Mercedes testet autonomes Fahren in Südafrika

Fahrassistenzsysteme von erprobter S-Klasse-Limousine mit Fokus auf Kapstädter Fußgängererkennung

(2010sdafrika-Redaktion)

In welchem Land auf dem Globus kann das autonome bzw. automatisierte Fahren besser getestet werden als in Südafrika, dachte sich Mercedes-Benz. Denn der Straßenverkehr am Kap erweist sich zu Testzwecken als besonders geeignet. „Unterschiedliche Straßenbeläge, Wildtiere auf der Landstraße und viele Fußgänger, die oft völlig überraschend die Fahrbahn überqueren“, begründeten die Standortentscheidung des Stuttgarter Automobilkonzerns. Aus diesem Grund wurde unter dem Konzept „Intelligent World Drive“ ein Erprobungsfahrzeug aus der S-Klasse ans Kap der guten Hoffnung entsendet.

© Unter dem Konzept „Intelligent World Drive“ testet Mercedes-Benz mit einem Erprobungsfahrzeug der S‑Klasse automatisierte Fahrfunktionen auf fünf Kontinenten. Im Dezember 2017 schickte der Stuttgarter Automobilkonzern die Test-Limousine nach Südafrika, konkret in die Westkap-Provinz. (Quelle: Daimler)

Die automatisierten Testfahrten erfolgten im Dezember 2017 in der Provinz Western Cape und allen voran in der Metropole Kapstadt. Der Schwerpunkt wurde auf die Fußgängererkennung im dichten Straßenverkehr und auf den Landstraßen, das Erkennen von landesspezifischen Verkehrsschildern und die Erprobung des Beleuchtungssystems „Digital Light“ gelegt. Den Verantwortlichen von Mercedes-Benz war bewusst, dass die Unfallzahlen am Kap hoch sind. „Im Jahr 2016 starben 5.410 Fußgänger im Straßenverkehr. Das sind 38 Prozent aller Verkehrstoten.“, so der Konzern. Diese herausfordernde Ausgangslage diente schließlich dafür, die Sensorik von automatisierten bzw. autonomen Fahrzeugen zu optimieren, indem Kameras und Radarsysteme in Millisekunden die Passanten besser erkennen können.

Die eingesetzte Limousine sammele noch bis Januar 2018 umfassende Informationen in einer Vielzahl komplexer Verkehrssituationen auf fünf Kontinenten und lote dabei die Grenzen der aktuellen Systeme aus – mit Einsätzen in Deutschland, China, Australien, Südafrika und den USA. Erst nach der letzten Testfahrt in den USA erfolge die Bewertung der Leistungsfähigkeit der Fahrassistenzsysteme und damit verbunden die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens. Wann für den Kunden die Möglichkeit des intelligenten Fahrens besteht, lässt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht sagen. Neben Daimler gilt auch der US-amerikanische Konkurrent Tesla zu den führenden Pionieren des autonomen Fahrens. Doch auch Peugeot, Renault, Volkswagen, Rolls-Royce, Toyota und Audi haben entsprechende Systeme entwickelt.

Allerdings gilt das automatisierte Fahren vielen Kritikern als nicht sicher genug. Denn am 7. Mai 2016 kam es zu einem tödlichen Unfall eines autonomen Fahrzeugs vom Typ Tesla Model S im US-Bundestaat Florida, nachdem dieses in einen Lastwagen hinein steuerte. Ermittlungen der US-Behörde für Transportsicherheit NTSB ergaben, dass der Fahrer die Fahrassistenten ignoriert habe. Dennoch hat Tesla erhebliche Defizite bei den Assistenzsystemen feststellen müssen, da beim Unfall der weiße Lastwagen vor dem hell erleuchteten Himmel nicht als Hindernis wahrgenommen worden sei. Hätte die Elektronik den Lastwagen erkannt, so hätte das autonome Fahrzeug automatisch gestoppt und den Bremsvorgang rechtzeitig eingeleitet. Letztendlich habe der Fahrassistenz den Lastwagen mit einem Verkehrsschild verwechselt.

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