Wiener Auktionshaus erntet Shitstorm

Versteigerung mit afrikanischen und südamerikanischen Überresten wird kurzfristig zurückgezogen

(Autor: Ghassan Abid)

Am gestrigen Tag verbreitete sich über Facebook die Information über eine für heute geplante Auktion wie ein Lauffeuer. Das Wiener Auktionshaus Dorotheum wollte im Rahmen der Auktion „Tribal Art“ mehrere menschliche Überreste aus Afrika und Südamerika versteigern. Zur Auktion ist es jedoch in letzter Minute nicht mehr gekommen. Denn zu groß war der Shitstorm und die Empörung über dieses „makabre Kunstvorhaben“. Insofern ist der entstandene Schaden für das Auktionshaus gewaltig. In Wien ist man um Schadensbegrenzung bemüht.

© Das Wiener Auktionshaus Dorotheum erlebt zurzeit einen gewaltigen Shitstorm. Denn das Unternehmen wollte im Rahmen der Auktion „Tribal Art“ mehrere menschliche Überreste aus Afrika und Südamerika am 31. Oktober 2017 versteigern. In letzter Minute ist das Vorhaben auf öffentlichen Druck hin abgesagt worden. (Quelle: Dorotheum)

Dorotheum, dem nach eigenen Angaben größten Auktionshaus für Kunst und angewandte Kunst in Mitteleuropa und im deutschsprachigen Raum, wird Rassismus und die Verherrlichung des Kolonialismus vorgeworfen. Nach Erkenntnissen der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ erwägen mehrere natürliche Personen Strafanzeigen wegen der Störung der Totenruhe nach Paragraf 190 des österreichischen Strafgesetzbuches zu stellen. Ebenso sind einige diplomatische Vertretungen, darunter die Botschaft Nigerias in Österreich, auf die Auktion aufmerksam gemacht worden. Dort wolle man auf diplomatischem Wege Protest beim Außenministerium einlegen, heißt es.

© Dieser kopfförmige Kopfschmuck aus menschlichem Schädel – überzogen mit Haut und Menschenhaar – vom in Nigeria beheimateten Ekoi-Volk sollte für einen geschätzten Preis von 5.000 bis 7.000 Euro versteigert werden. (Quelle: Dorotheum)

Das seit 1707 bestehende Unternehmen wollte rund ein Dutzend „Objekte“ verkaufen. Der Handel mit menschlichen Überresten ist nach gängiger juristischer Auffassung nicht verboten, jedoch durchaus umstritten. Beispielsweise sollte ein kopfförmiger Kopfschmuck aus menschlichem Schädel – überzogen mit Haut und Menschenhaar – vom unter anderem in Nigeria beheimateten Ekoi-Volk für einen geschätzten Preis von 5.000 bis 7.000 Euro versteigert werden. Ein zeremonieller Schrumpfkopf (Tsantsa) aus Südamerika sollte sogar für einen Preis von 15.000 bis 18.000 Euro den Besitzer wechseln.

© Dieser zeremonielle Schrumpfkopf (Tsantsa) aus Südamerika sollte für einen geschätzten Kaufpreis von 15.000 bis 18.000 Euro den Besitzer wechseln. (Quelle: Dorotheum)

Über die Herkunft der Überreste ist nichts bekannt. Kritiker der Auktion behaupten, dass die zum Verkauf angebotenen Schädel in der Kolonialzeit von Europäern unrechtmäßig erbeutet worden seien. Belege für diese These konnten allerdings nicht vorgelegt werden. Das Social-Media-Team von Dorotheum wollte sich auf Anfrage der Redaktion mit Verweis auf die Zuständigkeit der Pressesprecherin zur Auktion „Tribal Art“ nicht äußern. Die Pressestelle war hingegen nicht zu erreichen. Das Unternehmen hat zudem noch keine offizielle Presseerklärung auf ihrer Webseite herausgegeben.

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