Werder Bremen erlebt Fiasko in Südafrika

Trainer Florian Kohfeldt war genervt, Spieler sind frustriert und mitgereiste Journalisten wurden beraubt

(2010sdafrika-Redaktion)

Der SV Werder Bremen verbrachte die Winterpause vom 2. bis 13. Januar 2019 im Johannesburger Trainingslager. Viele Eindrücke konnten die Grün-Weißen von Land und Leute sammeln. Entsprechend positiv fällt die offizielle Bilanz des Bundesligisten aus, der die dortigen Trainingsbedingungen als gut bezeichnet. Allerdings konnte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ aus Klubkreisen in Erfahrung bringen, dass Werder alles andere als zufrieden war. Denn die Liste der aufgetretenen Komplikationen ist lang geworden.

© Der Bundesligist SV Werder Bremen zieht offiziell eine positive Bilanz zum Trainingslager in Südafrika, das von der DFL bezuschusst wurde. Allerdings konnte die Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“ in Erfahrung bringen, dass die Grün-Weißen alles andere als zufrieden waren. (Quelle: Kaizer Chiefs)

Durch die immense Hitzewelle und anschließenden Regenfälle wurde der Rasen des Randburg FC, dem Trainingsgelände von Werder Bremen, erheblich in Mitleidenschaft gezogen. Entsprechend konnten die Fußballstars nicht so trainieren, wie es üblich wäre, um spielerische Fortschritte machen zu können. So sei die klassische Ballkontrolle nicht möglich gewesen, erinnert sich ein Werder-Funktionär. Ein effektiver Spielaufbau ist auf diese Weise ausgeschlossen. Zu stumpf und uneben ist der Rasen, sodass der Ball ständig wegsprang. In der Konsequenz waren etliche Fußballer über die unzureichende Beschaffenheit des Rasens frustriert. Im Hotel gab es hitzige Diskussionen.

Dann folgte das Testspiel gegen den Johannesburger Spitzenverein Kaizer Chiefs. Hierbei wurden kurzfristig der Austragungsort und Spielbeginn durch das gegnerische Team geändert. Zusätzlich wurde das Match bei der 1:0-Führung für Werder aufgrund eines Gewitters nach 50 Minuten abgebrochen. Ebenso sei der Rasen im FNB-Stadium – ehemals bekannt als Soccer-City-Stadion und Austragungsstätte der Fußball-WM 2010 – nicht geeignet gewesen, um ein Kombinationsspiel aufzubauen. Werder-Trainer Florian Kohfeldt konnte seine Enttäuschung vor den mitgereisten deutschen Sportjournalisten nicht verbergen. „Das habe ich mir anders vorgestellt“, erklärte er. Letztendlich könne er die Leistung seiner Jungs aus fußballerischer Sicht nicht bewerten.

Beim zweiten und letzten Testspiel gegen den südafrikanischen Tabellenführer BidVest West wurden die Grün-Weißen erneut enttäuscht. Zum Einen spielte der Bundesligist lediglich gegen ein B-Team des südafrikanischen Tabellenführers. Zum Anderen mühten sich die Bremer mit einem schwachen 2:2-Spielergebnis ab. Kapitän Max Kruse erzielte beide Tore für die Bremer. Nicht zu vergessen bleibt die umstrittene Regelung der südafrikanischen Fußballliga PSL, wonach die beiden Werder-Testspiele, die während der heimischen Spielsaison stattfanden, nicht öffentlich gezeigt und auch nicht im TV übertragen durften.

In der Konsequenz ist vielen Südafrikanern bisweilen nicht bekannt, dass sich ein Bundesliga-Klub im Süden Afrikas aufgehalten hat. Die Einladung von Werder-Funktionären in die Residenz des deutschen Botschafters in Südafrika, wo auch südafrikanische Sportjournalisten auf der Einladungsliste standen, konnte der mangelnden Berichterstattung nicht entgegenwirken. Bis auf wenige Medien wie „Times Live“, „Sowetan“ und „Soccer Laduma“ ist die mediale Resonanz mehr als übersichtlich, zumal die staatliche SABC-Rundfunkgruppe den Werder-Auftritt gänzlich ignorierte. „Keiner kriegt mit, dass Werder hier ist“, wird ein Funktionär von Journalisten zitiert.

Außerdem reisten kaum Werder-Fans mit nach Südafrika an. Es ist die Rede von maximal 30 Klubanhängern, die rund 9.000 Kilometer in Richtung Süden flogen. Schon bei der Landung am Johannesburger Flughafen O.R. Tambo war die Begrüßung durch nur einen einzigen Fan ziemlich enttäuschend. Werders-Aufsichtsratschef Marco Bode redete sich den Umstand schön und erklärte, dass nicht immer die Öffentlichkeit als Messfaktor herangezogen werden dürfe. Dabei liegt die Stärke beim Fußball vor allem auf die Mobilisierung großer Menschenmassen. Was wäre der Fußball ohne Öffentlichkeit überhaupt wert.

Darüber hinaus beklagten sich mitgereiste Journalisten, dass deren Wertgegenstände bei unterschiedlichen Außenterminen verschwunden seien. Mehrere elektronische Geräte seien geklaut worden, heißt es gegenüber der Redaktion von „SÜDAFRIKA – Land der Kontraste“. Ein Gefühl der Unsicherheit habe ich breit gemacht. Im Großen und Ganzen soll Werder-Geschäftsführer Klaus Filbry gesagt haben: „Hätte der Trainer allein entschieden, hätte er natürlich gesagt: Wir wollen lieber nach Spanien oder Portugal.“ Denn nach Berücksichtigung der Bezuschussung des Trainingslagers durch die Deutsche Fußball Liga (DFL) ist das Trainingslager in Südafrika unterm Strich ähnlich teuer geworden wie in Spanien.

Nächstes Jahr will Werder Bremen auf jeden Fall nicht nochmal nach Südafrika fliegen, ist aus dem Management des Weser-Stadions unmissverständlich zu hören. Zuvor verbrachten auch andere Bundesliga-Vereine wie der VfB Stuttgart, TSG 1899 Hoffenheim und VfL Wolfsburg den europäischen Winter am Kap.

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