Südafrika übt scharfe Kritik an Australien

Canberra debattiert über tausende Flüchtlingsvisa für weiße Farmer und verschärft Kap-Reisehinweise

(2010sdafrika-Redaktion)

Die diplomatischen Beziehungen zwischen Pretoria und Canberra unterliegen einer starken Belastung, nachdem Australien unmittelbar nach der geplanten Umverteilung von Landbesitz das Verhältnis zu Südafrika neu bewertet hat. Denn die ANC-Regierung erwägt die entschädigungsfreie Enteignung von Farmern, also die Umverteilung von Agrarflächen weißer Grundbesitzer zugunsten der schwarzen Bevölkerung. Australien hingegen bezieht Stellung für die Weißen und erzürnt somit die Verantwortlichen in Südafrika.

© Australiens Innenminister Peter Dutton zählt den zu größten Kritikern weltweit, wenn es um die geplante Landreform in Südafrika geht. Er plädiert dafür, dass die weißen Farmer Südafrikas aus humanitären Gründen den Schutz eines „zivilisierten Landes“ erhalten sollten. Ferner wurden die Reisehinweise verschärft. (Quelle: Facebook/ Peter Dutton)

Im März 2018 hielt Australiens Innenminister Peter Dutton fest, dass die weißen Farmer Südafrikas aus humanitären Gründen den Schutz eines „zivilisierten Landes“ verdienten. Daher werde das Innenministerium prüfen, inwieweit die Möglichkeit bestehe, für genau diese Bevölkerungsgruppe ein Flüchtlingsvisa auszustellen, damit diese Zuflucht finden könnten. Sein Ressort werbe schließlich bei der Regierung dafür, eine Einreisemöglichkeit für weiße Südafrikaner zu ermöglichen. Rasch folgte aus Pretoria eine Verurteilung. Premierminister Malcolm Turnbull bekräftigte, dass die Position seines Innenministers nicht die der gesamten Regierung widerspiegele. Seinen Standpunkt wolle er jedoch weder verurteilen noch unterstützen.

Im Anschluss forderten mehrere Parlamentsabgeordnete die Ausstellung von tausenden Visa für weiße Südafrikaner. Innenminister Peter Dutton und der ehemalige australische Premierminister Tony Abbott befürworteten eine entsprechende Visa-Erteilung, sodass eine diesbezügliche Regelung durch das Außenministerium zu prüfen sei. Die Kritik, wonach Australien eine rassistische Einwanderungspolitik verfolge, wurde umgehend zurückgewiesen. Julie Bishop, amtierende Außenministerin und stellvertretende Premierministerin, führte die Aufnahme von 10.000 Syrern im vergangenen Jahr an. Deshalb sei das humanitäre Flüchtlingsprogramm Australiens diskriminierungsfrei, so die konservative Politikerin hinsichtlich der Kritik der Opposition.

Daraufhin bestätigte das Innenministerium Australiens im April die Ablehnungen von zwei durch weiße Südafrikaner gestellte Asylanträge aus dem Jahr 2015. Es gäbe Beweise, dass „die überwiegende Mehrheit der Verbrechen gegen Weiße nicht rassistisch motiviert ist“. Eine begründete Furcht vor Verfolgung im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention sei auch im Jahr 2018 nicht existent, so das Ministerium. Daraufhin gingen Demonstranten in Australien auf die Straße, um auf „Farmermorde“ in Südafrika aufmerksam zu machen und Minister Dutton an seine Zusagen zu erinnern. Schließlich verschärfte Canberra noch im April die Reisehinweise für Südafrika. Touristen könnten in Südafrika Mord, Vergewaltigung, Entführungen, Unruhen, Wasserknappheit, betrunkene Fahrer und Terrorismus begegnen.

Letztendlich sei „ein hohes Maß an Vorsicht“ geboten. Daraufhin folgte prompt eine Reaktion des Außenministeriums in Pretoria, das die Reisehinweise scharf kritisierte und davor warnte, dass Touristen aus aller Welt abgeschreckt werden könnten, ihren Urlaub am Kap zu verbringen. In Pretoria ist nun die Rede von einer bewussten Eskalation der bilateralen Beziehungen. Außenministerin Lindiwe Sisulu erwiderte, dass Südafrika eines der beliebtesten Reiseziele der Welt bleibe und Touristen in den meisten Fällen angenehme Erfahrungen im Land sammeln würden.

Unterdessen fordert der außenpolitische Sprecher der AfD-Fraktion im Deutschen Bundestag, Petr Bystron, die Aufnahme von „10.000 Apartheidsflüchtlingen aus Südafrika“ durch Deutschland. In einem Artikel für das renommierte Debatten-Magazin „The European“ hält er fest, dass viele Weiße in die Region Kapstadt ziehen würden, wo sie sich mehr Sicherheit erhoffen. Südafrika erlebe eine Welle der Gewalt gegen weiße Farmer, sodass die Weißen einen Völkermord befürchten würden. Handfeste Sachbeweise für diese in sozialen Medien kursierende These lieferte der Abgeordnete dagegen nicht.

