Kapstadt droht Katastrophe am 29.04.2018

Soziale Unruhen, wirtschaftliche Schäden und flächendeckender Einsatz von Militär befürchtet

(Autor: Ghassan Abid)

In der Stadtverwaltung Kapstadts herrscht zum Ende des Jahres eine wie noch nie zuvor bekannte Krisenstimmung. Nach einer Dringlichkeitssitzung beschlossen die Angestellten der Stadt, so heißt es gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste, das Level 6 des Wassermanagements zum Jahreswechsel einzuleiten. Übermäßige Wasserverbraucher werden mit hohen Geldstrafen bestraft. Das Autowaschen bleibt weiterhin verboten und Schwimmbäder dazu geschlossen. Ferner haben Bauern ihren Verbrauch noch stärker zu reduzieren. Denn nach aktuellen Berechnungen der Stadt soll am 29. April 2018 das Trinkwasser abgestellt werden.

© Kapstadt droht am 29. April 2018 die Katastrophe. Denn an diesem Tag soll den rund 4 Millionen Einwohnern, darunter 60.000 Deutsche, der Wasserhahn zugedreht werden. Die Wasserknappheit hat die Westkap-Region in eine ernste Krise gebracht. Notfallpläne sehen den Einsatz von Militär und Polizei vor. (Quelle: flickr/ Vince Smith)

Noch vor zwei Wochen lag die geplante Stilllegung der Wasserhähne beim 18. Mai 2018. Sollte der „Tag Null“ nun tatsächlich eintreffen, wenn die Stadt ihren Bewohnern den Wasserhahn zudreht, dann hätte dies verheerende Konsequenzen für die gesamte Metropole. Ohne laufendes Wasser dürfte es zu erheblichen sozialen Spannungen kommen. Militär und Polizei würden, so ausgearbeitete Notfallpläne der Behörden, die portionierte Wasservergabe in Flaschen an 200 Örtlichkeiten bewachen müssen. Ebenso würde dies die Wirtschaft, allen voran den Tourismus, die Gastronomie und das Gewerbe, empfindlich treffen. Insbesondere Hotels müssten schließen.

Ursache für diese drohende Katastrophe sind zum Einen die weitgehende Trockenheit in der Region seit mittlerweile 3 Jahren und zum Anderen der relativ hohe Wasserverbrauch der 4 Millionen Einwohner – darunter 60.000 deutsche Auswanderer. Ebenso hat die jährliche Ankunft von 5 Millionen Reisenden am Flughafen Kapstadt zur erhöhten Wassernutzung geführt. Doch auch Lecks an den Wasserleitungen tragen zur Misere bei. Kapstadts Bürgermeisterin Patricia de Lille von der Oppositionspartei Democratic Alliance ruft die Bevölkerung dringend dazu auf, den Wasserverbrauch erheblich einzuschränken und mit dieser Ressource sparsam umzugehen.

Bereits auf der 15. Biennial-Grundwasser-Konferenz in Stellenbosch vom Oktober 2017 warnten Vertreter der städtischen Wasserbetriebe, so heißt es gegenüber der Redaktion, dass der Verbrauch drastisch sinken müsse. Jedoch blieb der Appell weitgehend unbeachtet. Stattdessen wurde weiterhin äußerst großzügig Wasser verbraucht, ärgern sich die Stadtverantwortlichen. Demnach sei der Verbrauch von gegenwärtig 600 Millionen Litern pro Tag deutlich zu hoch. Es war letztendlich nur eine Frage der Zeit, um den „Tag Null“ konkret mit einem Datum beziffern zu können.

Schon im Jahr 2015 bat die Provinzregierung des Western Cape, welche ebenfalls von der Oppositionspartei Democratic Alliance regiert wird, um Unterstützung durch die vom ANC geführte Nationalregierung in Pretoria. Man wollte 35 Millionen Rand bekommen, um die Wasserversorgung somit erhöhen zu können. Leider vergeblich. Das Wasserministerium Südafrikas erklärte noch im Oktober 2017, dass es keine Krise am Westkap gebe und eine Finanzierung im Rahmen der Katastrophenhilfe nicht notwendig sei – ist aus der Stadtverwaltung Kapstadts zu hören. Bereits im Juli 2013 ermahnte die damalige Ministerin für Wasserangelegenheiten, Edna Molewa, die Bürger des Landes zu mehr Verantwortungsbewusstsein.

