Auffällig unauffällig

Südafrikas Präsident Jacob Zuma beim G20-Gipfel in Hamburg: Händeschütteln und Lächeln

(Autor: Ghassan Abid)

Am 7./8. Juli 2017 trafen sich die Staat- und Regierungschefs der G20 in Hamburg. Während auf den Straßen der Hansestadt die immense Gewalt gegen Menschen, Geschäfte und Fahrzeuge für öffentliche Aufmerksamkeit im In- und Ausland sorgte, dominierten am Tagungsort selbst die politischen Debatten die Berichterstattung zum diesjährigen Forum der mächtigsten Staatsoberhäupter der Welt. Auch Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma reiste samt hochrangiger Delegation nach Deutschland an, blieb jedoch während seines Aufenthalts in Hamburg auffällig unauffällig.

© Anlässlich des G20-Gipfels in Hamburg traf sich Südafrikas Staatspräsident Jacob Zuma mit Bundeskanzlerin Angela Merkel. Die Bundesregierung platzierte Afrika ins Programm der diesjährigen Präsidentschaft. Allerdings bleiben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. (Quelle: flickr/ The Presidency of South Africa)

Im Programm der deutschen G20-Präsidentschaft wurde die vertiefte Partnerschaft mit Afrika gefordert. Konkret „sollen die Rahmenbedingungen für nachhaltige Privatinvestitionen sowie Investitionen in Infrastruktur und erneuerbare Energien“ in den Partnerländern gestärkt werden. Die Bundesregierung nahm den G20-Gipfel zum Anlass, um die Teilhabe der Bevölkerungen Afrikas an der wirtschaftlichen Entwicklung auszubauen. Hierbei steht die Schaffung von Arbeitsplätzen im Vordergrund, um somit auch die Fluchtursachen zu bekämpfen. Denn die aktuellen Migrationsbewegungen aus Afrika über das Mittelmeer sorgen für Unruhe in Europas Hauptstädten.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller warb mit seinem „Marshall-Plan mit Afrika“ im Vorfeld des Gipfels für mehr Investitionen deutscher Unternehmen in Afrika. „Wir brauchen einen Paradigmenwechsel und müssen begreifen, dass Afrika nicht der Kontinent billiger Ressourcen ist, sondern die Menschen dort Infrastruktur und Zukunft benötigen.“, hielt der 61-jährige CSU-Politiker bei der Vorstellung des Programms fest. Insofern erhofften sich NGO-Vertreter, dass die Zusammenkunft in Hamburg dieser Initiative wichtige Impulse geben könne, um die Wirtschaftsentwicklung in Afrika nachhaltig zu beeinflussen.

Südafrikas Präsident Zuma nahm als einziges afrikanisches Mitglied der G20 in diesem Kontext eine besondere Rolle ein. Bei seiner Rückkehr ans Kap am 9. Juli 2017 ließ der ANC-Vorsitzende verlauten, dass der G20-Gipfel ein voller Erfolg wäre. Die wirtschaftliche Entwicklung in Südafrika und Afrika würde durch G20 vorangetrieben werden, heißt es aus dem Präsidialamt in Pretoria. Allerdings werden keine Projekte mit konkreten Zeitplänen genannt. Vielmehr bedient man sich erneut klassischen Floskeln der politischen Elite. Man habe die „Schaffung von Jobs, die Förderung von Frauen und Jugendlichen, die Verringerung von Armut und Ungerechtigkeit“ beschlossen, so Zuma.

Tatsächlich enttäuscht die Anreise der südafrikanischen Delegation, da die Ergebnisse mehr als überschaubar sind. Christoph Titz, Redakteur im Politik-Ressort mit Schwerpunkt Afrika bei SPIEGEL ONLINE, hält abschließend fest: „Den afrikanischen Vertretern selbst blieb auf der Hamburger Bühne nur die kleinste Nebenrolle: Südafrikas Präsident Jacob Zuma war zweimal zu sehen, zu Beginn beim Händeschütteln mit Angela Merkel und in der Elbphilharmonie mit Gattin. Keine Pressekonferenz, kein Statement.

Ebenso machten sich Guineas Staatschef sowie der gleichzeitige Präsident der Afrikanischen Union, Alpha Condé, und Macky Sall, Präsident des Senegals, beim Gipfel kaum bemerkbar. Händeschütteln, Foto-Termine und Small-Talks werden lediglich in Erinnerung bleiben. Im Großen und Ganzen wird der G20-Gipfel in Hamburg – zumindest aus der Sicht Afrikas – nicht in die Geschichtsbücher eingehen. Immerhin schaffte es der Kontinent auf die Tagesordnung der wichtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt.

4 Antworten zu “Auffällig unauffällig

  1. Pingback: „Wir wollen in Afrikas Start-ups investieren“ | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  2. Marshallplan für Afrika – seit bestehen der UNO sind in den Kontinent Afrika aber Billionen von Dollar geflossen unermesslich viel Geld.
    Für was ? Viele afrikanische Staatmänner ob groß oder kleine Länder in Afrika sind Milliardäre.
    Dieser Kontinent wird wahrscheinlich nicht zu retten sein

    • Und wieviel Reichtum haben die ehemaligen Kolonialländer an Menschen (Sklaven) und Bodenschätzen aus Afrika herausgeholt über die Jahrhunderte bis heute? Damit verglichen sind Ihre Billlionen Kleingeld.

  3. MdB Chrstian Ströbele auf twitter: „Merkels G-20 hat nix gebracht – außer heißer Luft. ‚Große‘ aus Afrika waren auch geladen, aber nur an Katzentisch. Hatten nix zu melden.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

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