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7 Antworten zu “Südafrika übt scharfe Kritik an Australien

  1. Ich bedauere sagen zu müssen, dass der südafrikanische Staat schon lange gegen die Kontrolle über Gewalt in den Townships und auf den Farmen, ja sogar in Kapstadt (Anforderung des Militärs zum Schutz der Zivilbevölkerung) verloren hat. Geht man auf youtube Black Monday etc.
    wird einem das Ausmaß erschreckend bewußt. Warum hier seitens der Weltpolitik nicht klarer geantwortet wird, ist mir unverständlich. Das sich Australien, wenn auch aus Eigennutz, dazu jetzt äußert ist aus meiner Sicht
    richtig und hat mit Rassismus nichts zu tun. Mord ist nicht tolerierbar.
    Wie kann man helfen? Meine Unterstützung für Projekte in Südafrika bleiben, jedoch werden ich von einem Urlaub in einem Land so voller Leid
    auf weiterhin absehen.

    • Kann voll mit ihnen übereinstimmen. War bereits mehrere Male in Südafrika und leider ruiniert der anc dieses schöne Land. Trotzdem finde ich es schade falls sie noch nicht in Südafrika waren sie deshalb in der Tat weiter von einem Besuch mal absehen. Natürlich steht das jedem frei zu. Sage nur wie ich es sehe denn zu grosser Wahrscheinlichkeit entgeht einem ein Urlaub mit einer wunderbaren und positiven Erfahrung. Ich will wirklich nichts verharmlosen denn auch ich habe bei meinen fünf Südafrika Aufenthalten erfahren dass Südafrika nicht Deutschland ist . Die Kriminalitätsrate ist unvergleichbar. Dennoch kommt es aber zum grossteil auch auf das Viertel an wo man ist . Die weitaus meisten Besucher erleiden trotzdessen auch keine gravierende Erfahrung mit Kriminalität. Es stimmt dass die Erwähnung der farmmorde nichts mit Rassismus zu tun hat und es ist gut dass darauf hingewiesen wird. Jedoch stellt die australische Regierung es auch wie die Medien schon wieder fast so dar als wäre es eine wahrscheinlichkeit dass Touristen Opfer eines Verbrechens werden würden. Was auch wieder wie gesagt überhaupt nicht stimmt . 98 Prozent der Touristen kommen mit Verbrechen nicht in Verbindung. Dass man allerdings viel mehr Sicherheitsregeln als in Deutschland beachten muss ist auch zweifellos. Ich habe mich bei meinen fünf Aufenthalten in Südafrika in das Land, Leute und Natur verliebt . Die meisten Touristen kommen mit diesen Erfahrungen und Eindrücken zurück . Fände es darum wirklich schade wenn Touristen aufgrund der Medienberichte in Zukunft auf einen Urlaub in diesem Land verzichten würden. Denn die erwähnten Erfahrungen sind einmalig. Allerdings müssen die Probleme in der Tat behoben werden . Falls sich die Situation weiterhin verschlechtert kann man ja noch auf benachbarte andere Länder wie botswana etc ausweichen.

      • Ich stimme mit den geschilderten Eindrücken über Südafrika als Urlaubsland überein. Etwas anders stellt sich die Situation dar für Weiße, die hier leben, egal welcher Abstammung. Apartheid ist nun reversed. Deshalb ist auch Ihr Kommentar über die Farmmorde so nicht ganz richtig. Sie schreiben: „… Es stimmt dass die Erwähnung der farmmorde nichts mit Rassismus zu tun hat und es ist gut dass darauf hingewiesen wird…“ Die Farmmorde haben definitiv einen rassistischen Hintergrund, Die Aufnahme der weißen Farmer in Australien aber hingegen nicht, da auch Syrer Asylum erhalten.

  2. Pingback: Spannungen zwischen USA und Südafrika | SÜDAFRIKA - Land der Kontraste

  3. Kann mich voll und ganz dem Kommentar vom 5.Mai 2018 anschließen – schon alleine durch die Bevölkerungsexplosion der Schwarzen Mehrheit selbst in Südafrika wird das böse enden für die weiße Minderheit in Südafrika – zudem kommt die apokalyptische Masseneinwanderung aus allen afrikanischen Ländern nach Südafrika – die zurückliegenden Jahre kann man auch nicht gerade rosig benennen für die Weißen in Südafrika – siehe Farmmorde oder white squatter camps , Das sind mehr als deutliche Hinweise wohin die Reise zumindest für die weiße Minderheit geht !!!

  4. Wenn Sie sich einen Eindruck verschaffen wollen, dann fahren Sie mal mit offenen Augen durch das Land. Das ganze Land lebt hinter Stacheldraht und Eletrozäunen und wer es sich leisten kann, engagiert einen „armed response“. Der Unterschied zwischen arm und reich ist so gravierend, dass ich sehr pessimistisch bin, wie es in diesem Land weitergehen soll.

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