Musical „Carmen La Cubana“

Klassisches Opernstück trifft auf kubanische Revolution. Ausverkauf im Berliner Admiralspalast

(Autor: Ghassan Abid)

Die in Mannheim ansässige Eventagentur „BB Promotion“ hat sich in den letzten Jahren auf die Organisation von afro-kubanischen Shows spezialisiert. Allen voran mit „Soy de Cuba“, „The Bar at Buena Vista“ und „Ballet Revolución“ gelang es „BB Promotion“ ein Hauch von afro-lateinamerikanischer Kultur nach Europa zu bringen. Das Publikum zeigte sich stets begeistert. Mit dem neuen Musical „Carmen La Cubana“ wird versucht, an diese Tradition anzuknüpfen. Hierbei kooperiert die Agentur mit dem Pariser Théâtre du Châtelet.

© Die Kuba-Show „Carmen La Cubana“ findet zurzeit im Berliner Admiralspalast statt. Die ursprüngliche Oper „Carmen“ von Georges Bizet hat eine Neuinterpretation erfahren, die die kubanische Revolution in den Mittelpunkt der Aufführung rückt. (Quelle: BB Promotion/ Johan Persson)

Bei „Carmen La Cubana“ erfährt die Oper „Carmen“ von Georges Bizet eine Neuinterpretation. Liedtexte von Oscar Hammerstein II und die von Henri Meilhac sowie Ludovic Halévy verfasste Geschichte bleiben in der Neuauflage zwar erhalten, jedoch wird die Show erstmals mit einer kubanischen Besetzung präsentiert. Hinzu verschieben sich Ort und Zeit der Handlung, von Spanien aus dem 19. Jahrhundert nun ins Kuba der 1950er Jahren, wo die Rebellen von Fidel Castro kurz vor dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista stehen.

Die Thematisierung der kubanischen Revolution, die Beeinflussung des Stücks durch lateinamerikanische Musikelemente und die Aufnahme karibischer Tanzstile verändern „Carmen“ auf eine Weise, die Neugierde beim Zuschauer wecken dürfte. Mit der Aufführung von „Carmen La Cubana“ im Théâtre du Châtelet in Paris konnte der Produzent Jean-Luc Choplin einen Erfolg erzielen. In Deutschland wird die Show rund zwei Jahre später unverändert fortgesetzt. Dabei wurden bei der am 4. Oktober 2018 aufgeführten Premiere von „Carmen La Cubana“ im Berliner Admiralspalast auf Anhieb zwei Umstände ersichtlich.

© Die in Mannheim ansässige Eventagentur „BB Promotion“ hat sich auf afro-kubanische Shows spezialisiert. Mit „Soy de Cuba“, „The Bar at Buena Vista“ und „Ballet Revolución“ wurde kubanisches Flair nach Deutschland gebracht. (Quelle: BB Promotion/ Nilz Böhme)

Zum Einen war das Theater im Herzen Berlins bis auf den letzten Sitzplatz ausgebucht. Sowohl junge als auch ältere Zuschauer reihten sich in den Gängen des Gebäudes ein, um sich die neueste Faszination mit Sängern und Tänzern aus dem fernen Kuba nicht entgehen zu lassen. Dies verwundert, wenn man bedenkt, dass klassische Opern nicht unbedingt im Interesse junger Menschen stehen. Zum Anderen konnten einige bekannte Gesichter gesichtet werden, die bereits bei vorangegangenen Shows in Erscheinung traten.

Die kubanische Folklore-Tänzerin Yeleny Aguirre Camacho trat genauso wie Jennifer Aput Guerra bereits bei „Ballet Revolución“ auf, während Onelbis Torres Pérez und Yusleivy Vega Ruiz bei „Soy de Cuba“ auf der Bühne standen. Ebenso konnten bei den Musikern erneute Einsätze registriert werden, wie z.B. beim Trompeter Thommy García Rojas, der bei der diesjährigen Performance von „Ballet Revolución“ auftrat. Es ist hervorzuheben, dass auch Neulingen die Chance eröffnet wurde, bei der Deutschlandtournee mitzuwirken.

© Bei der Premiere der neuesten Kuba-Show aus dem Hause „BB Promotion“ im Berliner Admiralspalast konnte festgestellt werden, dass das Interesse des Publikums groß war. Der Saal war bis auf den letzten Sitzplatz ausgebucht. Jung und Alt wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen.

Der Trompeter Lazaro Amauri Oviedo Dilout, der zur Orginalbesetzung von „Carmen La Cubana“ zählt, trat bereits in den USA, in Südafrika und Europa auf diversen Konzerten auf. Insofern macht der Mix aus alten und neuen Talenten die Stärke des zusammengestellten Teams aus, was im Admiralspalast unstrittig zu beobachten war. Choreografische Fehler oder musikalische Schieflagen traten nicht ein. Der Auftritt war gewiss erstklassig und entsprach höchsten künstlerischen Anforderungen – Chapeau!

Zu bemängeln ist die technische Umsetzung des Bühnenprogramms. Die aus acht Szenen bestehende Abfolge von „Carmen la Cubana“ wird in spanischer Sprache vorgetragen. Zwei an der Seite der Bühne eingerichtete Projektionen, die die mündliche Darbietung für das Publikum ins Deutsche übersetzten, waren nicht optimal angebracht, sodass der einzelne Zuschauer sich entscheiden musste, ob er das Gesagte verstehen will und dafür in Kauf nimmt, die Bühnendarbietung zu verpassen oder stattdessen die Bühnendarsteller verfolgte und mangels Spanisch-Kenntnissen nichts zu verstehen vermag.

© Mehrere Tänzer und Musiker von „Carmen La Cubana“ traten bereits bei vorangegangenen afro-kubanischen Musicals auf. Diese haben größtenteils erstklassige Ausbildungen in Havanna und internationale Tournee-Erfahrungen hinter sich. (Quelle: BB Promotion/ Nilz Böhme)

Eine Platzierung der Übersetzungsprojektion ober- oder unterhalb der Bühne wäre durchaus geboten gewesen. Genauso kann „Carmen la Cubana“ als Opernstück nicht an das Temperament von „Soy de Cuba“ und „Ballet Revolución“ anknüpfen. Die neue Show kann es schon deshalb nicht, da klassische Rhythmen Kubas wie der Mambo, Salsa und Reggaeton wenig Berücksichtigung in „Carmen La Cubana“ finden. Genauso haben Streetdance und englische Songs keinen Platz in der Show, sodass ein direkter Vergleich der Musicals kaum möglich und womöglich nicht angebracht ist.

„Carmen La Cubana“ ist auf jeden Fall ein Genuss für jeden alternativen Opern-Liebhaber. Die Verlegung Carmens von Spanien nach Kuba funktioniert tatsächlich, wie es die Leipziger Volkszeitung bereits mal zutreffend zusammengefasst hat. Bis zum 14. Oktober ist das Musical im Berliner Admiralspalast zu sehen. Danach folgen weitere Auftritte in München und Zürich.

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