Komplizierte Einreisebestimmungen

Aufenthaltsrecht bremst Tourismusbranche in Südafrika. Tausende Reisende betroffen

(2010sdafrika-Redaktion)

Minderjährige, die nach oder aus Südafrika reisen, müssen neben ihrem Reisepass mehrere zusätzliche Dokumente mit sich führen, wie zum Beispiel eine Geburtsurkunde, eine Einverständniserklärung ihrer Eltern oder eines Vormunds, die bestätigen, dass das Kind Südafrika betreten bzw. verlassen darf. Mit diesem Text informiert Lufthansa seine Passagiere über die komplizierten Einreisebestimmungen Südafrikas. In der Praxis führt genau diese Regelung zu erheblichen Komplikationen, mit fatalen Folgen für die Wirtschaft.

© Südafrikas Einreisebestimmungen gelten als kompliziert, zu bürokratisch und kontraproduktiv. Bei der Einreise von Kindern greifen spezielle Vorschriften, die auf einem offiziellen vier-seitigen Merkblatt beschrieben werden. Damit soll nun Schluss sein. Denn der Tourismus leidet hierunter. (Quelle: flickr/ Bob Adams)

Wiederholt berichteten Medien aus Südafrika und dem Ausland über tragische Szenen an den Flughäfen des Landes, allen voran am Johannesburger Flughafen O. R. Tambo. Denn wer als Tourist in Begleitung minderjähriger Kinder nach Südafrika einreiste, erlebte in vielen Fällen eine böse Überraschung. So kam es wiederholt vor, dass Familien die Geburtsurkunden ihrer Sprösslinge nicht mit sich führten oder aufwendig beglaubigen ließen. Und wenn nur ein Elternteil einreiste, waren noch weitere beglaubigte Schriftstücke mit ausführlichen Informationen notwendig. Es war die Rede von „Beamtenwillkür“ und „Schikane“. Streitigkeiten entbrannten an den Schaltern der Airports.

Dabei wollte das Innenministerium durch die strikte Auslegung der Einreisebestimmungen ursprünglich die Gefahr von Kindesentführungen und den Menschenhandel eindämmen. Getroffen hat es meist die Falschen, so zumindest erklärte es die in Pretoria ansässige und auf den Tourismus spezialisierte Non-Profit-Organisation TBCSA in einem Bericht gegenüber dem Parlament. Denn zwischen Juni 2015 und Juli 2016 konnten 13.246 Touristen aus aller Welt ihre Reisen ans Kap nicht antreten, weil sie die erforderlichen Dokumente nicht rechtzeitig oder gar nicht aufbringen konnten. Ähnliches gilt auch umgekehrt für Südafrikaner, die mit ihren Kindern ins Ausland wollten.

Wirtschaftsexperten halten die aktuelle Rechtspraxis für wenig förderlich, wenn nicht sogar für äußerst kontraproduktiv. Die Anpassung der Einreisebestimmungen, die im Dezember 2018 in Kraft getreten ist, reiche bei weiten nicht aus, um von einer tatsächlich Abschaffung der Hindernisse sprechen zu können. Das Wachstum der Tourismusbranche des Landes werde auf diese Weise gebremst. Dabei zeigen Beispiele aus anderen Staaten Afrikas, etwa aus Marokko, Tunesien, Madagaskar und Äthiopien, dass die Lockerung des Aufenthaltsrechts zu einem spürbaren Zuwachs an Reisenden und Buchungen geführt haben. Südafrika möchte hieran anknüpfen.

Ebenso erwägt das Innenministerium für weitere Staaten die Visumspflicht abzuschaffen. Beispielsweise ist für Deutsche, Österreicher und Schweizer zur Einreise nach Südafrika kein Visum erforderlich, da diese unmittelbar bei Ankunft in der Regel ein sogenanntes „visitor’s permit“ durch die Grenzbeamten erhalten, welches den Aufenthalt für 90 Tage berechtigt. Zusätzlich soll die Einreise für Familien vereinfacht werden. Kinder benötigen bislang einen eigenen Reisepass mit Lichtbild und ihre Geburtsurkunde für die Einreise in die Republik Südafrika. Dazu wird die Mitnahme einer internationalen Geburtsurkunde seitens der Botschaft Südafrikas in Berlin empfohlen.

Ein Merkblatt mit ganzen vier Seiten, herausgegeben vom Innenministerium Südafrikas, informiert über die komplizierten Einreiseregelungen für Kinder. Eine Änderung der Rechtslage scheint dringend vonnöten, wenn man bedenkt, dass die staatliche Fluglinie South African Airways (SAA) auf der eigenen Website unmissverständlich ihre Distanzierung erkennen lässt: „Die Rolle von SAA besteht darin, sicherzustellen, dass die neuen Einwanderungsbestimmungen von seinen Kunden kommuniziert und eingehalten werden. SAA ist jedoch in keiner Weise für das Gesetz und die neuen Einwanderungsbestimmungen verantwortlich.

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