Kap-Kolumne: Kapitaler Bock

Das kann sich kein Filmskript-Schreiber besser ausdenken

(Autor: Detlev Reichel, Kap-Kolumnist des Südafrika-Portals)

Der südafrikanische Autor Jacques Pauw hat vor einigen Wochen ein Buch unter dem Titel „The President’s Keepers – Those keeping Zuma in power and out of prison“ veröffentlicht. Pauw ist ein bekannter investigativer Journalist, der bereits in den 1980er Jahren zusammen mit Max du Preez in der Wochenzeitung „Vrye Weekblad“ die schlimmsten Verbrechen des Apartheidregimes aufdeckte.

© Der südafrikanische Autor Jacques Pauw hat mit seinem Buch „The President’s Keepers – Those keeping Zuma in power and out of prison“ die Entscheidungsträger im Geheimdienst SSA nervös gemacht. Dieser droht nun vor Gericht zu ziehen. Unterdessen hat Pauw selbst Morddrohungen erhalten. (Quelle: Buchcover)

In seinem jüngsten Buch nimmt er die Sünden der Zuma-Administration aufs Korn, insbesondere Machenschaften des südafrikanischen Geheimdienstes State Security Agency (SSA), sowie angebliche Zuwendungen in Millionenhöhe an Präsident Jacob Zuma aus der halbseidenen Unterwelt, einschließlich Informationen über angebliche Steuerhinterziehung des Bürgers Jacob Zuma während der Anfangszeit seiner Präsidentschaft.

Es war von Beginn an klar, dass der Inhalt des Buches große Wellen schlagen wird. Zum Tsunami, aber, wurde es innerhalb von 24 Stunden dank der Reaktion von SSA. Der Geheimdienst schickte am Freitag (3.11.2017) einen Brief an den Verlag NB Publishers, in dem gefordert wird, Pauws Buch zurückzuziehen und bestimmte Stellen im Buch zu schwärzen. Die Publikation stand allerdings längst in den Regalen der Buchläden und war während der Woche in den Medien, insbesondere in den so genannten sozialen Medien, breit besprochen und diskutiert worden. Der Eingriff der Schlapphüte entwickelte sich, freilich ungewollt, zu einer massiven Marketingaktion für Pauws Publikation. In vielen Buchläden war das Buch innerhalb von Stunden ausverkauft, der Verlag muss nachdrucken, eine Raub’druck‘-pdf-Version kursiert im Internet.

Zuma-Administration hat wieder einen kapitalen Bock geschossen

Die Drohung der SSA vor Gericht zu ziehen, ist ziemlich zahnlos, denke ich. Zum Einen ist das Buch auf dem Markt. „The horse has bolted“, so der trockene Kommentar von Anton Harber, ein alter Haudegen in der südafrikanischen Presselandschaft. Zum Anderen müssten die Schlapphüte dann vor Gericht aussagen, warum bestimmte Informationen im Buch falsch seien. Mit ihrer spektakulären Aktion, jedenfalls, haben sie bereits quasi zugegeben, dass die Informationen im Buch stimmen müssen.

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