2 Antworten zu “Kapstadt droht Katastrophe am 29.04.2018

  1. Es steht außer Frage das es große Probleme mit der Wasserversorgung gibt durch die anhaltende Trockenheit. Was aber auch ein ganz wichtiger Fakt ist in punkto Wasserversorgung ist der schleichende Verfall der gesamten Infrastruktur der kompletten Frisch und Abwasserversorgung alles leckt und bröckelt dahin Pumpen, Rohrleitungen u.s.w. sind mehr als vernachlässigt wurden in den letzten 25 Jahren. Es gibt vage Schätzungen das generell fast 40 Prozent des Wasser in Südafrika durch Schlampigkeit aus Leitungen leckt und versickert. Und jetzt kommt alles zusammen Kein Regen und eine Stück für Stück verkommene Infrastruktur nicht nur beim Wasser.
    Um 1990 eine Wasser, Abwasser, Stromversorgung gleichzusetzen mit der Bundesrepublik West –
    Ich weiß nicht wer dafür heutzutage die Schuldigen sind – Geld für Infrastrukturprojekte müsste eigentlich vorhanden sein. Ernsthaft – das leidliche Problem massive Korruption ist das Hauptproblem in Südafrikas verfallener Infrastruktur. Allein Südafrika nimmt durch Rohstoffverkäufe vorallem an China astronomische Milliarden Summen ein.

  2. Ja, die Wassersituation am Kap ist dramatisch. Die Wasserreservoirs sind nahezu leer. Wegen des nun seit Jahren ausbleibenden Regens – Western Cape ist ein Winterregen-Biom – leiden nicht nur die Menschen, auch die Tiere müssen sich Wasser suchen. So gab es vor einigen Tagen für Kapstadt „Schlangenalarm“. Die sonst äußerst menschenscheuen Reptilien wagen sich zunehmend bis in die menschlichen Wohngebiete hinein, in der berechtigten Hoffnung, dort Wasser zu finden. Eine Schlange benötigt täglich ihre Wasserration. Die findet sie oftmals in den privaten Swimmingpools bzw. in bewässerten Gärten. Denn, alle Warnungen in den Wind schlagend, es füllen noch viel zu viele Haus-und Grundstücksbesitzer ihre Schwimmbäder mit dem kostbaren Nass. Ich kann mir vorstellen, dass auch Paviane und Meerkatzen verstärkt auf Wasser- und Nahrungssuche in Kapstadts Wohngebiete unterwegs sind.
    Man hört in den Nachrichten jetzt öfter die Rede von geplanten Meerwasserentsalzungsanlagen. Eine teure, weil sehr energieintensive Gewinnung von Trink- und Brauchwasser aus Meerwasser, von dem die Kaphalbinsel zur Genüge umgeben ist. Doch diese Pläne sind Zukunftsmusik, die in der akuten Wassernotlage nicht weiterhelfen. Da hätte man sich wohl früher drum bemühen müssen.
    Das restliche Land ist ebenfalls von der Trockenheit betroffen, wenn auch nicht ganz so prekär wie am Kap. Das bekommen insbesondere die Farmer zu spüren, deren Ernte weitaus geringer ausfällt.
    Die Hauptstadt Tshwane, wo wir wohnen, hat im vergangenen Winter mehrfach das Rasensprengen und das Auffüllen von Swimmingpools verboten. In meiner Wohngegend hatte ich aber nicht den Eindruck, dass sich die Hausbesitzer daran hielten. Doch nun regnet es wieder – Gauteng ist ein Sommerregen-Biom -, ob ausreichend, damit sich die Dämme wieder füllen, sei dahingestellt.

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