Südafrikas Ex-Bahnchef als Opfer einer Intrige?

Zeitung „Sunday Times“ steht nach falscher Berichterstattung über Prasa-Korruption unter Beschuss

(Autor: Ghassan Abid)

Die südafrikanische Zeitung „Sunday Times“ steht aktuell nach ihrer Berichterstattung über die Staatsbahn „Passenger Rail Agency of SA“, kurz Prasa, unter massivem Beschuss. Diese hatte nämlich im Sommer über einen Korruptionsverdacht beim Prasa-Chef Collins Letsoalo berichtet. Als Grundlage für die Recherche wurde ein interner Bericht von Wirtschaftsprüfern angeführt, den es womöglich niemals gegeben hat. Die Folgen sind verheerend.

© Ein einzelner Artikel der südafrikanischen Zeitung „Sunday Times“ habe seine berufliche Existenz zerstört. erklärte der ehemalige Bahnchef Collins Letsoalo die Auswirkungen der Fake News. Nun wolle er seine Unschuld beweisen und zivilrechtliche Ansprüche gegen Prasa und die Zeitung durchsetzen. (Quelle: Screenshot/ SABC)

Das die internen Abläufe in den Staatsunternehmen der Republik Südafrika nicht rund laufen, ist längst kein Geheimnis mehr. Die Airline „South African Airways“, der Energiekonzern „Eskom“ und auch die Rundfunkgruppe „SABC“ haben wiederholt mit Negativschlagzeilen zu kämpfen. Vetternwirtschaft, Missmanagement und Veruntreuung bestimmen die Schlagzeilen. Prasa, die staatseigene Bahn des Landes, stellt hierbei keine Ausnahme dar.

Allerdings waren die Vorwürfe, die die Zeitung „Sunday Times“ publik gemacht hatte, durchaus in besonderer Weise gravierend. Demnach habe der Bahnchef Collins Letsoalo sich selbst bereichert, indem er seine Entlohnung rechtswidrig und eigenständig um 350 Prozent erhöht habe. Insofern sei sein Jahreslohn von 1,3 Mio. auf 5,9 Mio. Rand, umgerechnet also auf knapp 370.000 Euro, erhöht worden. Als Grundlage für den Artikel wurde ein interner Bericht von Wirtschaftsprüfern angeführt, der sich nun als „nicht wahr“ entpuppt habe.

Entweder der interne Bericht der Wirtschaftsprüfer sei eine Fälschung gewesen oder der Journalist der „Sunday Times“ habe die Recherche frei erfunden – heißt es. Weitere Untersuchungen seien notwendig, um die Hintergründe zu den Fake News in Erfahrung zu bringen. Die Zeitung hat mittlerweile den besagten Artikel von ihrer Webseite runter genommen, nachdem die Wirtschaftsprüfer von sich aus die Existenz eines solches Berichts vehement abgestritten haben.

Mittlerweile ist Letsoalo von seinem Posten als Bahnchef abgesetzt worden. Ferner untermauerte er auf einer kürzlich abgehaltenen und gut besuchten Pressekonferenz, nach Bekanntgabe der offensichtlichen Falschmeldung mehrere Todesdrohungen gegen seine Person erhalten zu haben. Ferner sieht er sich selbst als Opfer einer Intrige aus dem Umfeld des Prasa-Vorstands, nachdem er Unregelmäßigkeiten innerhalb der Bahn aufgedeckt habe.

Der wohl gefälschte Bericht habe seiner Meinung nach zur gezielten Diskreditierung und somit zur Absetzung vom Posten des Bahnchefs gedient. Letsoalo kündigte an, seine Unschuld beweisen zu wollen. Außerdem wolle er gegen Prasa und die Zeitung juristisch vorgehen. Die ihm von der „Sunday Times“ übersandte Entschuldigung reiche nicht aus.

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