Schmiergelder für Staatsaufträge

Ernste Korruptionsvorwürfe gegen deutsche IT-Konzerne in Südafrika: SAP SE und Software AG

(Autor: Ghassan Abid)

Südafrika gilt für deutsche Unternehmen weiterhin als zentrales Sprungbrett in den afrikanischen Markt. Rund 600 deutsche Firmen sind vor Ort aktiv und beschäftigen über 90.000 Mitarbeiter. Im Jahr 2015 entfielen rund 81 Prozent der deutschen Bestandsinvestitionen in Subsahara-Afrika – konkret 6,5 Milliarden Euro – auf die Kaprepublik. Der Ruf der „Germans“ gilt als exzellent. Allerdings schaden zwei IT-Konzerne dem Image der deutschen Wirtschaft.

© Die beiden deutsche IT-Konzerne SAP SE und Software AG müssen sich in Südafrika wegen Korruptionsvorwürfen verantworten. In beiden Fällen geht es um umfangreiche Schmiergeldzahlungen an dubiose Firmen mit politischem Einfluss, um Staatsaufträge an Land zu ziehen. Die beiden Fälle schaden dem Image der deutschen Wirtschaft im südlichen Afrika. (Quelle: SAP AG / Reto Klar)

Gegen den deutschen Softwarekonzern SAP mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf wird seit Monaten in den USA wegen Korruptionsvorwürfen ermittelt. Es geht um Hinweise auf Fehlverhalten mehrerer SAP-Manager in Südafrika, gegen die im Sommer 2017 disziplinarische Maßnahmen eingeleitet wurden. Der Hersteller der gleichnamigen Unternehmenssoftware soll wissentlich Millionen an Euro an Schmiergeldern an zwei politisch miteinander vernetzte Firmen gezahlt haben, die dem zwielichtigen Gupta-Clan zugeordnet werden.

Die drei aus Indien stammenden Gupta-Brüder, enge Freunde des damaligen Staatspräsidenten Jacob Zuma, sollen Einfluss auf die Regierungsgeschäfte ausgeübt und den Zuschlag für lukrative Staatsaufträge unter äußerst dubiosen Umständen erhalten haben. Ebenso ermitteln die Behörden in Südafrika mittlerweile gegen SAP. Verträge mit der staatlichen Eisenbahngesellschaft Transnet und mit dem Energieversorger Eskom stehen auf dem Prüfstand. Hinzu kommt eine Untersuchung eines 38-Millionen-Euro-Vertrags mit dem Wasserministerium Südafrikas.

© Die SAP SE mit Sitz im baden-württembergischen Walldorf ist ein namhafter Softwarehersteller mit einem Umsatz von 23,5 Milliarden Euro und rund 94.000 Mitarbeitern in 130 Ländern. Der Konzern zählt nach eigenen Angaben im Bereich Unternehmensanwendungen weltweit als umsatzstärkster Anbieter von Software. (Quelle: SAP AG / Stephan Daub)

Staatspräsident Cyril Ramaphosa gab selbst jüngst die Untersuchung des Vertrags mit dem Wasserministerium frei. Es gehe um den Vorwurf der rechtswidrigen Verwendung öffentlicher Gelder, um an IT-Dienstleistungen von SAP zu gelangen. Die Firma habe nicht „fair, kosteneffizient und transparent“ gearbeitet – lautet der Vorwurf. Die Walldorfer haben bereits ihr Fehlverhalten in Südafrika eingestanden und die Compliance-Richtlinien verschärft. Provisionszahlungen bei öffentlichen Aufträgen in Ländern mit hohem Korruptionsrisiko wie in Südafrika werden nicht mehr gezahlt. Zudem wurde das Management in Südafrika ausgetauscht.

Schließlich teilte SAP am 8. März 2018 in einer Pressemitteilung zum Abschluss der Untersuchung zu den südafrikanischen Staatsunternehmen Transnet und Eskom mit: „Die Ergebnisse bestätigen Zahlungen an Firmen mit Beziehungen zur Gupta-Familie, Hinweise für Fehlverhalten mit Guptafirmen und Unregelmäßigkeiten bei der Einhaltung von Compliance-Prozessen. Es fanden sich aber keine Beweise für Zahlungen oder versuchte Zahlungen an südafrikanische Regierungsbeamte oder Mitarbeiter von südafrikanischen Staatsunternehmens, die im Zusammenhang mit Transnet- und Eskom-Transaktionen stehen.

© Die in Darmstadt ansässige Software AG unterstützt nach eigenen Angaben die digitale Transformation von Unternehmen. Sie beschäftigt über 4.500 Mitarbeiter, ist in 70 Ländern aktiv und erzielte 2017 einen Umsatz von 879 Millionen Euro. (Quelle: Software AG)

Ebenso soll die im hessischen Darmstadt ansässige Software AG in Südafrika im Zusammenhang mit Korruptionsvorwürfen aufgefallen sein. Das Softwarehaus teilte im Sommer vergangenen Jahres mit, interne Untersuchungen eingeleitet zu haben, nachdem in den Medien berichtet wurde, dass der deutsche Konzern Schmiergelder in Form von sogenannten Vertriebsprovisionen an einer Firma aus dem Umfeld der einflussreichen Gupta-Familie gezahlt haben soll. Die Software AG habe auf diese Weise einen Auftrag bei Transnet an Land ziehen wollen. Das Ergebnis der Untersuchung steht noch aus.

Die beiden IT-Riesen SAP SE und Software AG stehen seit Bekanntwerden der Korruptionsvorwürfe unter öffentlichem Beschuss. Beide deutsche Firmen kämpfen um ihre Glaubwürdigkeit. Doch auch andere internationale Konzerne – wie Liebherr aus der Schweiz, Steinhoff sowie KPMG aus den Niederlanden und McKinsey aus den USA – befinden sich wegen diversen Korruptionsvorwürfen in Erklärungsnot. Hierbei taucht die Gupta-Familie in den Anti-Korruptionsermittlungen wiederholt als Schmiergeldempfänger auf.

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