GTAI-Analysepapier zu Südafrika

Außenwirtschaftsexperten ignorieren wichtige Fakten bei der Bewertung des Investitionsstandorts

(2010sdafrika-Redaktion)

Germany Trade & Invest (GTAI), die Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland für Außenwirtschaft und Standortmarketing mit Hauptsitz in Berlin, veröffentlichte am 23. November 2018 ein Analysepapier zum Investitionsstandort Südafrika nach dem Politikwechsel. Der Analyst Fausi Najjar hält im Papier fest, dass Erfolge bei der Mobilisierung in- und ausländischer Investitionen gemacht werden konnten, jedoch Herausforderungen nach wie vor bestehen bleiben. Beim näheren Betrachten der Analyse kommen erhebliche Zweifel auf.

© GTAI veröffentlichte im November 2018 ein Analysepapier zu Südafrika. Hierbei ignorieren die Außenwirtschaftsexperten wichtige Fakten bei der Bewertung des Investitionsstandorts. Die Präsidentschaft von Cyril Ramaphosa, der erst seit Februar 2018 im Amt ist, wird bereits als ´Erfolg´ bezeichnet. (Quelle: flickr/ Paul Saad)

Der Multimillionär Cyril Ramaphosa, der seit dem 15. Februar 2018 das Amt des Staatspräsidenten innehat und seinen unter mehrfachem Korruptionsverdacht stehenden Vorgänger Jacob Zuma ablöste, versprach wiederholt den Investitionsstandort Südafrika stärken zu wollen. Weniger Bürokratie, eine stärkere Korruptionsbekämpfung und weniger Arbeitslosigkeit, wolle der ANC-Parteivorsitzende realisieren, war bei diversen Interviewterminien zu hören. Über die konkrete Umsetzung seiner Vorhaben gab es hingegen keine Angaben.

Dennoch hält GTAI im besagten Papier fest, dass Ramaphosa mit Erfolg für Investitionen werbe. Im Oktober 2018 warb das Staatsoberhaupt am Rande des der Initiative „Compact with Africa“ in Berlin für Kapital aus Deutschland. Die Durchführung von Investorenkonferenzen im Oktober und November 2018 in Johannesburg, die „Reisetätigkeit“ der Investitionsbeauftragten (Investment Envoys) des Präsidenten, das Aufsetzen eines Konjunkturprogramms und die Planung eines Beschäftigungsgipfels sorgen dafür, dass das Vertrauen der Wirtschaft in den Markt Südafrikas gestärkt werde – so GTAI.

Vor allem der Investitionsgipfel vom 25. bis 27. Oktober 2018 in Johannesburg kann als Erfolg gewertet werden. Die dort verkündeten Investitionszusagen (Pledges) summieren sich auf 290 Milliarden Rand, das entspricht circa 20 Milliarden US-Dollar (US-Dollar). Damit kommt Ramaphosa seinem gesteckten Ziel, in den kommenden fünf Jahren 100 Milliarden US-Dollar zu mobilisieren, einen wichtigen Schritt näher.“, untermauert der Analyst.

Gleichzeitig wird eingestanden, dass nicht alle Investitionspläne neu waren, sondern vielmehr als neue Investitionen öffentlichkeitswirksam verkauft worden seien. Ferner bedeuten Ankündigungen per se nicht, dass diese tatsächlich umgesetzt werden würden, zumal die Benennung von konkreten Zeitfenstern wiederholt ausgeblieben sei. Dennoch „kann die Politik der Investoreneinwerbung Ramaphosas als Erfolg gewertet werden. Lange Zeit war in Bezug auf Südafrika von einem Investitionsstreik die Rede; offenbar ist dieser mittlerweile überwunden.“, so GTAI in der Schlussfolgerung.

Die immense Belastung der Konsumenten durch die Inflation und die gleichzeitige Senkung der Kaufkraft, das Abrutschen Südafrikas in die Rezession, die schlechte Bewertung des Landes durch einschlägige Ratingagenturen, die deutliche Verunsicherung internationaler Investoren infolge der geplanten entschädigungsfreien Enteignung von Grundbesitz weißer Farmer durch den Staat, die handelspolitischen Spannungen mit den USA und Australien, bleiben allesamt unerwähnt oder werden kaum ausreichend gewürdigt.

