ARD begeht Tabubruch bei Südafrika

Leiter des ARD-Studios Johannesburg thematisiert sogenannte Farmermorde

(2010sdafrika-Redaktion)

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk hatte sich bislang stets damit schwer getan, die sogenannten Farmermorde, wonach weiße Landwirte in Südafrika gezielt durch Schwarze getötet werden würden, zu thematisieren. Tatsächlich gibt es keine empirischen Erhebungen, die diese bei Rechtspopulisten beliebte These bestätigen würden. Vielmehr erfasst die immense Kriminalität im Land sämtliche Bevölkerungsgruppen – ob reich oder arm, schwarz oder weiß. Nun begeht die ARD in gewisser Weise einen Tabubruch und stellt die weiße Minderheit in den Mittelpunkt einer Opferdebatte.

© Die ARD thematisiert seit der Verkündung der geplanten Landreform durch die Regierung Südafrikas wiederholt die Ängste der weißen Farmer am Kap. Die Redaktion von „Weltspiegel“ begeht in gewisser Weise einen Tabubruch und stellt die weiße Minderheit in den Mittelpunkt einer Opferdebatte. (Quelle: flickr/ Andy Scheidle)

Seitdem Thomas Denzel im Jahr 2016 zum Leiter des ARD-Studios Johannesburg und Korrespondenten für das Südliche Afrika ernannt wurde, hat sich die Berichterstattung zum Kapland dahingehend verändert, indem neuerdings die Situation der weißen Farmer aufgegriffen wird. Wurden in der Vergangenheit Sachverhalte wie Wasserknappheit, staatliche Korruption und Wilderei thematisiert, so geht es aktuell hauptsächlich um die Ängste der Weißen. Verwunderlich ist, dass seit der Bekanntgabe der entschädigungslosen Enteignung von weißen Farmern durch die Regierung unter Staatspräsident Cyril Ramaphosa eine Themenverschiebung erkennbar ist.

Warum der studierte Chemiker, der einst auch in Washington D.C. als stellvertretender Korrespondent für die ARD tätig war, genau diese Neufokussierung gewählt hat, lässt sich nicht beantworten. Unstrittig ist hingegen, dass die ARD einen Tabubruch bei Südafrika begeht, indem die weiße Minderheit in eine für sie ohnmächtige Situation platziert wird.

So geschehen im Weltspiegel-Beitrag „Die Ängste der weißen Farmer“ vom 8. April 2018, wo in der Anmoderation auch die Rede von einer nicht näher definierten „Rache“ ist. Dunkelhäutige Männer ermordeten weiße Farmer, heißt es, obgleich es keine Belege für die Farmermorde gäbe – wird festgehalten. Dennoch zielt der verantwortliche Redakteur Denzel ausschließlich auf die Gewalt gegen Weiße ab, welche „kein Einzelfall“ sei, sodass eine Verzerrung der Realität zur tatsächlichen Sicherheitslage nicht ausgeschlossen ist und der Zuschauer somit eine Meinung vorgegeben bekommen könnte.

Diese Berichterstattung setzt sich auch bei der Weltspiegel-Sendung vom 8. Mai 2018 fort, wo sich die ARD in einem knapp 30-minütigen Weltspiegel-Spezial mit der „Zeitwende am Kap“ befasst. „Noch nie seit dem Ende der Apartheid waren die Spannungen zwischen Schwarz und Weiß so groß wie heute“, heißt es. Die Aussagen des umstrittenen EFF-Führers Julius Malema, eines Oppositionspolitikers, werden hierfür herangezogen. Erneut geht es schließlich um die Angst der weißen Farmer, von den Schwarzen getötet zu werden.

Denzel hebt zwar hevor, dass es keine Erhebungen gäbe, die auf rassistische Angriffe gegen Weiße eindeutig hindeuten würden. Jedoch unterlässt er es, die Gewalt gegen Schwarze gleichermaßen zu thematisieren. Ebenso beschränkt er sich bei der politischen Radikalisierung ausschließlich auf den Oppositionspolitiker Malema, ohne die Position der ANC-Regierung und des Präsidenten Ramaphosa in punkto Landreform näher zu beleuchten, sodass erneut eine Verzerrung der Realität billigend in Kauf genommen wird. Insofern haben die jüngsten Südafrika-TV-Beitrage der ARD einen faden Beigeschmack.

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2 Antworten zu “ARD begeht Tabubruch bei Südafrika

  1. Juergen Gerstner

    Tabubruch? es wird viel zu wenig über die Situation in Südafrika berichtet. auch wenn Sie versuchen die Angriffe auf weiße Farmer zu verallgemeinern und herunterzuspielen ist es doch eine brutale Realität.
    Zu Apartheitszeiten hätten solche Angriffe auf schwarze eine Weltweite Protestwelle nach sich gezogen. Leider passiert das in der heutigen Situaton nicht, man schaut einfach weg.

  2. André Häberli

    Die ANC unter Zuma hat auch den Investitionsschutz von ausländischen Investoren aufgekündigt und der ANC versteht nicht, warum sich Investoren zurückhalten.Dies hatte Mandela erfolgreich eingeführt. Auch diverse Steuererhöhungen fördern den Fortschritt nicht unbedingt.

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