Kap-Kolumne: OR Tambo begrüßt Reisende

Ehemaliger ANC-Präsident in Ankunftshalle des Flughafens Johannesburg aufgestellt

(Autor: Detlev Reichel, Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals)

Donnerstag, 19.10.2017 – In der großen runden Ankunftshalle des Johannesburger Flughafens begrüßt seit heute ein lebensgroßes Standbild des Oliver Reginald Tambo die Reisenden. Er ist seit 2005 der Namensgeber des größten Flughafens Südafrikas – „OR Tambo“ International Airport – das Tor zum afrikanischen Kontinent und der Welt.

© Der langjährige ANC-Präsident Oliver Reginald Tambo ist am Donnerstag, den 19.10.2017, in der Ankunftshalle des gleichnamigen Flughafens Johannesburg als Statue aufgestellt worden. Am 27. Oktober 1917 wird dem 100. Geburtstag des Freiheitskämpfers gedacht. (Quelle: Privat)

Oliver Tambo war der am längsten amtierende Präsident in der Geschichte des African National Congress (ANC). Seine Präsidentschaft von 1967 bis 1990 fiel in die schweren Jahre der Illegalität und des Exils. Tambos Name, kurz: OR, ist, was man hierzulande einen ´household name´ nennt, ein Name den jedes Kind kennt.

In diesem Jahr und besonders im Monat Oktober wird des 100. Geburtstages (27. Oktober 1917) dieses südafrikanischen überragenden Freiheitskämpfers, Politikers und Diplomaten gedacht.

Tambos politische Biografie ist eng mit der Nelson Mandelas verbunden. Beide sind, zusammen mit Walter Sisulu, Gründer der ANC-Jugendliga 1944, die wesentlich dazu beitrug, den ANC zu einer militanten Massenorganisation zu entwickeln. Zudem gründeten Tambo und Mandela 1952 in Johannesburg die erste schwarze Anwaltskanzlei in Südafrika.

1960 verbot das Apartheidregime den ANC. Noch im selben Jahr verließ Tambo das Land. Sein Auftrag: Den Widerstand gegen die Apartheid vom Ausland aus zu organisieren. Dies tat er unermüdlich 30 Jahre lang. Oliver Tambo geht in die Geschichte ein als der wohl erfolgreichste Diplomat für ein demokratisches Südafrika, das schließlich 1994 das Licht der Welt erblickte.

© Tambo zählt gemeinsam mit Nelson Mandela und Walter Sisulu zu den wichtigsten ANC-Persönlichkeiten. Diese gründeten nämlich im Jahr 1944 die ANC-Jugendliga, die wesentlich dazu beitrug, den ANC zu einer Massenorganisation zu entwickeln. (Quelle: Privat)

Größte Solidaritätsbewegung

Wahrscheinlich lebte OR Tambo während seiner Jahre im Exil mehr in Flugzeugen und auf Flughäfen als im Kreis seiner Familie, die in London eine Bleibe gefunden hatte. Unter seiner Leitung und aktiven Beteiligung informierte der ANC in West und Ost, in Nord und Süd über die Lage der unterdrückten schwarzen Mehrheit in Südafrika und bat um Unterstützung im Kampf gegen die Apartheidpolitik. Daraus entstand eine globale Anti-Apartheid-Bewegung, eine der größten Solidaritätsbewegungen des 20. Jahrhunderts. Im Westen waren es Nicht-Regierungsorganisationen, denn die Regierungen und die Wirtschaft, insbesondere der NATO-Länder, pflegten gute Beziehungen zum Apartheidregime und sahen im ANC eine „terroristische Organisation“. Anders in den sozialistischen Staaten des Ostens, in Kuba sowie in Schweden und natürlich in Afrika selber. Hier war der Kampf gegen die Apartheid Regierungspolitik, die die Befreiungsbewegung vorbehaltlos unterstütze.

© Tambo und Mandela eröffneten im Jahr 1952 in Johannesburg die erste schwarze Anwaltskanzlei in Südafrika, die die Interessen der vor allem schwarzen Mandantschaft vertrat. (Quelle: Privat)

© Der ANC-Präsident war gezwungen, nach dem Verbot seiner Bewegung im Jahr 1960 das Land im selben Jahr noch zu verlassen. Sein Auftrag: Den Widerstand gegen die Apartheid vom Ausland aus zu organisieren. Tambo führte fortan ein Leben in der Illegalität. (Quelle: Privat)

Apartheid – ein Verbrechen gegen die Menschheit

Bereits 1962 verurteilte die Vollversammlung der UNO die Apartheidpolitik (Resolution 1761). Im Jahr darauf beschloss der UN-Sicherheitsrat ein freiwilliges Waffenembargo gegen Südafrika. Nach dem Soweto-Massaker (Juni 1976) entschied das Gremium 1977 ein bindendes Waffenembargo. 1976 trat die Internationale Konvention über die Bekämpfung und Bestrafung des Verbrechens der Apartheid in Kraft, in der die Apartheidpolitik zu einem Verbrechen gegen die Menschheit erklärt wird. Bis 1980 hatten 56 Staaten die Konvention ratifiziert bzw. waren ihr beigetreten.

© Oliver Tambo ist es zu verdanken, dass der ANC seine Einheit bewahrte und stärkte – hält Kap-Kolumnist Detlev Reichel fest. 30 Jahre lang musste Tambo im Ausland verbringen, um das Apartheidregime zu bekämpfen. Insofern gilt er heute als eine Ikone. (Quelle: Privat)

Präsident der Aktionseinheit

Oliver Tambo ist es zu verdanken, dass der ANC im Exil und in der Illegalität in Südafrika seine Einheit bewahrte und stärkte. Der gläubige Anglikaner schmiedete unentwegt an der Aktionseinheit aller demokratischen Kräfte einschließlich einer engen Allianz mit den Kommunisten und der Gewerkschaftsbewegung – unter Führung des ANC. Unter Tambos politischer Führung wurde der Beschluss der Kongressbewegung Anfang der 1960er, auch den bewaffneten Kampf aufzunehmen, konsequent umgesetzt.

Als im August 1989 die Organisation of African Unity (OAU) in ihrer „Harare Declaration“ den Weg zu Verhandlungen mit dem Regime in Pretoria freimachte, so war dies eines von Tambos Meisterstücken. Das Dokument von Harare trägt seine Handschrift.

Doch zu dieser Zeit war OR bereits von Krankheit gekennzeichnet. Er kehrte 1990 in das Land seiner Geburt zurück. Man bereitete ihm einen Helden-Empfang. Er selber hat die ersten demokratischen Wahlen (1994) nicht mehr erlebt. Oliver Reginald Tambo starb 1993 an den Folgen eines Schlaganfalls.

© Tambo zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten des demokratischen Südafrika. (Quelle: Privat)

Eine Antwort zu “Kap-Kolumne: OR Tambo begrüßt Reisende

  1. Nachtrag:
    OR Tambo hatte einen dritten Namen: Kaizana. Sein Vater, so ist es überliefert, konnte fie britische Kolonialherren nicht leiden. 1917 tobte noch der 1. Weltkrieg, und das deutsche Kaiserreich unter Wilhelm zwo kämpfte gegen die Briten. Da fand es Tambo Senior wohl angebracht, seinem Sohn den Namen Kaiser, bzw. eine afrikanisch klingende Variante davon zu verpassen, um die Briten im Lande zu ärgern. Ob’s die gewünschte Wirkung getan hat, ist nicht überliefert. OR Tambo, jedenfalls, hat Kaizana nie verwendet.

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