Ebenso wird das Aussetzen von millionenschweren Investitionsplänen durch die Privatwirtschaft, das sich aus der unzureichenden Stromversorgung und den wiederholten Streiks ergibt, schlichtweg ignoriert. Umgekehrt hat auch die ANC-Regierung in Pretoria milliardenschwere Investitionsprojekte ohne Angabe von Gründen auf Eis gelegt. Kurzum – das Analysepapier von GTAI ist unzureichend, keineswegs empirisch untermauert und womöglich realititätsverzerrend. Vielmehr vermischt der GTAI-Analyst die eigene Meinung zum Investitionsstandort Südafrika mit der vermeintlichen Faktenlage. Darüber hinaus widerlegt er sich selbst, indem die eigenen Argumente bezweifelt werden.

Deutsche Unternehmer am Kap, mit denen die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ im engen Austausch steht, bestätigen auf Nachfrage die „ausbaufähige Expertise von GTAI“. In einem Statement vom Juni 2013 erklärte Dr. Jürgen Friedrich, Geschäftsführer von GTAI, entgegen der negativen Berichterstatttung: „Südafrika gehört zu den sehr vielversprechenden sogenannten Schwellenländern. Die Infrastruktur ist insgesamt sehr gut, die Wirtschaft hochentwickelt, von Südafrika aus kann man einen Markt von mehr als 200 Millionen Menschen erreichen.“ Diese Position scheint rund fünf Jahre später fortzubestehen – trotz der unübersehbaren Fehlentwicklungen.

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Eine Antwort zu “GTAI-Analysepapier zu Südafrika

  1. Darüber, ob nun der Investitionsstreik beendet ist oder nicht lässt sich natürlich streiten. Genau deswegen habe ich (ja, ich bin Autor des GTAI-Textes) in diesem Zusammenhang den Konjunktiv verwendet. Übrigens überlasse ich gerne dem Leser, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Unstrittig dürfte aber zum einen sein, dass sich das Investitionsklima gegenüber der Präsidentschaft Zumas verbessert hat. Dass Investitionskonferenzen immer ein Stück wage bleiben, weiß jeder, der sich mehrere dieser Art „angetan“ hat. Deswegen ist deren Einschätzung immer ein stückweit Interpretationssache. Nichts anders ist dem Leser vermittelt worden. Und: genau, um diese Unsicherheit zu beschreiben, zitiert mich ja auch der Autor; um dann aber wiederum – etwas überspannt, diese gewisse Schwebe zum Widerspruch erheben. Dem Publikum kanner dann den GTAI-Beitrag als „Südafrika-Jubeltext“ präsentieren, was er schlichtweg nicht ist.

    Worum geht es dann? Darum, dass die schwerwiegenden Probleme nicht berücksichtigt würden? Probleme werden ja in den folgenden Abschnitten und in der Einleitung des GTAI-Beitrags durchaus angeführt; und vom Autor selbst herausgegriffen. Anderswo schreibe ich über die hohe Ungleichheit als Wachstumsbremse und verschiedene Krisentendenzen. Unsere SWOT-Analyse erwähnt durchaus gravierende Mängel .

    Dass man in einem Artikel nicht über alles schreiben kann oder muss, scheint der Autor auch zu wissen. Deswegen wird wohl auch mein Bericht schnell zu einem Paper zum Investitionsstandort Südafrika umgemünzt. Nein: nix da! Der GTAI-Bericht handelt von den verschiedenen Investitionskonferenzen und stellt sie einen breiteren (nicht allumfassenden) Kontext. Der Autor ringt sich eine positive Wertung ab. Das war´s!

    Mit dem Verfahren, den Beitrag in ein Papier (fast schon Studie) umzudichten und auf der Basis des nur oberflächlich gelesenen Berichts, kann sich der Autor natürlich besser über die GTAI-Berichterstattung echauffieren und: alten Zitaten nachhängen. Erst gar nicht sollte er sich dann mit neueren GTAI-Artikeln auseinander setzen, weil diese liebgewonnene Urteile erst recht widerlegen würden. Gewonnen ist jedenfalls damit gar nichts! Es sei denn der Zweck der Übung liegt schlichtweg darin, Wettbewerber schlecht zu reden oder alten Überzeugungen nachzuhängen etc.. Aber so weit will ich ja gar nicht gehen. Gerne suche ich das Gespräch, ich muss aber die Annahme/Ablehnung meines Angebots als Lackmustest für die Motivation des Autors werten.

    F.N.

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