Medien verbreiten Fake News aus Südafrika

Irreführende Berichterstattung durch Journalisten zu Kannibalismus-Story aus der Zulu-Stadt Estcourt

(Autor: Ghassan Abid)

In Südafrika berichteten die ersten lokalen Medien über den Kannibalismus-Fall aus der Zulu-Stadt Estcourt im Osten des Landes, wonach 300 Dorfbewohner regelmäßig Menschenfleisch essen würden. Daraufhin griffen mehrere namhafte Medien aus Europa, darunter auch die deutsche Presse, die Story unkritisch auf. Sie verbreiteten die Falschmeldung und vermittelten ein verstörendes Bild über die Gesellschaft in Südafrika. Eine Korrektur unterblieb bei den Medien.

© Einheimische und internationale Medien verbreiteten Fake News aus Südafrika, wonach 300 Bewohner der Stadt Estcourt regelmäßig Menschenfleisch essen würden. Tatsächlich sollen 300 Menschen von einem Kannibalismus-Fall gewusst haben. Eine Korrektur unterblieb bei den Medien. (Quelle: flickr/ Joan Alturo)

Tatsächlich seien vermutlich fünf Männer, darunter zwei Medizinmänner, festgenommen worden. Sie gestanden vereinzelt den Verzehr von Menschenfleisch. Die Strafermittlungsbehörden gehen davon aus, dass die Tatverdächtigen eine Frau entführt, vergewaltigt und im Nachgang aus ihrem traditionellen Irrglauben heraus verzehrt haben sollen. Der Bürgervorsteher Mthembeni Majola erklärte daraufhin, dass 300 Menschen der Stadt Estcourt von der Straftat der Männer Bescheid gewusst haben könnten. Dennoch verbreitete sich in den Medien die Falschmeldung über angeblich 300 Kannibalen, die in einer Gemeinde leben würden.

Die Polizei hat unterdessen die Presseberichte als Falschmeldung zurückgewiesen. Keiner habe jemals gesagt, dass 300 Bewohner jemals Menschenfleisch gegessen hätten – so zumindest die Polizeisprecherin Thembeka Mbhele gegenüber südafrikanischen Journalisten. Einige Medizinmänner in Südafrika glauben bisweilen daran, dass der Verzehr von Menschenfleisch bestimmte heilende Kräfte entfalten würde. Die Behörden des Landes nehmen Erkenntnisse über das Essen von Körperteilen ernst und leiten entsprechende Ermittlungen ein.

2 Antworten zu “Medien verbreiten Fake News aus Südafrika

  1. Ob nun viel Menschenfleisch oder weniger uralte und neue Bräuche sind auf dem Vormarch auf dem gesamten Kontinent Afrika

    • „Bräuche“ hin oder her. Bei den zahlreichen Kirchen in diesem Land und den eifrigen Pastoren, die mit der Bibel in der Hand auf ihre „Schäfchen“ einreden – mal laut, mal drängend, mal anklagend, mal angtseinflößend – aber stets besessen, von was auch immer, bei all dem fällt mir eiun weiser Spruch ein, der dem inzwischen emeritierten Anglikanischen Erzbischof Desmond Tutu nachgesagt wird:
      Als die Europäer mit der Bibel zu uns kamen, gehörte uns das Land. Sie sagten, lasst uns die Augen schließen und beten. Als wir die Augen wieder öffneten, hatten wir die Bibel und sie das Land.

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