Der Glaube am Aberglauben

Tote ins Leben zurückholen: Pastor Alph Lukau aus Südafrika wird von Fans als Prophet gefeiert

(Autor: Ghassan Abid)

Wenn der selbsternannte Pastor Alph Lukau in Südafrika auftritt, dann füllen sich ganze Säle mit tausenden von Menschen, die ihm begeistert zuhören, wenn er wieder wundersame Dinge vollbringt. So habe er beispielsweise verstorbene Menschen zurück ins Leben geholt, Erkrankungen wie HIV geheilt und Behinderungen wie das Blindsein einfach verschwinden lassen. Bis zu sieben Millionen Klicks generiert Lukau mit einzelnen YouTube-Videos, der nach eigenen Aussagen kein Mensch sei. Seine Fans sehen in ihn sogar einen Propheten, den Gott auf die Erde entsandt hat.

© Selbsternannte Pastoren wie Alph Lukau [im Bild r.] aus Johannesburg locken tausende Menschen zu den Predigten. Seine Videos im Internet werden millionenfach geklickt. Sein Fall zeigt, dass der Glaube am Aberglauben in Südafrika tief verwurzelt ist. (Quelle: Facebook/ Alph Lukau)

Der stets in maßgeschneiderten Anzügen auftretende Pastor hat es mit der Gründung seiner Vereinigung „Alleluia Ministries International“, die er als Kirche deklariert, zu gewaltigem Reichtum geschafft. Er sei in der Lage, Menschen zu retten, zu heilen, zu befreien, Familien zusammenzubringen und Wunder zu vollbringen. Dieser Anspruch ist zumindest auf der Webpräsenz des „Bibelgelehrten“ nachzulesen. Gleichzeitig untermauert Lukau, auch ein „versierter Geschäftsmann und eine Ikone auf dem Markt“ zu sein.

Insofern wird deutlich, dass der monetäre Ansatz bei der Ausübung der Funktion des Geistlichen im Vordergrund steht. Genauso wie bei seiner Ehefrau Celeste Lukau, die als Pastorin dem Vorbild ihres Mannes folgt, ist erkennbar, welches Ziel das Ehepaar unter dem Gewand des Christentums verfolgt. Dabei hat es der im noblen Johannesburger Stadtteil Sandton ansässige Geschäftsmann und gleichzeitige Besitzer eines Rolls Royce verstanden, die Verzweiflung der Menschen für seine Zwecke zu nutzen bzw. nach Ansicht seiner Kritiker ohne jegliche Skrupel auszunutzen.

Die verschiedenen Social-Media-Kanäle, allen voran YouTube und Facebook, versteht Lukau geschickt einzusetzen, sodass seine Anhängerschaft in Südafrika und im Ausland zunehmend wächst. Längst tritt der Pastor international auf und Sonntagspredigten werden live übertragen. Spätestens mit einem Video, wo er nach eigenen Angaben einen im Leichensarg seit zwei Tagen befindlichen Verstorbenen unter Jesus-Rufen zurück ins Leben gerufen habe, hat es Lukau auch in die europäische Öffentlichkeit geschafft. Seine Anhängerschaft ist davon überzeugt, dass ihr Prophet besondere Fähigkeiten von Gott bekommen habe, um Gutes auf der Welt zu verbreiten.

Fakt ist, dass der Aberglauben in Südafrika stark verbreitet ist. Wiederholt sind eigenmächtig berufene Pastoren in Erscheinung getreten, die Dinge behauptet haben, die keineswegs mit dem klassisch-christlichen Brauchtum im Einklang stehen. Der Pastor Sipho Mphakathi behauptete etwa, dass der Verzehr von gesundheitsschädigendem Hygiene-Reiniger für die Selbstreinigung geeignet sei. Der Pastor Lesego Daniel empfiehlt dafür das Essen von Gras, um Gott näher zu sein. Und der „Schlangenpastor“ Penuel Mnguni ist dafür bekannt, seinen Gemeindemitgliedern lebendige Ratten oder Schlangen zum Essen zu geben, damit diese von Krankheiten befreit werden. Ebenso gelten Sekten wie Scientology als klassische Religionsgemeinschaften.

Während die katholische Kirche in Südafrika die Pastoren dieser umstrittenen Freikirchen scharf kritisiert, hält sich der südafrikanische Staat mit Positionierungen weitgehend zurück. Denn die Form der Religiosität wird den Gläubigen selbst überlassen, die meist freiwillig sich den publikumsfreudigen Pastoren anschließen. Außerdem ist es im Süden Afrikas im Vergleich zu anderen Staaten wesentlich leichter, eine Kirche zu gründen, auch wenn diese offensichtlich dem Aberglauben oder der Geschäftemacherei zuzuordnen ist.

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