Oxfam kritisiert deutsche Supermarktketten

Studie: Südafrikanische Weinanbau-Arbeiterinnen werden strukturell ausgebeutet und diskriminiert

(2010sdafrika-Redaktion)

Die am 10. Oktober 2017 veröffentlichte Oxfam-Studie in Zusammenarbeit mit der südafrikanischen Frauenorganisation „Women on Farms Project“ (WFP) hat es in sich. In dem 24-seitigen Dokument werden die Marktmacht deutscher Supermarktketten und die Arbeitsbedingungen von Frauen auf Traubenfarmen in Südafrika untersucht. Von März 2016 bis Februar 2017 wurden hierzu insgesamt 343 Landarbeiterinnen befragt. Die entsprechenden Ergebnisse sind schockierend. Denn es ist die Rede von Ausbeutung und Diskriminierung.

© Im Oktober 2017 veröffentlichte die NGO Oxfam in Kooperation mit WFP eine Studie über die Ausbeutung von südafrikanischen Farmarbeiterinnen durch die lokalen Weinproduzenten. Deutsche Lebensmittelriesen würden durch ihre Preispolitik eine Mitschuld an diesen Missständen tragen. (Quelle: flickr/ Jack Wickes)

Im deutschen Weinmarkt seien Lebensmittelriesen wie ALDI, LIDL, REWE/ PENNY und EDEKA/ NETTO besonders stark vertreten. Sie verkaufen nach den Berechnungen des Deutschen Weininstituts rund 40 Prozent des in Deutschland konsumierten Weins – halten die Oxfam-Studienautorinnen Franziska Humbert und Lia Polotze fest. Bei Tafeltrauben und frischem Obst würden die Edeka-Gruppe, Schwarz-Gruppe (LIDL und Kaufland), ALDI-Gruppe und REWE-Gruppe den Markt mit 67 Prozent des Gesamtumsatzes gemeinsam dominieren.

Obwohl seit 2000 der durchschnittliche Exportpreis für südafrikanischen Wein bei der Ausfuhr nach Deutschland um über 80 Prozent gefallen sei, stiegen in den letzten 10 Jahren zeitgleich die Produktionskosten um rund 50 Prozent. Ebenso stiegen kontinuierlich die Importmengen südafrikanischen Weines nach Deutschland. In der Konsequenz erhielten die Produzenten am Kap pro Flasche nur noch rund 25 Cent und somit 10 Prozent des durchschnittlichen Einzelhandelspreises. Ähnliche Preisentwicklungen seien bei Weintrauben zu beobachten. Der Ausfuhrpreis nach Deutschland liege mit 77 Cent pro Kilogramm weit unter dem Weltdurchschnitt.

Diese Marktentwicklung begründe den Preisdruck deutscher Supermarktketten auf die südafrikanische Wein- und Tafeltraubenindustrie. Nur noch ca. 15 Prozent der heimischen Weinproduzenten könnten profitabel arbeiten. Das Nachsehen hätten die Landarbeiterinnen, die unhaltbaren Zuständen ausgesetzt seien. Denn 20 Prozent der befragten Farmarbeiterinnen würden nicht einmal den südafrikanischen Mindestlohn erhalten. Sie würden Hungerlöhne kriegen. Zudem seien etwa die Hälfte der interviewten Frauen mit giftigen Pestiziden besprüht worden. Schutzkleidung hätten diese von ihren Arbeitgebern nach eigenen Aussagen nicht ausgehändigt bekommen.

Ferner sei es den Farmarbeiterinnen nicht erlaubt, sich den Gewerkschaften anzuschließen oder anderweitig zu organisieren. Diskriminierung und Ausgrenzung seien die Folge, wer etwa auf die Einhaltung des südafrikanischen Arbeitsrechts beharre. Für diese Missstände seien letztendlich die deutschen Lebensmittelketten mitverantwortlich, so Oxfam. Diese hätten auf Nachfrage dieser NGO ihre Lieferbeziehungen nicht offengelegt. „Die Supermärkte diktieren ruinöse Preise, diesen Preisdruck geben die Produzenten nach unten weiter: An die Arbeiterinnen, die auf den Plantagen schuften“, hält Humbert – Oxfam-Expertin für soziale Unternehmensverantwortung – fest.

Die Forderung von Oxfam ist eindeutig: Entweder übernehmen die Supermarktketten endlich ihre Verantwortung im Rahmen einer angemessenen Preispolitik oder die neue Bundesregierung beschließt im Rahmen der Gesetzgebung die notwendigen Schritte, damit die Menschenrechte bei den Lieferanten und Produzenten eingehalten werden. Die fortwährende Ausbeutung der südafrikanischen Farmarbeiterinnen sei zu unterbinden.

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