollte. 2009 bin ich schließlich von meiner Partei für die Bundestagswahl aufgestellt worden und konnte das Mandat seither zweimal gewinnen. Als Heizungsmonteur, Musikwissenschaftler und Jugendreferent kann man mich also durchaus als „politischen Quereinsteiger“ bezeichnen. 

2010sdafrika-Redaktion: Kürzlich hielten Sie sich, genauer gesagt im Februar 2017, in Südafrika auf. Die Berufsausbildung stand auf dem Programm. Um was ging es konkret?

Antwort: Als Berichterstatter für Berufsbildung der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag war die berufliche Bildung Kernthema meiner Reise nach Südafrika. Insbesondere da Südafrika eines der 17 Schwerpunktländer des Bundesministeriums für Bildung und Forschung im Hinblick auf die Berufsbildung ist, wollte ich mich über konkrete Projekte und dem allgemeinen Entwicklungsstand der Zusammenarbeit informieren. Daneben nutzte ich die Reise, um mir Einblicke in die Aktivitäten der deutschen Kirchgemeinden vor Ort zu verschaffen und – da ich auch Mitglied des Unterausschusses für Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik bin – informierte ich mich auch über die Tätigkeiten des Deutschen Akademischen Austauschdienstes und des Goethe-Instituts. Besonders im Fokus standen dabei die Projekte zum Festjahr „500 Jahre Reformation“ sowie Projekte zur Partizipation Jugendlicher. 

© MdB Thomas Feist führte in der Deutschen Botschaft Pretoria ein Gespräch mit dem Ständigen Vertreter, Klaus Streicher, der Wissenschaftsreferentin Eva Ziegert und dem Referatsleiter Wirtschaft, Volker Oel, zum Stand der Kooperationen im Bereich dualer Berufsbildung und in der Wissenschaft. (Quelle: Thomas Feist)

2010sdafrika-Redaktion: Bleiben wir beim Thema Berufsbildung. Inwiefern konnten Sie sich die verschiedenen Berufsausbildungsprogramme deutscher Unternehmen in Südafrika anschauen?

Antwort: Im BMW-Werk in Rosslyn, übrigens der ersten Auslandsniederlassung des Fahrzeugherstellers, konnte ich mir einen Überblick über die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter und über die Kooperation mit Partnerschulen verschaffen. Das Werk ist auf die Fertigung der 3er-Serie spezialisiert. Besonders ist dabei, dass die Ausbildungsmethodik dem deutschen Vorbild folgt und damit allgemein anerkannte, sehr hohe Standards erfüllt. Die Führung des Werkes ist dabei – bis auf wenige Ausnahmen – mit vor Ort geschulten Südafrikanern besetzt, was ein guter Indikator dafür ist, dass die Internationalisierung unseres Modells der beruflichen Bildung angesehen ist und genutzt wird; unser Ansinnen, die Berufsbildung als Hilfestellung zur Weiterentwicklung international anzubieten, gleichwohl auch fruchtet.

2010sdafrika-Redaktion: Welches deutsche Unternehmen inspirierte Sie besonders stark? Etwa BMW?

Antwort: Das BMW-Werk setzt bei seiner Aus- und Weiterbildung auf den best-practice- statt den good-practice-Ansatz, der sonst in Südafrika häufig vorzufinden ist. Damit legt das Unternehmen hohe Standards vor, an denen sich – so meine Hoffnung – auch andere in Südafrika tätige Unternehmen ein Vorbild nehmen werden. Mit einem „alumni tracking program“ gelingt es BMW außerdem, im Werk ausgebildete Mitarbeiter auch über etwaige externe Weiterbildungen, z.B. ein Hochschulstudium, weiter zu binden.

© Ausbildung, Weiterbildung und Aufstieg sind strategische Eckpunkte bei BMW South Africa, hält MdB Feist fest. Der Automobilbauer lege als Unternehmen hohe Standards vor, an denen sich andere in Südafrika tätige Unternehmen ein Vorbild nehmen werden. (Quelle: Thomas Feist)

2010sdafrika-Redaktion: Ebenfalls führten Sie Gespräche mit ranghohen Mitarbeitern des südafrikanischen Ministeriums für Hochschulbildung. Welche Themen wurden mit welchem Ergebnis besprochen?

Antwort: Mit den Vertretern des Ministeriums kam ich über Hochschulkooperationen und die verschiedenen Projekte im Bereich der dualen Berufsbildung ins Gespräch. Im Mittelpunkt standen für mich dabei die Arbeit der deutschen Außenhandelskammer und die deutschen Auslandsschulen. 

2010sdafrika-Redaktion: Was kann Südafrika von Deutschland lernen?

Antwort: Meiner Meinung nach sollte Südafrika die Qualifikationshürden und Bescheinigungen für Lehrer standardisieren, um so die bestmögliche Ausbildung von Schülern und Auszubildenden zu sichern. Die Zerklüftung der Wirtschaftsbereiche und damit einhergehend die grobe Abweichung von den EU-Standards hinsichtlich Qualität und Kontrollparametern ist ein weiteres Feld, auf dem Südafrika Nachholbedarf hat.

2010sdafrika-Redaktion: Und was kann Deutschland womöglich von Südafrika lernen?

Antwort: Besonders imponiert hat mir der starke gesellschaftliche Zusammenhalt, der – trotz vielfach schwieriger Bedingungen – vorgelebt wird. Dies könnten wir uns in Deutschland zum Vorbild nehmen.

2010sdafrika-Redaktion: Mit welchen Eindrücken haben Sie Südafrika verlassen?

Antwort: In Südafrika herrscht eine große Begeisterung und enormes Vertrauen in die duale Berufsausbildung, die ein hervorragendes Ansehen genießt. Zwar sind die begleitenden Strukturen rund um die Ausbildung nicht so facettenreich, wie in Deutschland, was genannte Probleme mit sich bringt, andererseits aber auch eine Flexibilität ermöglicht.

© Weitere Gespräche führte MdB Feist im Ministerium für Hochschulbildung (DHET) mit Generaldirektor Gwebinkundla Qonde. Die Intensivierung von Hochschulkooperationen und Projekten im Bereich duale Berufsbildung wurden thematisiert. (Quelle: Thomas Feist)

2010sdafrika-Redaktion: Inwieweit werden Sie als Bundestagsabgeordneter der CDU/ CSU-Fraktion die deutsch-südafrikanischen Beziehungen vorantreiben?

Antwort: Im Gespräch mit Vertretern der Hochschulen bin ich darauf aufmerksam geworden, dass es kaum Austauschprogramme für Studierende gibt. Darauf habe ich die Hochschulen hingewiesen und will darauf hinwirken, dass Austausche mit deutschen Hochschulen entstehen.

Die Berufsbildung werde ich weiterhin unterstützen, indem ich Kontakte zu den Akteuren in Deutschland, etwa zu WorldSkills Germany herstelle, um Kooperationen zu initiieren. 

Schlussendlich will ich mit meinem Erfahrungsbericht natürlich auch Input für die dem Bundesministerium für Bildung und Forschung angeschlossenen Einrichtungen, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), geben.

2010sdafrika-Redaktion: Dann hoffen wir mal, dass es mehr Austauschprogramme für Studierende aus Südafrika und Deutschland geben wird. Thomas Feist, Mitglied der CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag, vielen Dank für dieses Interview.

2 Antworten zu “„Das BMW-Werk in Rosslyn als Vorbild“

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