Buch in Südafrika sorgt für Aufregung

Ex-Arzt beschreibt in Biografie die unwürdigen letzten Jahre seines Patienten Nelson Mandela

(2010sdafrika-Redaktion)

Die Wellen schlugen hoch, als der Inhalt des Buches „Mandela´s Last Years“ bekannt wurde. Denn der Autor Vejay Ramlakan beschuldigt die Familie Mandelas, die letzten Jahre des Anti-Apartheid-Kämpfers nicht unbedingt erträglich gemacht zu haben. Prompt erfolgte ein unüberhörbarer Aufschrei. Die Kritik an den ehemaligen Militär-Chefarzt und persönlichen Arzt Madibas ist so groß geworden, dass sich der US-amerikanische Verlag „Penguin Random House“ in der Notwendigkeit sah, nur wenige Tage nach der Veröffentlichung das Buch wieder vom Markt zu nehmen. Ebenso sind die Autorenangaben auf der Webseite des Verlags gelöscht worden. Der Schaden ist gewaltig.

© Nelson Mandela ein Opfer seiner eigenen Familie? So deutet es sich zumindest im Buch „Mandela´s Last Years“ an, welches sein Arzt Vejay Ramlakan verfasste. Auf Druck der Familie Madibas hat der in New York ansässige Verlag das Buch nur wenige Tage nach der Veröffentlichung vom Markt genommen. (Quelle: flickr/ mrgarethm)

Ramlakan war genauso wie Mandela ein überzeugter Anti-Apartheid-Kämpfer. Als Generalstabsarzt war er 10 Jahre lang für die gesundheitliche Betreuung des ersten schwarzen Staatspräsidenten des Landes verantwortlich. Pünktlich zum 99. Geburtstag Mandelas wurde das Buch „Mandela´s Last Years“ durch den US-Verlag im Juli 2017 veröffentlicht. Mehrere Interviews mit dem Autoren brachten das Werk schnell ins öffentliche Bewusstsein. Der Mediziner berichtete darüber, wie stark der Nationalheld in seinen letzten Jahren gelitten habe: Familiäre Streitigkeiten über die richtige Behandlung, das Installieren von Überwachungskameras in Schlafzimmer sowie Leichenschauhaus und die unerträglich erscheinenden lebenserhaltenden Maßnahmen.

Besonders pikant ist die Information, wonach in den letzten Stunden Mandelas nicht seine Ehefrau Graca Machel am Sterbebett Madibas gewesen sein soll. Vielmehr hätte Ex-Frau Winnie Madikizela-Mandela seine Hand gehalten, bis sein Herz aufhörte, für immer zu schlagen. Dieses Bild passt nicht unbedingt in die gewohnte Selbstdarstellung der Witwe Mandelas, die sich als treue und liebevolle Weggefährtin darstellt. Letztendlich dürften jedoch vielmehr finanzielle Aspekte für den Unmut gesorgt haben, so zumindest der Standpunkt mehrerer Journalisten aus Südafrika. Dieser Verdacht liegt nahe, wenn man bedenkt, dass einzelne Familienmitglieder gegenüber der Presse die Bereicherungsabsicht des Autoren offen kritisiert haben.

© In „Mandela´s Last Years“ wird die Familie Mandelas beschuldigt, die letzten Jahre des Anti-Apartheid-Kämpfers nicht unbedingt erträglich gemacht zu haben. Der Mediziner berichtet darüber, wie stark der Nationalheld in seinen letzten Jahren gelitten habe. Das Buch ist nur noch auf dem Schwarzmarkt erhältlich. (Quelle: Penguin Random House)

Es stellt sich letztendlich die Frage, inwieweit der Mandela-Familie eine Bucherlös-Beteiligung vertraglich zugesichert worden war. Denn genau hier dürfte das eigentliche Problem liegen. Dem Autoren Ramlakan sowie dem in New York ansässigen Verlag drohen nun hohe Geldstrafen. Die Mandela-Familie hat dem Autoren vorgeworfen, keine Zustimmung zur Veröffentlichung eingeholt zu haben. Ferner habe er gegen die Verschwiegenheitsverpflichtung und ärztliche Schweigepflicht verstoßen. Man behalte sich nun rechtliche Schritte vor, so Graca Machel. Hingegen lobte Winnie Madikizela-Mandela die „gute Arbeit“. Unterdessen bestritt Ramlakan die Vorwürfe. Er habe lediglich die Wahrheit im Buch untergebracht und eine Erlaubnis bereits eingeholt.

Eine Antwort zu “Buch in Südafrika sorgt für Aufregung

  1. Die Frage ist, wer aus dem Mandela-Clan gab dem Autor die Erlaubnis, das Buch zu veröffentlichen? Vejay Ramlakan, jedenfalls, behauptet steif und fest, er habe den Segen eines Familienmitglieds erhalten, weigert sich aber ebenso steif und fest, den Namen preiszugeben. Winnie, auf die der erste Verdacht fiel, hat dies inzwischen bestritten. So mancher Beobachter bezweifelt Winnies Worte…
    Egal, die „Reality Soap“ des Mandela-Clans wird noch viele Jahre lang Futter für die Regenbogenpresse liefern. Was den Briten die Royals, sind den Südafrikanern die Mandelas geworden. Money makes the world go round…

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